25.09.2019

Der virtuelle Aussenspiegel

Virtuelle Aussenrückspiegel feiern im Audi E-Tron ihr Debut. Die Technologie bringt einige Vorteile, aber nicht nur.

25. September 2019

Digitale Bilder und Touchscreen

Sie waren bereits in futuristischen Concept Cars zu sehen. Nun erfolgt der nächste Schritt: Audi bietet die virtuellen Aussenspiegel für 2010 Franken als Option für seinen elektrischen SUV E-Tron an. Der gewohnte Rückspiegel wird durch eine konische L-förmige Halterung mit einer Minikamera am sechseckigen Ende ersetzt. Die digitalen Bilder werden auf einen Oled- Bildschirm projiziert, der sich oberhalb des Türgriffs in der Türinnenverkleidung befindet. Der Touchscreen verfügt über einen Näherungssensor, die Bildschirm-Helligkeit passt sich automatisch dem Umgebungslicht an. Die Positionierung des Bildes und die Einstellung erfolgt durch Verschieben des Fingers, wie bei einem Smartphone.

Virtuelle Aussenspiegel Audi G-Tron
Der tote Winkel wird von einem blinkenden Streifen begleitet
 

Erkenne Hindernisse im Toten Winkel

Audi nennt viele Vorteile. Zum Beispiel die Verbesserung der Aerodynamik im Vergleich zu den konventionellen Spiegeln. Durch die virtuellen Aussenspiegel wird der Luftwiderstandsbeiwert (Cx) um 3,7% verbessert und auch der Luftschall reduziert. Darüber hinaus erkennt der Spiegel drei verschiedene Verkehrssituationen: Autobahn, Verzweigung und Parkplatz. Auf Autobahnen wird das Sichtfeld eingeschränkt, um die Geschwindigkeit bei schneller Fahrt besser beurteilen zu können. Bei einer Verzweigung oder einem Spurwechsel mit eingeschaltetem Blinker wird das Seitenbild vergrössert. Und beim Manövrieren wird das Sichtfeld nach unten erweitert.

Alles scheint perfekt, zumindest in der Theorie. In der Praxis sind die virtuellen Spiegel gewöhnungsbedürftig. Hinzu kommt, dass E-Tron-Fahrer wahrscheinlich hin und wieder auch mit konventionellen Fahrzeugen unterwegs sind. Erfreulich ist der integrierte Totwinkelwarner, der auf dem Display als grüner oder als gelber Streifen erscheint, je nachdem, ob sich ein Hindernis im Toten Winkel befindet. Der hervorragende Kontrast der Bildschirme wird manchmal durch zu hohe Helligkeit beeinträchtigt, besonders nachts, was es nicht einfach macht, Radfahrer zu erkennen. Es ist wichtig, sich mit den drei Modi vertraut zu machen, da sie Distanzen auf dem Bildschirm unterschiedlich darstellen. Demnach bleibt unklar, ob das System einen realen Nutzen hat oder doch nur technische Spielerei bleibt. Klar hingegen ist, dass sich niemand gegen einen 15 cm schmaleren SUV sträuben wird.

Die Assistenzsysteme von morgen

Die Fahrzeugausrüster arbeiten intensiv an neuen Fahrassistenzsystemen für den Einsatz in urbanen Gebieten. Continental präsentiert auf der IAA in Frankfurt einen rechtsseitigen Abbiegeassistenten zum Schutz von Radfahrern und Fussgängern. Dieses Gerät verwendet einen 77-GHz-Radarsensor, verglichen mit 24 GHz zuvor, und kann damit Verkehrsteilnehmer und Hindernisse genauer erkennen. Die Sensoren sind in der Lage, einen Radfahrer im Heck eines Fahrzeugs zu erkennen, eine Situation, die für einen Autofahrer schwer zu meistern ist. Beginnt der Autofahrer ein sicherheitskritisches Abbiegemanöver, senden die Sensoren ein Signal an das Bremssystem und das Fahrzeug stoppt vor einer möglichen Kollision. Er identifiziert zudem Fussgänger und Roller. Diese neue Radartechnologie bildet die Grundlage für weitere, zukunftsweisende Assistenzsysteme, Insbesondere auch im Hinblick auf das automatisierte Fahren. So wird es beispielsweise bald möglich sein, einen intelligenten Ausweichassistenten zu entwickeln.

Assistenzsysteme von morgen
Erkennung von Radfahrern in einer Rechtskurve

TEXT MARC-OLIVIER HERREN | FOTOS EMANUEL FREUDIGER/ZVG

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