Autark unterwegs mit dem Wohnmobil

Ausbau-Tipps für die autarke Stromversorgung


Camper schreiben für Camper!

Autor: Jörg Straub, TCS Camping Club Mitglied und begeisterter Camper. Reist mit seinem Wohnmobil Knaus Silver Line 700 DG, Jg. 2007 gerne und viel durch ganz Europa.

Wer sich ein neues Wohnmobil anschafft, braucht den Artikel nicht unbedingt zu lesen. Händler bieten neue Wohnmobile häufig mit günstigen Autarkiepaketen an. Diese beinhalten meist eine mittelgrosse Solaranlage inkl. einer geeigneten Aufbaubatterie und Gleichrichter. In der Regel deckt das den Bedarf des durchschnittlichen Wohnmobilisten ab.

Der Ausbau

Wenn sich aber die autarke Stromversorgung auf eine einfache Wohnraumbatterie ( Blei, AGM, Gel ) mit einer Kapazität von 80 – 150 Ah beschränkt, findet man sich in gewissen Momenten mit einen akuten Mangel an elektrischer Energie konfrontiert. Also muss ein Ausbau her.
Wer etwas handwerkliches Geschick und einige Grundregeln der Elektroinstallation mit bringt kann sich da problemlos selber helfen. Auch wer den Ausbau dem Fachhändler seines Vertrauens überlässt, kommt nicht umhin sich Gedanken über seine Bedürfnisse zu machen.

Wie lange möchte ich ohne Landstromversorgung stehen?

Die wichtigste Frage ist, wie oft und wie lange möchte ich ohne Landstromversorgung stehen? Wie hoch ist mein Bedarf an elektrischer Energie? Wer wochenlang völlig autonom unterwegs sein möchte und allen Komfort wie TV, Klimagerät, Nespresso-Maschine usw. nutzen möchte, kommt um eine Solaranlage, einen Generator oder eine Brennstoffzelle nicht herum.

Wer wie wir, max. 2-3 Nächte am Stück frei steht und viel unterwegs ist, kommt auch mit weniger Technik aus. In der Regel fahren wir alle paar Tage ohnehin einen Campingplatz an und stöpseln uns immer ans Netz an. Einige werden jetzt mit Recht sagen, das die Preise für die Stromversorgung pro Nacht meistens exorbitant hoch sind. In der Tat ist es so, das häufig 3-5 Euro pro Nacht fällig sind, was wohl kaum den realen Kosten entspricht, sofern ihr nicht zu denen gehört, die ihre Klimaanlage oder Heizlüfter durchgehend laufen lassen. 

Wenn man sich nun aber überlegt das eine eigene, autarke Stromversorgung schnell einmal CHF 2000.00 und mehr verschlingt, kann man getrost immer wieder mal ans Netz gehen. Wir sind im Jahr ca. 40 Tage unterwegs, davon max. 50% am Stromnetz, d.h. wir bezahlen pro Saison vielleicht CHF 100.00 für den Landstrom. Den Rest kann man sich selber ausrechnen.

Ist kein Landstrom vorhanden, muss unsere Wohnraumbatterie mit 100Ah den Bedarf abdecken. Da dann unser Kühlschrank im Gasbetrieb läuft, wir den Kaffee mit einem italienischen Espressokocher brühen und unsere Haare nicht föhnen, ist das für 2 Nächte kein Problem. Einen Gleichrichter brauchen wir bisher nicht. Im Frühjahr und Herbst, wenn dann am Abend der Fernseher auch mal 2 Stunden läuft und wir einiges an Licht brauchen, wird’s schonmal etwas knapp. Dann kann es auch vorkommen das unsere Batterie auch auf einer 3 stündigen Fahrt, durch den Alternator nur ungenügend geladen wird.

Die Alternative 1 - LiFePO4 Batterie von Liontron

LiFePO4
Bildquelle: m.solarandwind.ch

Was sind die Alternativen? Wir haben uns entschlossen einen Mittelweg zu beschreiten. Da wir immer etwas auf das Gesamtgewicht des Wohnmobils achten müssen, kam eine grössere Blei-, AGM oder Gel-Batterie nicht in Frage. Weil unsere Bleibatterie nach rund 7 Jahren Dienst sowieso etwas altersschwach geworden ist, haben wir uns entschlossen eine LiFePO4 von Liontron mit 100Ah einzubauen. Mit einem Preis von knapp etwas über CHF 1000.00 auch nicht gerade ein Schnäppchen, aber eine der günstigeren Lithium-Varianten. Natürlich muss es nicht zwingend ein LiFePO4 Akku sein, das ist eine Frage des Bedürfnisses. 

