14.12.2018

Warten auf den Lichtertanz

Die Lofoten in Norwegen eignen sich während der Wintermonate besonders gut für die Jagd nach den Nordlichtern.

14. Dezember 2018

Im Hafen von Svolvaer dümpelt das Fischerboot Symra sanft an der Mole. Möwen fliegen auf der Suche nach Futter waghalsige Manöver. Der Februartag ist kalt, wolkenlos und für die Lofoten ungewöhnlich windstill. Perfekte Bedingungen, um draussen bei den Inseln, die sich wie Walbuckel aus der See erheben, nach Dorsch zu angeln. Dort angekommen sucht Kapitän Morten Holst mit dem Echolot nach Fischschwärmen. Nach ein paar Manövern wird er fündig und ein Matrose setzt den Anker. Die Angelruten werden präpariert und ein Köder um den anderen wird 80 Meter hinunter auf den Meeresgrund gelassen. Das langsame Heben und Senken der Rute zeigt schnell einmal Wirkung und schon hängen die ersten Dorsche an den Angeln. 

Nach knapp einer Stunde auf See ist genug Fisch gefangen – alle können sich satt essen. Die Crew vertäut die Symra im Hafen, die Fischergäste schälen sich aus den gelben Hochseeoveralls und schlendern zum Restaurant «Du Verden», das direkt am Hafen von Svolvaer liegt. Eine halbe Stunde später kommt der hübsch angerichtete Dorsch mit einer Beerensauce, Bohnenmus und Kartoffeln auf den Tisch. Frischer und besser geht es schlicht nicht mehr. 

Bitterkalte Nächte

Das hellgrüne Bohnenmus weckt Erinnerungen an die letzte kalte Nacht. Denn die Farbe ähnelt derer der Nordlichter, weswegen wir eigentlich auf die Lofoten gereist sind. Das Archipel zwischen BodØ und Narvik gehört mit seinen zahnähnlichen Felsgipfeln, den weissen Sandstränden und den schmucken Fischerdörfern zu den ältesten Gebirgen der Erde. Die Wikinger nannten sie zu Recht «Insel der Götter». Und wenn nun zwischen den bizarren Felsen die grünen Nordlichter zu leuchten beginnen, ist das ein Naturschauspiel, das sich für immer ins Gedächtnis einbrennt. 

Doch die Lichtschleier der Aurora borealis erscheinen nicht jede Nacht am Himmel oberhalb des Polarkreises. Ob es sich lohnt, in der Kälte der Nacht auszuharren, zeigt die Gratis-App «Northern Lights» des norwegischen Fremdenverkehrsamtes an. Sind Aktivitäten angesagt, kann die Jagd nach den Polarlichtern beginnen. Orte mit möglichst wenig künstlichem Licht wie eine offene Bucht, ein Pass oder Strände eignen sich gut. Die Strände von Uttakleiv oder Haukland auf der Insel VestvågØy sind einige der Hotspots. Oder der alte Leuchtturm bei Reine. Hier harrten wir hinter den Fotostativen lange bei klirrender Kälte aus, bis kurz nach Mitternacht der Lichtertanz plötzlich losging. Man kann sich an dem Schauspiel kaum sattsehen. Die Lichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes auf die Erdatmosphäre treffen und diese ionisieren. Die Nordlichter können grün, rosa oder lila sein. Besonders eindrücklich sind sie, wenn sie in grossen Schleiern zu tanzen beginnen. 

Attraktionen zuhauf

Die Nordlichter sind ein Grund, auf die Lofoten zu reisen. Es gibt aber noch zahlreiche andere. Von der Landschaft kann man einfach nicht genug kriegen, und warum dies nicht auf dem Rücken eines Islandponys bei einem Strandausritt in Gimsoya tun? Spielt das Wetter einmal verrückt, was auf den Lofoten durchaus der Fall sein kann, dann lohnt sich ein Besuch des Wikingermuseums bei Borge inklusive Wikingerlunch. 

Um die Bedeutung der Lofotenfischerei besser zu verstehen, ist das Museumsrestaurant Full Steam in Henningsvaer eine gute Adresse. Hier erfährt man alles über den Stockfisch, der immer noch überall auf Holzgestellen an der Luft getrocknet wird. Zudem kann der Skrei gekostet werden, das ist geräucherter Rogen der Dorsche. Dass die Fischerei überall präsent ist, veranschaulicht auch der schmucke Fischerort Nusfjord. Die Fischerhütten auf Holzpfählen sind ein begehrtes Fotosujet. Immerhin ist man an abgelegenen Orten und Mitten in der Nacht während der Jagd nach den Nordlichtern garantiert mutterseelenallein. Ausser man schliesst sich einer der geführten Nordlichttouren an.

Mit dem Schnellboot in den Kirkefjord

Mit bis zu 80 km/h über die Wellen gleiten und dann die fantastische Szenerie im Trollfjord bei Reine auf den Lofoten bestaunen, ist ein besonderes Abenteuer. 

Nordlichter fotografieren

  • Ausrüstung: Spiegelreflex- oder Systemkamera mit möglichst grossem Sensor. Lichtstarkes Objektiv mit Brennweiten von 16 bis 24 mm. Stabiles Stativ und Kabel- oder Funkfernauslöser, Stirnlampe mit Rotlichtfunktion. 
  • Grundeinstellung: ISO-Werte 1000 bis 2000, Blende: offen, Belichtungszeit 10 bis maximal 30 Sekunden im Modus Manuell, Autofokus ausschalten und Fokus auf unendlich voreinstellen. 

Reportage: Felix Maurhofer 

GUT ZU WISSEN

Anreise: Mit Scandinavian Airlines (SAS) von Zürich nach Oslo und nach Bodø. Mit der Airline Widerøe von Bodø nach Svolvaer (Lofoten).

Währung: Norwegische Krone (NOK).

Reisezeit für Nordlichter: Dezember bis Februar

Kleider: Warme Winterkleider im Schichtsystem. Gefütterte Winterschuhe mit Profilsohle.

Übernachten: An den meisten Orten können Fischerhütten (Rorbu) gemietet werden. visitnorway.de

Ausflüge: Wikingermuseum Borge, lofotr.no; Reiten mit Islandponys hovhestegard.no; Museumsrestaurant Full Steam, Henningsvaer,

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