29.08.2018

Lust auf Meer in Guernsey


29. August 2018

Unzählige Strände, britischer Charme und gute Küche – damit punktet Guernsey, die zweitgrösste der Kanalinseln. Wer sie einmal besucht hat, verliebt sich für immer in sie. Aber auch Key West in Florida und das niederländische Zandvoort sind wahre Bijous am Meer, die für unvergessliche Ferien stehen.

Die Steine drücken gegen die Füsse, aber die Aussicht ist grandios. Vom Strand der Fermain Bay sieht man links die Nachbarinsel Sark und geradeaus lassen sich im Dunst die Umrisse von Jersey erkennen. Früher nutzten Schmuggler die kleine Bucht, heute ist sie ein bei Einheimischen und Touristen gleichermassen beliebtes Ziel auf Guernsey. Wer sich ins Meer wagt, sollte abgehärtet sein. Auch wenn die Sonne oft scheint, erreicht das Wasser im Sommer selten 20 Grad. Aber man kann sich danach bei einer Tasse Tee im Fermain Beach Café aufwärmen. So wie es ein Mann macht, der gerade seinen Schwumm absolviert hat. Dies sei seine Hausbucht und er komme täglich hierher, sagt er, während er sich die Arme warm reibt. 

Allein die 27 Strände der Insel sind ein Grund, auf Guernsey die Ferien zu verbringen. Je nachdem, ob Ebbe oder Flut herrscht, verändern sie sich ständig. Der Tidenhub erreicht bis zu zehn Meter. Am besten verschaffen sich Neulinge einen Überblick, indem sie sich im Bus Nr. 91 oder 92 für nur ein Pfund um die Insel fahren lassen. In den eineinhalb Stunden erfasst man schnell ihren dörflichen Charakter mit den schmalen Strassen, den vereinzelten Farmen, den mit Blumen geschmückten Ortschaften und den prächtigen Anwesen. Für eine so dicht bebaute Insel, auf rund 78 km2 leben 60 000 Menschen, ist Guernsey überraschend grün.

Hoch auf den Klippen

Wer sich nicht fürs Wasser erwärmen kann, geniesst bei Klippenwanderungen und Möwenkreischen den Blick auf Meer, Buchten und dramatische Felsvorsprünge. Man könnte fast die ganze Insel zu Fuss umrunden, wenn man wollte. Das Büchlein «Tasty Walks Guernsey» zeigt 18 Touren, die an Natur highlights und solchen, die von Menschen geschaffen wurden, vorbeiführen. Und stets gibt es die Möglichkeit, sich in Cafés oder Restaurants gut zu verpflegen. Denn neben der Natur halten die Guernseyer die Küche der Insel für ihren grössten Trumpf. 

Gerne darf es hier, nur etwa 23 Kilometer von der normannischen Küste entfernt, französisch sein. Aber nicht nur. Fisch und Meeresfrüchte in jeglicher Zubereitungsart spielen die Hauptrolle. Und Produkte aus der sahnigen Milch der Guernsey-Kühe, deren Fleisch aber zu zäh ist, als dass es schmecken würde. Viel näher an Frankreich als an Grossbritannien gelegen, würde man französisches Flair erwarten. Doch das erschöpft sich in einer gewissen Vorliebe für die Küche des Nachbarlands und in den französischen Orts- und Strassennamen. Die Zeiten, in denen die Bewohner normannisch- französisch sprachen, endeten um den Ersten Weltkrieg. 

Guernsey ist sehr britisch. Das zeigt sich in der höflich-humorvollen Art der Bewohner oder daran, dass es zum Frühstück die auf der grossen Insel beliebte Heringsspezialität Kipper gibt. Und unter den nicht alkoholischen Getränken dominiert Tee. Nur das Wetter ist viel, viel besser als in England.

Lebendige Geschichte

Wenn es um 12 Uhr plötzlich donnert, nicht erschrecken. Mit einem Kanonenschuss halten zwei Herren in roten Uniformen auf der Festung im Hafen des Hauptorts St. Peter Port eine alte Tradition aufrecht. Geschichtlich gibt es einiges zu entdecken. Etwa das hochherrschaftliche Sausmarez Manor, das sich seit 1748 im Besitz der gleichnamigen, bedeutenden Familie befindet. 

Vielleicht führt Lord Peter Sausmarez, ein älterer Herr mit einer Vorliebe für rote Hosen, durch seinen Skulpturengarten. Oder zeigt das Herrenhaus, in dem es spuken soll. Stolz erzählt er, dass sein Ahn Philip de Sausmarez noch vor James Cook die Weltmeere befuhr, ja, dass dieser sogar Philips Seekarten nutzte. 

Es war auch die Familie Sausmarez, die Victor Hugo die Hälfte des Geldes für den Bau seines Hauses in St. Peter Port lieh. Schon nach vier Jahren konnte Hugo die Schulden zurückzahlen. Der Schriftsteller wurde aus politischen Gründen aus Frankreich verbannt und lebte von 1856 bis 1870 auf Guernsey, wo er «Les Misérables» vollendete. Sein Hauteville House, das dem französischen Staat gehört, ist ein Schmuckkästchen voller spannender Details und zeigt, dass Hugo nicht nur Talente als Schriftsteller hatte.

Eine andere Welt

Insel Sark

Auch die Nähe zu Sark spricht für Guernsey. Auf dieser verwunschenen Insel leben 500 Menschen. Oberhaupt ist ein Seigneur de Serc, dessen Amt vererbt wird. Es gibt nur Traktoren, Pferdewagen und Velos. Oder man geht zu Fuss durch Alleen, vorbei an wilden Hortensien und spaziert auf der gewundenen Strasse La Coupée nach Little Sark. 

Glück hat, wer mit Jane einen Rundgang machen kann. Die frühere Lehrerin erzählt lebendig vom Leben auf der Insel, wo viele Bewohner mehrere Berufe ausüben. Der freundliche Kranführer ist auch Schreiner und wenn nötig Laienrichter. Sie zeigt das winzige Gefängnis und das Herrenhaus des Seigneurs, führt über Wiesenpfade zu besonders schönen Ausblicken auf das allgegenwärtige Meer. «Isle of Sark – a world apart» steht unten auf einem Schild, wo die Schiffe aus Guernsey anlanden. Wie treffend.

GUT ZU WISSEN

Wohnen

  • Hotel Duke of Richmond: elegantes, zentral gelegenes Haus in St. Peter Port 
  • Old Government House: das beste Hotel der Insel, Old-School-Charme, herrlich eingerichtet
  • Stocks Hotel: schönes, abgelegenes Anwesen mit guter Küche auf Sark

Essen und Trinken

  • Village East Restaurant: feine Sandwiches, Burger und Salate, Hafenblick
  • Octopus: bekannt für Fisch und Seafood, am Hafen
  • La Reunion: britische Küche neu inszeniert, toller Blick auf Cobo Bay

Angebote

  • Rolf Meier Reisen bietet geführte Rundreisen und individuelle Arrangements auf den Kanalinseln an. 
  • Flug und 7 Nächte im Hotel Duke of Richmond ab 1755 Fr. 
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