Hier ein Vergleich verschiedener Hersteller.

Der Akku

Der Akku ist mit einem eigenen Batteriemanagement-System und Bluetooth Überwachung ausgerüstet. Die Batterie steuert ihre Ladekennlinie selber, es braucht also kein Ladegerät mit spezieller LiFePO4 Kennlinie, was gerade bei älteren Wohnmobilen meist nicht vorhanden ist. Ich habe meinen Truma Ladeautomat auf AGM eingestellt, was eine ähnliche Kennlinie hat, das muss aber nicht zwingend sein. 

Die Batterie habe ich über Bluetooth mit dem Handy verbunden. Die App gibt es für Android und iOS, wobei die iOS Version bei mir nicht richtig funktionieren wollte. Aber auf Android klappt das ausgezeichnet. So kann ich den aktuellen Ladezustand, die Temperatur und den aktuellen Stromverbrauch inkl. Zeit bis die Batterie erschöpft sein wird, ablesen. Während des Ladens zeigt mir die App den aktuellen Ladestrom an und wie lange es bei gleichbleibender Ladung dauert bis der Akku wieder voll ist. Alles in allem eine feine Sache.

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Da bei LiFePO4 Akkus rund 90% der Kapazität genutzt werden können, sollte der Akku fast doppelt so lange halten wie die olle Bleibatterie und das bei halben Gewicht. Der Wechsel ist einfach, alte Batterie raus, neue rein. Ganz easy.

Die Alternative 2 - Ladebooster

Gerade in der Nebensaison ist es in entlegenen Gebieten nicht immer einfach, einen geöffneten Camping zu finden. Also muss sich die Batterie auch während der Fahrt möglichst schnell laden lassen. Was uns zu Punkt 2 meiner Alternative bringt. 

Bei Wohnmobilen mit Euro 5 oder Euro 6 bekommt die Wohnraumbatterie während der Fahrt kaum mehr Saft, da die Stromzufuhr heruntergeregelt wird, sobald die Fahrzeugbatterie vollständig geladen ist. Auch bei älteren Fahrzeugen ist der Ladestrom vom Alternator zu tief, um den Akku für den Wohnraum innert nützlicher Frist zu laden. .

Also muss ein Ladebooster her. Dieser sorgt für einen massiv höheren Ladestrom und bringt so die Batterie innert kurzer Zeit wieder auf Vordermann. Ladebooster gibt es von verschiedenen Herstellern mit unterschiedlichen Leistungs- und in allen Preisklassen. Auch hier ist es wichtig seine Ansprüche zu definieren, um das geeignete Gerät auszusuchen. 

Ich habe mich für den Schaudt Booster 121525 entschieden. Der ist recht kompakt gebaut und findet gleich neben der Wohnraumbatterie Platz. Inkl. dem empfehlenswerten Temperatursensor kostet das Teil im Internet rund CHF 160.00. Mit einem Ladestrom von ca. 30 A ist unser Akku je nach Entladezustand nach rund 1.5 – 2 Stunden Fahrzeit wieder fit für einige Tage ohne Netzstrom

Die Installation des Ladeboosters

Die Installation des Ladebooster
Die Installation ist nicht weiter schwierig, je nach bestehender Ladeinstallation sind unterschiedliche Anschlussvarianten möglich. Wichtig ist, dass die Zuleitung zum Booster und die Leitung vom Booster zur Wohnraumbatterie einen ausreichenden Querschnitt haben, d.h. min. 10mm2 oder mehr. Ich habe den Ausbau mit 16mm2 gemacht. Ganz wichtig ist auch, die beiden + Leitungen entsprechend mit 40A Sicherungen abzusichern. Am Ladebooster kann die Ladekennlinie ebenfalls entsprechend dem verwendeten Batterietyp eingestellt werden. 

Den Booster sollte man so nahe wie möglich zur Bordbatterie montieren, so sind die Leitungen nicht länger als unbedingt nötig. Entsprechend geringer ist die Überhitzungsgefahr. Apropos Überhitzung, der Booster braucht ausreichend: Frischluftzufuhr, um die entstehende Wärme zuverlässig loszuwerden.

Die eigenen Bedürfnisse definieren

Zusammenfassend kann man sagen, egal ob ihr begnadete Heimwerker seid oder ob ihr euer Womo eurem Händler anvertraut, ihr müsst zuerst eure eigenen Bedürfnisse kennen.

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