





Schön ist auch die Erkundung der Insel Sakurajima, bekannt für ihren Vulkan. Allerdings muss dort für eine Velotour das Wetter gut sein.
Die Veloreise wurde durch Tourasia unterstützt.
tourasia.ch
Text und Fotos Juliane Lutz
Der erste Stopp erfolgt nach ein paar Minuten. Wer in Fukuoka ist, besucht auch den 234 Meter hohen Fukuoka Tower. Während der Lift zur Aussichtsplattform hinaufsaust, versorgt eine junge Frau die Besucher mit Informationen zum höchsten Küstenturm des Landes. Leider spricht sie nur Japanisch. Die Aussicht von 123 Metern Höhe auf die sechstgrösste Stadt Japans und auf das Meer ist schon beeindruckend.
Ich rolle auf dem leichten Mietvelo weiter über Brücken, durch Geschäftsund Wohngebiete zum Odo-Park am Meer. Es ist heiss und die Luftfeuchtigkeit enorm. Angekommen, setze ich mich dankbar in den Schatten der alten Bäume und beobachte Raben, die selbstbewusst umherstolzieren.
Nur innerhalb von Shimoyamato muss ich zwei, drei Kilometer lang zwischen Kei-Cars, grösseren Autos und Lastwagen im dichten Verkehr fahren. Ansonsten gibt es entlang der Strassen immer Wege, die Velofahrer nutzen können. Nach Imajuku beginnt die Itoshima-Halbinsel, mein Ziel für zwei Tage. Sie ist eine beliebte Ausflugsregion, für ihre schöne Küstenlandschaft bekannt und zu meiner Freude schön flach. Leider fängt es an zu regnen, manchmal so heftig, dass ich mich unterstellen muss. Einmal steigen kleine Kinder aus einem Bus und schauen die Nichtasiatin mit grossen Augen an. Es gibt einiges zu sehen: schöne alte Schreine, kleine Tempel und immer wieder prächtige alte Häuser. Da es schüttet, halte ich nicht an. Sorgen, dass Glasscherben oder anderes die Reifen beschädigen, sind unnötig. In Japan wird nichts weggeworfen. Es ist üblich, den Abfall wieder mit nach Hause zu nehmen, und eher schwierig, überhaupt Mülleimer im öffentlichen Raum zu finden.
Einmal überholt mich ein teurer Mercedes, und zwei Porsche kommen mir entgegen. Da in Japan weniger als fünf Prozent aller zugelassenen Autos ausländische Fabrikate sind, scheint die Itoshima-Halbinsel bei den Gutbetuchten beliebt zu sein. Irgendwann steige ich doch ab. Am Meer liegt ein aufgegebener Beachclub, der mich mit seinen eigenwilligen Gebäuden auf dem eigenen Pier fasziniert. Lange wird es diesen Lost Place nicht mehr geben, denn die Bagger stehen schon bereit. Bei Dunkelheit erreiche ich den Ferienort Palm Beach, in dem tatsächlich Palmen am Strand stehen. Es ist noch nicht sehr spät, als ich kurz darauf bereits ganz allein auf der Terrasse des Hotels Seven X Seven sitze. Bis auf das Zirpen der Grillen und die Wellen, die an den Strand schlagen, ist es still. In Japan, heisst es, geht man früh ins Bett und sitzt gern schon um sieben Uhr morgens am Frühstückstisch, selbst in den Ferien.
Am nächsten Morgen scheint die Sonne, und ich habe Glück, komme ich noch vor einem grossen Car am Sakurai-Futamigaura-Strand an. Die zwei Felsen im Meer, die ein Ehepaar darstellen sollen, und das weisse Tor davor sind in Japan berühmt und werden entsprechend viel fotografiert. Auf dem Weg zur Felsenformation Keya no Oto sticht mir ein Restaurant ins Auge, das sich vom Design her dem Ei verschrieben hat. Selbst die Sessel sind dem Naturprodukt nachempfunden. Eine Stunde später gehe ich ein kleines Stück durch den Genkai-Quasi-Nationalpark, um Keya no Oto aus der Nähe zu sehen. Leider ist keine Zeit, um mit einem Boot zu den Basalthöhlen zu fahren, denn bis Fukuoka ist es noch weit. Hier auf dem Land fährt niemand sonst Velo. Sobald ich mich wieder der Grossstadt nähere, sehe ich ältere Herren auf Klappfahr rädern, Mütter, die ihre Kinder in modernen Cargobikes transportieren, und Geschäftsmänner, die auf knallroten Leihbikes in der City zu Terminen flitzen.
