Masuren Rundreise - Reportage

Die bewegte und wechselhafte Geschichte Polens und des ehemaligen Ostpreussens wirkt bis heute nach. Während Besatzer kamen und gingen, blieb die Schönheit Masurens erhalten.


Dunkle Wälder, kristall’ne Seen

Land der dunklen Wälder und kristall’nen Seen, über weite Felder lichte Wunder geh’n». So beginnt das Ostpreussenlied, das nach 1945 für viele vertriebene Ostpreussen zum Inbegriff der Sehnsucht nach der alten Heimat wurde. Während polnische Städte wie Warschau, Krakau oder Danzig heute prosperieren, pulsieren und sinnbildlich für den gewaltigen Wandel und die Wende des ehemalige sozialistischen Staates stehen, konnte das heutige Masuren, ein Teil des ehemaligen Ostpreussens, viel von seinem ursprünglichen Charme erhalten. Das Land der 3000 Seen macht seinem Ruf als grüne Lunge Europas alle Ehre. Dichte Mischwälder, Wiesen und klare, tiefe Seen bieten eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Kein Wunder hat sich in diesem Naturparadies auch der in Polen allgegenwärtige Fussballstar Robert Lewandowski ein Haus an einem See gekauft.

Monumentale Burg

Die Region Masuren profitierte nicht in gleichem Masse wie andere Regionen in Polen von den Wirtschaftsfördermassnahmen der EU. Und doch lässt sich gerade in dieser Gegend die bewegte Geschichte Polens nachempfinden. Etwa in Malbork (Marienburg), der monumentalen Trutzburg des Deutschritterordens. Um die grösste Backsteinburg in Europa, die ab dem 13. Jahrhundert erbaut wurde, ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. Jede Macht, die in der Region seither regierte, hat ihre eigenen Geschichten um die Burg. 

Als der Deutschritterorden im Heiligen Land bei seinen Kreuzzügen geschlagen wurde, suchten die Ritter eine neue Betätigung. Diese fanden sie in der Plünderung und Christianisierung des Streifens entlang der Ostseeküste. Zuerst war die Burg Sitz der Hochmeister des Deutschordenstaates. Von 1457 bis 1772 gehörte sie zu Polnisch-Preussen, in einer Zeit, in der die Region ständiger Spielball und Zankapfel der umliegenden Grossmächte Schweden, Litauen und Russland war. Danach gehörte die Burg zum Königreich Preussen. Die Nazis wiederum wollten aus dem gotischen Bau eine NS-Ordensburg machen, um den Führer-Nachwuchs zu erziehen. Nach heftigen Gefechten um die Marienburg zwischen der Wehrmacht und der Sowjetarmee und der anschliessenden Plünderung wurde die Trutzburg wieder aufgebaut. In dieser wechselhaften und blutigen Geschichte liegen vielleicht auch die Kraft und der Wille der Polen, den gesellschaftlichen Wandel – auch den aktuellen – so zielstrebig und konsequent zu vollziehen. Die bewegte und wechselhafte Geschichte Polens und des ehemaligen Ostpreussens wirkt bis heute nach. Während Besatzer kamen und gingen, blieb die Schönheit Masurens erhalten. 

Land der Kontraste

Die friedvolle Landschaft der Masuren mit ihren sanften Hügeln, den dunklen Wäldern und den schmucken Seen steht in einem krassen Gegensatz zur gewalttätigen Vergangenheit dieser Region. Tief in den masurischen Wäldern versteckt liegt bei der Stadt Ketrzyn denn auch das berühmt-berüchtigte Führerhauptquartier Wolfsschanze. Der riesige Bunkerkomplex mit bis zu 200 Objekten und Gebäuden war während des Krieges gegen die Sowjetunion der Hauptaufenthaltsort von Hitler. Bei ihrem Rückzug sprengte die Wehrmacht die Anlage und die bis zu acht Meter dicken Decken der Bunker. Die Stätte ist heute ein viel besuchtes Touristenziel und eine Gedenkstätte für den Widerstand gegen die Nazis. Nicht zuletzt, weil hier das misslungene Attentat von Claus Graf von Stauffenberg stattfand.

Wieder zurück aus dem Wald fällt auf: Kaum ein Dorf rund um die masurischen Seen, das nicht zumindest über eine kleine Kirche verfügt. Besonders schön ist dabei die Backsteinkirche in Mikolajki. Der Ort ist besonders im Sommer bei Wassersportlern sehr beliebt, liegt er doch am grössten See der masurischen Seeplatte. Zum Pflichtprogramm einer Masurenreise gehört ein Besuch im Wallfahrtsort Swieta Lipka (Heiligelinde). Die Barockkirche imponiert vor allem mit ihrer beweglichen Orgel. Bei Musikstücken drehen sich Sterne, Putten spielen Instrumente und der Erzengel Gabriel verbeugt sich vor Maria. Vornehme Zurückhaltung gepaart mit Humor – wie in Polen üblich. 

Im Land der Störche

Die masurische Seeplatte bietet Meister Adebar beste Lebensbedingungen. Überall auf Schornsteinen, Masten und Bäumen nisten die majestätischen Schreitvögel. Nirgends in Europa ist die Dichte an Störchen höher als im ehemaligen Ostpreussen. Und die meisten der rund 100'000 Störche Polens werden in Masuren geboren. Die vielen Feuchtgebiete und die Felder und Wiesen bieten den Vögeln ein grosses Buffet. Im April kehren jeweils die ersten Störche aus dem Süden zurück, zuerst die Männchen und später die Weibchen und schon bald klappert es in den masurischen Dörfern. Ende August ziehen die Vögel wieder in Richtung Süden. 

Die Reise erfolgte auf Einladung von Vögele Reisen.

Reise: Masuren Rundreise (Vögele Reisen)
Flüge: Hin nach Warschau und zurück von Danzig
Essen: Die Gerichte in Polen sind bodenständig und deftig. Das Nationalgericht Bigos ist ein Eintopf, der unter anderem aus Sauerkraut, Kohl, Steinpilzen und Fleisch besteht. Unbedingt probieren sollte man auch die gefüllten Teigtaschen Pierogi.
Mitbringen: Bernstein ist in Polen allgegenwärtig, doch das Gold der Ostsee hat auch hier seinen Preis. Beliebte Mitbringsel sind auch schön gedrechselte Honiglöffel, Honig, Pilze oder der Büffelgras-Wodka.
Dauer: 8 Tage
Preis: Ab 1645 Franken 

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