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05.08.2021

In der Ruhe liegt die Kraft

Für die einen sind sie nur Hokuspokus, für die anderen bieten Kraftorte eine Möglichkeit, die eigenen Batterien wieder auf­zuladen.
05. August 2021
Meditativer Ort. Schon die Lage des Kirchleins
der Heiligen drei Brunnen bei Trafoi ist besonders.

Im Südtirol finden sich gleich mehrere solche Plätze. Auf Entdeckungstour im Nationalpark Stilfserjoch.

Zusätzliche Kraft ist in allen Lebenslagen willkommen. Besonders die vergangenen Monate haben uns dies auf ganz spezielle Art und Weise in Erinnerung gerufen. Kraftorte sollen eine Möglichkeit sein, neue Energie zu gewinnen. Grund genug, mich während eines Ausflugs ins Südtirol auf die Suche nach diesen mysteriösen Plätzen zu machen. Davon gibt es in der Region nämlich eine ganze Reihe, gemäss der offiziellen Tourismusorganisation IDM Südtirol sind es über 150. Praktischerweise liegen die meisten davon entlang einer Wanderroute. Natur und neue Kräfte: eine vielversprechende Kombination.

Stelvio
Von Stilfs heisst es, dass in dem steilen Dorf sogar die Hennen Steigeisen tragen.

Auf zum Kraftort Weiberbödele
Ich bin unterwegs auf dem Archaikweg. Dieser sehr alte Karren- und Säumerweg verbindet Prad im Vinschgau mit Stilfs. Auf der Route sind mit Kaschlin und dem Weiber­bödele gleich zwei Kraftorte anzutreffen. Kaschlin ist ein prähistorischer Siedlungsplatz, das Weiberbödele eine Fundstelle aus der Bronzezeit. Kurz nach dem Start in Prad führt der Weg durch ­einen bunten Mischwald in die Höhe. Ich komme bereits ein erstes Mal ins Schwitzen und brauche einige Schlucke Wasser. Ich nehme mir vor, am nächsten Morgen weniger vom berühmten Südtiroler Speck zum Frühstück zu verspeisen. Dieser schmeckt zwar hervorragend, scheint aber wegen des Salzgehalts vor einer Wanderung nicht besonders ratsam zu sein. Gleichzeitig wird mir in diesem Moment bewusst: Um zu den Kraftorten zu gelangen, braucht es je nachdem, wo sich diese befinden, Kraft. Vorbei an weidenden Kühen, durch kühle Waldabschnitte und durch das idyllische Dorf Stilfs mit seinen steilen Sträss­chen und Treppen – der Sage nach tragen hier selbst die Hennen Steigeisen – geht es weiter dem Weiberbödele entgegen, den imposanten 3905 Meter hohen Ortler ­immer wieder im Blickfeld.

Stelvio
Der mächtige Ortler ist auf der Wanderung zu den drei Kraftorten immer im Blick.

Dort angekommen, macht sich erst einmal Skepsis bei mir breit. Hier soll es also ­besondere Erdkräfte ­geben? Die leicht abfallende Wiese wirkt auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär. Das muss jedoch nichts heis­sen: «Ein Kraftort weist eine signifikant stärkere Erdkraft auf als seine Umgebung, und die Kraft ist von auf­bauender Qualität», erklärt Andrea Fischbacher, Leiterin der ­Forschungsstelle Kraft- und Kulturorte Schweiz, auf schriftliche Anfrage hin das Phänomen Kraftorte. Wie ­andernorts im Leben auch kommt es also auf die inneren Werte an. Nun gut. Ich setze mich auf dem Weiberbödele ins hohe Gras und versuche, die Energie zu spüren. Wissenschaftlich nachzuweisen ist sie nicht. Um sie zumindest einigermassen greifbar zu machen, wird sie in Bovis-Einheiten, der Mess­einheit für Lebensenergie, gemessen. Neutrale Plätze verfügen demnach über bis zu 7000, Kraftorte über bis zu deren 18 000 Bovis-Einheiten. Die Grillen um mich herum veranstalten ein Zirp­konzert, der rauschende Bach sorgt für die Hintergrund­musik. Weit unter mir im Tal zieht sich die Strasse, die Prad mit dem Nationalpark und dem gleichnamigen kurvenreichen Pass Stilfserjoch verbindet, durch die Landschaft. Auch der Ortler ist wieder zu sehen. Eine innere Ruhe breitet sich in mir aus. Ist das der Erdkraft zu verdanken? Oder ist es einfach die beeindruckende Kulisse und die sorgenfreie Zeit in der Natur?

