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31.08.2021

Das goldene Zeitalter des Genfer Radsports

Der radsportbegeisterte Journalist Patrick Testuz hat ein faszinierendes Buch geschrieben, das uns zu den historischen Ursprüngen des TCS zurückführt: «Le cyclisme autrefois à Genève».
31. August 2021

Eine einmalige Fotosammlung erlaubte dem radsportbegeisterten Journalisten Patrick Testuz aus der Waadt, ein Buch zu gestalten,
das in die Gründungsgeschichte des TCS ­eintaucht: «Le cyclisme autrefois à Genève». ­Berührend, fesselnd und informativ.

Im Tandem Théodore Champion (1873–1954, vorne) und Henri Henneberg, aufgenommen im Jahr 1896. Beide nehmen zwei Jahre später am Radrennen Paris–Roubaix teil

Zweifelsohne werden manche Geschenke bisweilen an der richtigen Tür abgegeben. Patrick Testuz wird sich noch lange an den Anruf eines ehemaligen Fahrradchampions erinnern, der ihm eine einzigartige, von jemand Unbekanntem erhaltene Sammlung anvertrauen wollte. Besagte Person kam bei ihm zu Hause mit fünf alten Holzkisten vorbei, die einen echten Schatz bargen: nicht weniger als 250 Fotografien – genauer Bromsilber-Gelatine-Glasplatten – aus dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts, die ein vollständiges Panorama über das goldene Zeitalter des Radsports in der Region Genf bieten.

Cyclisme genevois
Henri Henneberg (1877–1942), ein erfahrener Radrennfahrer,
war auch von der Automechanik angetan. Der Mitbegründer
des Auto-Touring-Clubs wurde 1924 in die Direktion des TCS
berufen.

Beim Sportjournalisten aus Tré­lex (VD), der seit 1980 für mehrere Westschweizer Zeitungstitel über alle grossen Radsportveranstaltungen berichtet hat und ein grosses Interesse an Geschichte bekundet, ist die Freude gross: «Mein erster Reflex war, diese Bilder zu teilen, und das Buch war der unmittelbarste Weg dazu», erinnert sich Patrick Testuz. Aus gutem Grund: Seit etlichen Jahren schon publiziert er ­Bücher im Selbstverlag, und zum Zeitpunkt dieses unverhofften Kontakts waren bereits vier Bücher über seinen Lieblingssport erschienen.

Symbol der Freiheit
Eine nunmehr um ein fünftes Werk bereicherte Sammlung: «Le cyclisme autrefois à Genève» («Radsport einst in Genf»). Es ist die Frucht von neun Monaten Arbeit, von Recherchen mithilfe seines Netzwerks spezialisierter Historiker, digitalisierter Sammlungen der damaligen Zeitungen und des Internets. «Der Text musste auf den Bildern aufbauen, was das journalistische Vorgehen quasi umkehrt», fährt der Autor fort. Kostbare Bilder, die ihm zufolge fast einen heiliger Charakter besitzen: «Die Qualität gewisser Negative war beeinträchtigt.

Cyclisme genevois
Velodrom von Varembé. Am 15. Mai 1892 triumphiert Théodore Champion
und macht ­damit seinem Namen alle Ehre.

Doch mein Grafiker und ich beschlossen, keines davon auszuschliessen und alle unverändert zu verwenden.» Das Resultat ­illustriert den rasanten Aufstieg des Velos im späten neunzehnten Jahrhundert als Symbol der Freiheit und der Emanzipation vom Pferd. Genf erlebt alsdann eine Zunahme lokaler Velo­clubs, die sich 1891 im Genfer Veloverein «Union Vélocipédique Gene­voise (UVG)» zusammen­schlies­­sen, sowie die Gründung des Touring Club Schweiz im Jahr 1896. Es sind die Anfänge des Radsports, der auf den Velodromen von Varembé (1892–1896) und La Jonction (1896–1917), das zur Landesausstellung eröffnet wurde, ein grosses Publikum begeistert hatte.


Buffalo Bill als Rivale
Dazu eine Anekdote: 1895 ist Varembé Schauplatz eines originellen und hoch symbolischen Duells zwischen dem berühmten Buffalo Bill – damals mit seinem Zirkus auf Europatournee – und dem jungen einheimischen Radchampion Francis Portier. Der haarige Cowboy gewann zu Pferd ein erstes Rennen über 25 Kilometer, bevor er vier Tage später vor dem feurigen Pedaleur kapitulieren musste …

Wegbereiterin Mademoiselle Lisette im Velodrom von Varembé am 14. Juli 1895

Schliesslich erinnert das Buch auch daran, dass sich der ­damalige Hype ums Zweirad nicht auf die Zivilgesellschaft beschränkte: Die Radfahrertruppen der Schweizer Armee wurden 1892 eingeführt.

TCS-Gründerväter
Erstaunlicherweise sind viele der damaligen Radsportchampions verewigt, vorzugsweise im Studio. Sie alle zeigen eine Eleganz, die Patrick Testuz noch immer bewegt, und sie lüften ein wenig den Schleier über den leider anonymen ­Autor der Aufnahmen: «Sportfotografie gab es, doch die ­damalige Ausrüstung erlaubte keine Aufnahmen in Aktion, wie wir sie heute kennen. Die Radfahrer posieren zu lassen, war der einfachste Weg, sie ­bekannt zu machen.

Ausflug mit dem Zweirad Mitglieder eines Genfer
Veloclubs posieren während einer ihrer Ausfahrten
in Thoiry im benachbarten Frankreich.

Eines ist ­sicher: Dies ist die Arbeit eines Profis, der das Radfahrermilieu gut kannte.» Aus der reichen Sammlung von Rennfahrerporträts – wobei auch die Pionierin des Frauenradsports, Amélie Le Gall, gewürdigt wird – stechen die Genfer Henri Henneberg (1877–1942) und Albert Vassalli (1876–1960) hervor. Die Radfahrer, die zugleich sehr an der aufkommenden Automechanik interessiert waren, gehörten zu den Gründern des Auto-Touring-Clubs. 1913 trat dessen Vorstand dem Verwaltungsrat des Touring Club Suisse bei. Henri Henneberg wurde 1924 in die Geschäfts­leitung des TCS berufen. Albert Vassalli hin­gegen wird ein leidenschaftlicher Promoter des internatio­nalen Autosalons in Genf. Ein weiteres Kapitel der Geschichte ­begann: das der motorisierten Mobilität.

Text: Jérôme Lathion

Infos auf der Website lalbumdusport.ch. Das Buch (118 Seiten, nur auf Franzö­sisch) ist bei Payot Genf und Nyon ­erhältlich. Es kann auch beim Autor, ­solange vorrätig, unter der folgenden Adresse bestellt werden: Patrick Testuz, Chemin des Alpes 5, 1270 Trélex, patrick.testuz@bluewin.ch. Preis: 30 Franken, exklusive Porto.

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