04.10.2019

Ritterliches Verhalten gegenüber Reitern

Wie sollen sich Auto- oder Fahrradfahrer verhalten, wenn sie auf der Strasse auf Reiter und Pferd treffen?

04. Oktober 2019

Gegenseitiger Respekt

Genf ist der Kanton mit der höchsten Anzahl Pferde pro Einwohner. So ist es nicht selten, dass man auf einer der Kantonsstrassen am Genferseezipfel auf Pferde trifft. «Wir meiden nach Möglichkeit die verkehrsreichen Strassen, aber um auf die Reitgelände zu gelangen, kommen wir nicht darum herum, sie zumindest zu überqueren», erklärt Laurent Girardet, Co-Präsident des Reitvereins der Region Versoix (ACRV). Und obwohl jedermann das Recht zur Benutzung der Strasse hat, ist das Miteinander zwischen Verkehrsteilnehmern und Reitern nicht immer selbstverständlich.

Hier muss betont werden, dass auch Reiter die Verkehrsregeln befolgen müssen, so etwa, auf der Strasse nicht nebeneinander zu reiten – ausser es sind mehr als sechs Pferde miteinander unterwegs – oder sich nach Möglichkeit am Strassenrand zu bewegen, um die Fahrbahn zum Überholen freizugeben, und bei schlechten Lichtverhältnissen Reflektoren zu tragen. «Dennoch sind wir häufig mit unangebrachtem Verhalten seitens mancher Autolenker konfrontiert», erzählt Xavier Rey, Co-Präsident der ACRV.

Ritterliches Verhalten gegenüber Reitern
Foto: Olivier Vogelsang
 

Harmonisches Nebeneinander

Gas geben, den Motor aufheulen lassen, zu nahe auffahren, Fernlicht einschalten: Das sind einige Beispiele von unzivilisiertem Verhalten seitens mancher Autolenker, die vielleicht nicht wissen, wie sie sich beim Überholen von Reitern oder Pferdegespannen verhalten sollen.

Auch E-Bike-Fahrer sind von diesem Problem betroffen. «Die E-Bikes sind lautlos und schnell. Wenn der Velofahrer klingelt, um sein Herannahen anzuzeigen, kann das Pferd erschrecken und in Panik geraten», sagt Rey und betont, dass bereits das Flattern von Lastwagenplanen oder das Klappern eines Anhängers Pferden Probleme bereiten können. Und Laurent Girardet präzisiert: «Das Pferd kann in Sekundenschnelle kehrtmachen, den Reiter abwerfen oder aber die Karosserie eines Autos demolieren.» 

Das Pferd ist ein Fluchttier

Um das Problem zu verstehen, muss man sich in den Kopf des Tiers versetzen. Sein Sichtfeld beträgt zwar 340 Grad, aber es gibt dennoch Bereiche, die es nicht überblickt. Die toten Winkel befinden sich direkt hinter und direkt vor dem Pferd. «Trotz seiner Domestizierung bleibt das Pferd ein Fluchttier, ein Lebewesen, das reagiert », erklärt Xavier Rey. «Bei Gefahr ist Flucht seine Verteidigung».

Nähert sich ein Fahrzeug von hinten und rückt zu nahe an das Tier auf, kann dieses die Gefahr nicht sehen und vom Geräusch überrascht werden. Als Folge davon kann es abrupt kehrt machen oder zur Seite springen.

Der Fachmann benutzt einen Vergleich, um die Unvorhersehbarkeit des Pferdes zu erklären: «Stellen Sie sich ein Kind vor, das am Strassenrand mit einem Ball spielt. Geben Sie da Gas? Bei einem Pferd empfiehlt sich dasselbe Verhalten.» Natürlich hängen die Reaktionen des Pferdes auch von Rasse, Temperament und seiner Erfahrung ab. Und es verlangt auch vom Reiter, jederzeit aufmerksam zu sein.

3 einfache Verhaltensregeln

Für Laurent Girardet beginnt ein harmonisches Nebeneinander mit dem gegenseitigen Respekt. Xavier Rey fügt an, dass der Unvorhersehbarkeit des Pferdes mit drei Regeln begegnet werden kann.

  • auf vernünftige Weise auf sich aufmerksam machen
  • Tempo anpassen und
  • Mindestabstand einhalten

Auf dem E-Bike macht man am besten mit der Stimme auf sich aufmerksam – ein Guten Tag macht sich immer gut. Das Pferd ist an Menschen gewöhnt und wird nicht überrascht.» Beim Herannahen ist es zudem angebracht, so weit zu verlangsamen, dass man im Falle eines Falles reagieren kann.

Beim langsamen Überholen hält man einen seitlichen Mindestabstand von ca. 1,5 Meter ein. So wird man nicht getroffen, sollte das Pferd ausschlagen. Hinter dem Pferd hält man einen Mindestabstand von drei Metern ein.

 TEXT ALINE BEAUD | FOTOS OLIVIER VOGELSANG

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