Dem Wasser der ­Heiligen drei Quellen
­sprechen die Südtiroler heilende Kräfte zu.

Drei ganz besondere Quellen
Am nächsten Tag steht einer der bekanntesten Kraftorte im Nationalpark Stilfersjoch auf dem Programm: das Kirchlein der Heiligen drei Brunnen in Trafoi. Am Fusse des Ortlers im Talkessel ge­legen, ist es umgeben von steilen Felswänden. Im dreizehnten Jahrhundert soll
hier der Hirte Moritz drei aus dem Felsen fliessende Rinnsale entdeckt haben, die ein Kreuz mit sich trugen. Im fünfzehnten Jahrhundert wurde das Kirchlein errichtet, das von nun an ein Ma­rien­wallfahrtsort war. Den heiligen Quellen werden bis heute heilende Kräfte zugesprochen. Vom nahen Parkplatz sind sie in rund fünf ­Minuten bequem zu Fuss erreichbar. Ganz so einfach will ich es mir aber nicht machen, schliesslich habe ich an diesem Morgen schweren Herzens, aber meiner körperlichen Verfassung zuliebe auf den Frühstücksspeck verzichtet. Und auch, weil der Parkplatz Startpunkt eines Rundwegs entlang am Rande des Talkessels zu den Wasser­fällen von Trafoi ist. Wieder heisst es zu Beginn Höhenmeter gewinnen. Das geht dank weniger Speck heute mit weniger Flüssigkeit. Immer wieder führt der Weg über verschiedene Bäche. Ich komme zu einem weiteren Übergang und beobachte für eine Weile, wie sich das ­Wasser seinen Weg über die Felsen nach unten bahnt. Ich drehe mich um und geniesse die wärmenden Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht.

Bescheidene ­Heiligenverehrung an dem Ort,
an dem die drei Quellen aus dem Felsen treten

Weit unter mir liegt das fast ausgetrocknete Flussbett und das Kirchlein der Heiligen drei Brunnen. Das Plätschern des Wassers wirkt äusserst beruhigend. Vielleicht ist das ja auch ein Kraftort, überlege ich, bevor ich den Abstieg in Angriff nehme.

Die Batterien wieder aufgeladen
In der Talebene angekommen, überquere ich die Brücke und stehe vor dem weis­sen Kirchlein. Die drei Quel­len sind gleich nebenan zu finden. Ich gönne mir einen kräftigen Schluck aus einer davon und spüre die erfrischende Wirkung des kalten, kristallklaren Wassers. Auch an diesem Ort fühle ich mich, ebenso wie auf dem Weiberbödele, zufrieden. Ob es nun das Wasser aus der Quelle, die ­frische Luft oder die Wanderung war, die Glücksgefühle in mir hochkommen lassen, weiss ich nicht. Vielleicht ist es auch eine Kombination aus allem. Und eigentlich ist es für mich auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist: Meine Batterien sind nach diesen Tagen im Südtirol wieder voll aufgeladen.  

Die Reportage kam zustande auf Einladung von Innovation, Development, Marketing (IDM) Südtirol.
Reportage: Markus Fässler
Fotos: Markus Fässler, Patrick Schwienbacher (2), Helmuth rier, frieder blickle, carte keystone

GUT ZU WISSEN

Schlafen: Hotel Sonne im Bergdorf Stilfs, schicker Holzbau, familiengeführt,
stilfs.it
Einkehren: Restaurant des Hotes Gallia, Stilfs, traditionelle Südtiroler Küche auch mal neu interpretiert,
hotel-gallia.it
Aktivitäten: den Nationalpark Stilfserjoch entdecken,
nationalpark-stelvio.it
Einkaufen: Metzgerei Mair, Stilfs, Südtiroler Spezialitäten
metzgerei-mair.it 

Stelvio
 
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