21.05.2019

Drohnen sind fast überall

Die fliegenden Vielkönner erweisen sich bereits in der Landwirtschaft, im Baugewerbe und bei der Bahn als höchst nützlich.

21. Mai 2019

Wer denkt, dass hierzulande der Einsatz von Drohnen im gewerblichen Bereich hauptsächlich in Fotografie, Film und Transportwesen stattfindet oder erprobt wird, irrt. Sie sind beinahe überall.

Drohnen in der Landwirtschaft

Die Forschungsanstalt Agrocsope hat ein Standardverfahren zum Drohneneinsatz beim Pflanzenschutz entwickelt, das vom BAZL genehmigt und umgesetzt wurde. Damit ist die Schweiz in diesem Bereich eine Vorreiterin. Der Weinbau mit vielen Steillagen, wo oft mühsam noch von Hand gespritzt werden muss, ist das ideale Einsatzgebiet für die fliegenden Helfer. Tests von Agroscope ergaben, dass die Abdrift (Anteil des Produkts, der ausserhalb der Parzelle landet) auf kürzeren Strecken bei Drohnen ähnlich ist, wie wenn vom Traktor aus gespritzt wird. Auf längeren Strecken ist die Abdrift sogar geringer.

Noch gelingt die Verteilung des Spritzmittels auf die einzelnen Reben vom Traktor aus besser, da er näher an den Zielflächen ist. Das Ergebnis der Drohnen liesse sich durch Anpassung von Flughöhe und Geschwindigkeit aber verbessern, sind die Experten überzeugt. Interessant war ebenfalls ein Versuch bei der Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule, der grössten Bedrohung im Kartoffelanbau weltweit. «Üblicherweise müssen die Pflanzen mit einer Spritze am Traktor mehrmals mit Fungiziden besprüht werden, damit die Pilzsporen die Blätter und Pflanzen nicht befallen. Entlang der Fahrgassen des Traktors ist der Knollenertrag bis zu 30 Prozent geringer und es kommt häufig zu deformierten Kartoffeln», sagt Ruedi Schwärzel, Forscher bei Agroscope.

Ersetzen Drohnen Traktoren, wachsen wieder mehr Kartoffeln entlang der Fahrgassen und die Knollen sind weniger verformt. «Ein weiterer Vorteil ist, dass Drohnen jederzeit einsetzbar sind, auch direkt nach Regen. Gerade wenn es feucht ist, wird der Pilz sehr aktiv und befällt die Pflanzen», so Schwärzel. Mit dem Traktor muss gewartet werden, bis der Boden wieder befahrbar ist, um die Felder zu spritzen. «Zwischen Mitte Mai und Ende Juli beziehungsweise Ende August müssen auch im Bio-Landbau Kartoffelpflanzen rund siebenmal gegen Kraut- und Knochenfäule gespritzt werden. Fahren Bauern mit den Traktoren durch bewohntes Gebiet, stört das die Leute oft», sagt der Agronom. Drohnen dagegen nehme man kaum wahr. 

Drohnen im Baugewerbe

Die fliegenden und fotografierenden Helfer werden in diesem Bereich vor allem eingesetzt, um die Bodenbeschaffenheit zu analysieren, mögliche Schwierigkeiten gleich zu erkennen und um anschliessende Erdmassebewegungen genau zu berechnen. Bei Strabag Schweiz ist eine Drohne seit März im Einsatz. Die Fotos, die sie von Oberflächen zurückbringt, werden mithilfe von Photogrammetrie in 3-D-Modelle umgewandelt. «Im Gegensatz zu den früher angewandten manuellen Messmethoden sind die von den Drohnen gelieferten Daten wesentlich genauer und daher besser als Grundlage für die Erstellung von Offerten geeignet», sagt Pascal Strebel, Vermesser bei der Strabag AG. So lasse sich exakt der mögliche Aushub berechnen – bis hin zur benötigten Anzahl von Lastwagenfuhren.

Strabag lässt die Drohne bei Bedarf auch während der Bautätigkeit über die Baustelle fliegen, um den Baufortschritt zu dokumentieren oder um weitere Kubaturen und Flächen zu ermitteln. Die 3-D-Daten liefern zudem die Grundlagen für das sogenannte Building Information Modeling (BIM), eine im Baugewerbe immer häufiger eingesetzte Methode, mittels der alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst werden können. 

Drohnen fast überall
 

Drohnen bei der Bahn

Seit 2017 lassen die SBB Risikohänge entlang der Gotthard-Region, wie zum Beispiel den Rossberg, von Drohnen überwachen, um die Gefahr möglicher Bergstürze rechtzeitig zu minimieren. Die Multikopter ersparen den entsprechenden Verantwortlichen viel Zeit. Musste früher der Rossberg zu Fuss begangen und begutachtet werden, nahm das einen Tag in Anspruch. Drohnen dagegen schaffen 800 Höhenmeter und 500 Meter Distanz schon in ein paar Minuten.

Geplant sind Einsätze auf weiteren Streckenabschnitten in dieser Region. Vielversprechend waren auch Versuche, bei denen Multikopter Güterzüge vor der Abfahrt zu Kontrollzwecken Waggon für Waggon abflogen. Auf diese Weise können die Disponenten aus der Ferne anhand der Aufnahmen kontrollieren, ob etwa Ladungen sachgerecht verstaut sind oder die Blachen korrekt angebracht sind.

Auch bei der Inspektion von Brücken kann man sich bei den SBB künftig die Nutzung von Drohnen vorstellen, da sie vor allem den Zeitaufwand verringern. «Passagen, die bisher mühsam erklettert werden oder mit Helikoptern abgeflogen werden mussten, können von den Drohnen schnell dokumentiert werden. Aber natürlich sind für die Brückeninspektion nach wie vor Fachleute nötig», sagt Christian Ginsig, Sprecher der SBB.

Auch überlege man sich, Drohnen bei der Vegetationskontrolle entlang des 3300 km umfassenden Streckennetzes des Bahnunternehmens zu nutzen. «Die Aufnahmen der Multikopter zeigen, wo Neophyten, also invasive und gebietsfremde Pflanzen entlang der Gleise wachsen. Mit Bildern von Drohnen aus der Luft können wir störende Neophyten schneller als bisher identifizieren», so Ginsig. Die eingeschleppten und sich aggressiv verbreitenden Pflanzen, welche die einheimische Flora verdrängen und in der Schweiz aus Artenschutzgründen eliminiert werden müssen, können so schneller beseitigt werden.

TEXT Juliane Lutz | BILDER SBB/Agroscope

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