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13.01.2022

Japan in der Schweiz

Reisen ist im Moment wieder nicht ganz einfach. Flüge zu fernen Sehnsuchtszielen scheinen risikobehaftet. Doch manchmal muss man gar nicht weit gehen, um das Fernweh zu stillen, wie unser Beispiel zeigt.
13. Januar 2022
Japon
Teemeister Christoph Meier bringt die nötigen Utensilien in den ­Teeraum des Museums Rietberg in Zürich.

Der Teemeister bringt aus dem Nebenraum erst ein Wassergefäss, dann eine Teeschale mit kleinem Besen drin und ein Döschen. Als schliesslich alle Utensilien vorhanden sind und das Wasser im Kessel zu sieden beginnt, bereitet er den ­Ma­tcha-Tee von einer renommierten Plantage bei Kyoto zu. Er verneigt sich vor mir und fordert mich auf, die vor mir liegende Süssigkeit zu ­essen. Danach nimmt er die Schale, dreht sie, bis das schönste Motiv mir zugewandt ist und gibt sie mir. Ich soll den Tee jetzt trinken. In Japan gilt er in dem Moment als perfekt, in dem er serviert wird. Danach räumt der Teemeister mit ebenso eleganten wie sparsamen ­Bewegungen die Gerätschaften wieder ab. Das Ganze wirkt wie eine perfekt ein­studierte Choreografie.

Die japanische Tee­zeremonie ist ein ganz
besonderes Erlebnis. In Japan gilt eine
Ein­ladung dazu als Ehre.

Wir sind im Teeraum des ­Museums Rietberg in Zürich. Alle Raumelemente wurden in Kyoto nach Mass hergestellt und in die Schweiz verschifft. Eingeflogene japa­nische Handwerker bauten sie ein. Der Teemeister allerdings kommt aus dem Aar­gau. Christoph Meier, studierter Sozialpädagoge, kam über sein Interesse für Phi­lo­sophie zu Zen-Meditation und Kalligrafie und schliesslich zur Teezeremonie. Ihn fasziniere die Ästhetik der Schlichtheit und die Kultur der Achtsamkeit und des ­Respekts. 2009 begann er mit der Ausbildung zum Teemeister, ein langer Weg. Wer all die komplexen Abläufe ­beherrschen will, muss mit zehn bis zwölf Jahren Lehrzeit rechnen. Er erklärt, dass in Japan die Einladung zur Teezeremonie eine ausser­ordentliche Ehre sei. Die Gäste erscheinen in schlicht-eleganten Kimonos und ohne Schmuck, da nichts die Aufmerksamkeit von Tee und ­Zeremonie ablenken soll. Das Ganze dauere bis zu vier Stunden. Gesprochen wird dabei nicht. Erst werde hochkonzentrierter «dicker» Tee serviert, dann «dünner» Tee, das, was ich erleben durfte. Schon die Kurzversion empfinde ich als besonders.

Einst Blumenkunst der Samurai

Berlin
Lebendes Kunstwerk Ein Kakubana gelingt allerdings nur im ­Ikebana bereits sehr Fortgeschrittenen.

Neben Ursina Früh liegen Äste, gefärbte Gräser und weisse Callas auf dem Tisch. Mit geübten Handgriffen steckt sie ein Freestyle-Arrangement in Linienform. Freestyle heisst im Ikebana aber nicht, dass es keine Regeln gibt. Im Gegenteil. «Da die Vase gerade ist, stehen die Pflanzen aufrecht und bilden zusammen mit der Vase ein Rechteck. Und die Äste müssen von der Länge her zum Gefäss passen», erklärt die Frau aus der Region Basel, die vier Jahre in Japan lebte. Auf einer Kommode der Ikebana Misho Schule in Sissach steht eine flache mit Wasser gefüllte Schale. Darin stecken Äste, deren Zweige nach links ragen, und rote Tulpen. Regula Maier hat diese schöne Minilandschaft geschaffen. Dabei handelt es sich um ein Kakubana, eine klassische Form des Ikebana, die nur sehr Fortgeschrittenen gelingt. Während zehn Jahren in Japan erlernte die Primarschullehrerin die Kunst des Blumenarrangements. Ihr ­gefalle dieses nie enden wollende Streben nach Perfektion und Harmonie. Auch, dass es eine vergängliche Kunst sei. 