Nach 95 Kilometern in 48 Stunden auf dem Velo gehe ich den dritten Tag ruhig an und fahre auf das Inselchen Shikanoshima, das zu Fukuoka gehört. Es soll sich in einer Stunde umrunden lassen. Erneut leihe ich mir ein Rad bei Moto, der mir schon das Trekkingbike für die Itoshima-Halbinsel vermietet hatte. Der Architekt stammt von der Insel und betreibt neben dem Veloshop ein Café und ein kleines Hotel. Alles selbst entworfen. Mich beeindruckt der einer Seegottheit gewidmete Shikaumi-Schrein, ansonsten ist die Insel ruhig. Bevor ich wieder fahre, gönne ich mir im einfachen Restaurant Nakanishi einen Eintopf mit Muscheln, Poulet und Gemüse. Ein Hochgenuss für etwa vier Franken.
Wie wichtig Essen für Japaner ist, lässt sich in Hakata, dem Bahnhof von Fukuoka, erleben. Schon um sieben Uhr sind fast alle Restaurants geöffnet. Von Kuchen über Hühnerbeine bis zu makrobiotischem Essen ist alles geboten. Ich komme extra früh, um ja nicht den Shinkansen nach Kagoshima, die südlichste Station des Zuges, zu verpassen. Meine Angst ist unbegründet. Alles ist genau angeschrieben, und der Wagen mit meinem reservierten Platz hält direkt vor mir.
In Kagoshima geniesse ich erst vom Shiroyama-Park aus den Blick auf die Insel Sakurajima und ihren gleichnamigen Vulkan, bevor ich mit einer Autofähre übersetze. Bei der ersten Erkundung staune ich nicht schlecht über ein mehrere Hundert Meter langes Fussbad. Obwohl es regnet, wird es von vielen genutzt. Manche haben einfach ihre Regenschirme aufgespannt.
Auch am nächsten Tag versteckt sich der Sakurajima grösstenteils hinter Wolken. Er ist einer der aktivsten Vulkane Japans und im Leben der Insel bewohner omnipräsent. Ich komme an Unterständen für den Fall eines Ausbruchs vorbei, und irgendwo ziert ein Kinderbild des spuckenden Vulkans die Wand eines Feuerwehrhauses. Die Insel soll sich in acht Stunden auf dem Velo umfahren lassen. Doch bei der Tourist Information wird mir wegen einer angekündigten Schlechtwetterfront kein Rad ausgeliehen. Die Wege und Strassen könnten rutschig und gefährlich werden. Sicherheit, erfahre ich, wird in Japan sehr grossgeschrieben. Also wandere ich auf einem schön angelegten Weg an der Küste entlang. In mitten des umgebenden üppigen Grüns liegen immer wieder grosse Brocken schwarzen Vulkangesteins. Von einer Aussichtsplattform könnte ich den Showa-Krater am Südgipfel des Vulkans sehen, wären die Wolken nicht. Ich besuche eine Töpferei, die von einem freundlichen Mutter-Tochter-Duo geführt wird. Dann lasse ich mich vom einzigen Taxifahrer der Insel, einem alten Herrn, der aber wie ein Junger rast, zu einem Dorf fahren, das beim letzten grossen Ausbruch 1914 ver schüttet wurde. Vom drei Meter hohen Tor, das zum Schrein führte, ist nur der obere Balken zu sehen.
Letztendlich fällt kein einziger Tropfen. Als kleiner Trost für die entgangene Velotour zeigt sich mir der Sakurajima auf der Rückfahrt nach Kagoshima einmal ganz ohne Wolken.
Anreise
Von der Schweiz aus fliegt Cathay Pacific mit Stopp in Hongkong Fukuoka an. Von der Stadt aus kommt man gut nach Nagasaki, auf die Goto-Inseln und nach Sakurajima.
Wohnen
Grand Hyatt, Fukuoka: praktisch gelegenes, modernes Hotel.
Seven X Seven, Itoshima: neues schickes Hotel mit tollem Blick.
Hotel Rainbow Sakurajima, Sakurajima: etwas in die Jahre gekommen, aber Toplage und prima Essen.
Velomiete
Yamazaki Motoyasu,
motoyasu_ yamazaki@ubsna.jp: für Touren auf die Itoshima-Halbinsel und auf Shikanoshima; Tourist Office Sakurajima.
Ausflug nach Sakurajima
Der Shinkansen fährt in knapp eineinhalb Stunden nach Kagoshima, dann mit der Fähre nach Sakurajima. Von Kagoshima fährt er nach Hakata (Bahnhof von Fukuoka).
Verständigung
Mit den drei Worten konnichi wa (hallo), arigato gozaimasu (danke) und sumimasen (Entschuldigen Sie bitte!) sowie einer guten Übersetzungs-App kommt man weit.
Anbieter
Tourasia bietet Rund- und individuelle Reisen – auch für Velofahrer – in Japan an. tourasia.ch
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