Konzentriert: Regula Maier (vorn) und Ursina Früh
arbeiten in Sissach an Freestyle-Arrangements

Nach der Rückkehr an den Wohnort Sissach gründete sie das Ikebana Inter­na­tional Chapter Basel. Und eröffnete in einem Raum im Bürogebäude, wo sich der Firmensitz ihres Manns befand, die Schule. Längst hat sie einen der höchsten Ränge in dieser Disziplin und unterrichtet derzeit regelmässig 25 Interessierte, während Ursina Früh, Präsidentin des Chapters, ­saisonale Workshops gibt. Für sie ist Ikebana eine Form von Meditation, die sie im schnelllebigen Heute zur Ruhe kommen lasse. Jede und jeder könne Ikebana, das lange nur von den Samurai ausgeübt werden durfte, erlernen, sagen beide. Aber es brauche viel Geduld, und man müsse sich auf die strengen Regeln der Kunst ein­lassen.

Zwei lustige Gaijin

Berlin

Fremd fühlt man sich im ­Gaijin nicht lange. Das liegt an der fröhlichen Art von George, Dan und ihrer Crew. Im Februar 2020 eröffnet, hat sich das Lokal an der Birmensdorferstrasse zu einer festen Grösse unter Expats und Zürchern etabliert. Beim Gaijin, das Wort bedeutet übersetzt Aussenstehender, handelt es sich um eine Izakaya, eine Beiz, in der in gemütlicher Atmosphäre Kleinigkeiten zu Getränken serviert werden. Doch der Grieche aus der Finanzbranche und der aus­gebildete ­erfolgreiche Koch aus Vancouver servieren mehr als das. Es gibt reguläre Gerichte und ein Tasting-Menü mit elf bis dreizehn Gängen. Die beiden sind Fans der japanischen Küche, be­tonen aber, dass sie daraus lediglich Ideen übernehmen und ihnen einen ganz eigenen Touch verpassen.

Berlin
Ein Fest für alle Sinne und zum Teil aufwendig zubereitet: die Tapas im Gaijin, die von der japanischen, koreanischen, italienischen und griechischen Küche beeinflusst sind.

Manche Gerichte seien ameri­kanisch, italienisch oder griechisch inspiriert. Zum Beispiel eine Lasagne mit Miso-Ente und Kohl. Oder Baklava mit in Ouzo getränkten Nüssen und intensiven Zitrusaromen. Sie entwickeln sie selbst, abends nach der Arbeit in lockerer Atmosphäre. Ihr Konzept sei, dass es schmecken müsse und dass alle am Tisch die Gerichte miteinander teilen können. Das verbinde die Leute. Beim Besuch servieren sie unter anderem Edamame mit BBQ-Geschmack, Rosenkohl mit Thunfischflöckchen, «Wonton Taco Shells» mit ­Garnelen und Schweinebauch. Die Gerichte sind köstlich und ein Fest fürs Auge. Wer einmal im Gaijin war, will wiederkommen. Und auch das japanische Bier, die Drinks oder den Sake probieren. 

Weitere Bilder

Text: Juliane Lutz
Fotos: Emanuel Freudiger

Noch mehr Japan in der Schweiz

Sehen:
«Mythos Samurai», Ausstellung im Bernischen Historischen Museum, bis 5.6.2022, bhm.ch
Hören:
Autorin Christine Rinderknecht liest aus ihrem Roman «Sieben Jahre mit dem Japaner». 15.2.2022: Orell Füssli Bern, 22.2.2022: Orell Füssli Basel, orellfuessli.ch
Teezeremonien:
Der Pavillon mit japanischem Teeraum und der Tee­garten tragen zum besonderen Ambiente bei, Casa del Tè Monte Verità, Ascona
Einblick in die japanische Tee­zeremonie gibt es freitags und samstags bei Länggass-Tee, Bern, laenggasstee.ch
Bäckereien/Teehäuser:
Hironori Takahashi bietet siebzehn japanische Brotsorten und herr­liche Küchlein in seiner gleich­namigen Confiserie/Bäckerei an, Adliswil (ZH), hirotakahashi.com
Taiyakis, Dorayakis oder Matcha-Kuchen – dass Japaner wahre Meister im Backen sind, zeigt sich in der Patisserie Osio, Lausanne, patisserie-osio.com
Im Marutcha-Teehaus finden auch Origami- und Teeworkshops ­sowie Japanischunterricht statt, Lausanne, marutcha.ch
Lebensmittel:
Reis, Sake, frischer Wasabi oder Geschirr – Yuko Suzuki und Markus Baumgartner wollen mit ihrem Shop Shinwazen (auch online) eine Brücke zwischen Japan und Europa bauen, Zürich, shinwazen.ch
Seit 1980 gibt es im Nishi Japan Shop (auch online) salzige und süsse japanische Spezialitäten, Zürich, nishishop.ch
Design:
Bei Onoda finden Fans Accessoires fürs Haus, Kleidungsstücke und mehr von japanischen Herstellern, Zürich, onoda.ch
Schönes und funktionelles Wohndesign verkaufen Eva und Erwin Zehnder in ihrem Laden Sato, Zürich, sato.ch
Bei Sur un air de Japon gibt es Dinge wie magische Regenschirme, Lau­sanne, surunairdejapon.ch
Mangas und Anime:
Bei Jeeg Manga Anime (auch online-Shop) finden Fans von Comics und Zeichentrickfilmen so ziemlich alles, war ihr Herz begehrt, Zürich, jeeg.ch
Comix Shop Basel: Neben Comics in deutscher, englischer und französischer Sprache gibt es hier auch eine grosses Manga-Sortiment, comix-shop.ch
Von Profis lernen:
Furoshiki, die Kunst, Geschenke schön in Tücher einzubinden und andere Traditionen, kann man bei Yoshi Huggler lernen, Zürich, officejapan.ch
Im Papiermuseum Basel findet jeweils am 3. Sonntag im Monat (13-17 Uhr) ein offener Workshop der Origamigruppe Gelterkinden statt, papiermuseum.ch
Denise Baumgartner führt in die japanische Schriftkunst ein, Zürich, mountsushi.com
Ramen-Nudelschule mit Yoko Tateishi im Museum Mühlerama, Zürich, muehlerama.ch
Hotels:
Swiss Capsule – Standorte des Kapselhotels sind in Luzern, Basel und am Zürcher Flughafen, capsulehotel.ch
Green Marmot, Capsule Hotel, Zürich
Architektur:
Der Swatch Hauptsitz in Biel wie auch der Tamedia-Hauptsitz in Zürich wurden von Star-Architekt Shigeru Ban erbaut.
Das Verwaltungsgebäude auf dem Novartis Campus in Basel und das Rolex Learning Center auf dem EPFL-Gelände in Lausanne tragen die Handschrift des renommierten Tokioter Büros Sanaa.
Der in Tokio und Paris ansässige Architekt Kengo Kuma entwarf das Pavillon Artlab, bekannt als Dach, das neben dem Rolex Learning Center auf dem EPFL-Campus liegt.
The Circle am Züricher Flughafen entwarf Riken Yamamoto
Weitere Informationen:
www.japan.travel/de; www.japan.travel/de/de/japan-in-der-schweiz/

Bei der Liste handelt es sich um redaktionell ausgewählte Angebote. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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