30.07.2019

Fliegen wird zur Gewissenssache

Dank tiefer Preise ist das Fliegen für viele selbstverständlich geworden, doch der immense Flugverkehr wird zum Klimakiller.

30. Juli 2019

Wer nach Barcelona will, findet im Internet bereits Flüge ab 36 Franken: Eine Reise in die Hauptstadt Kataloniens also für den Preis eines Mittagessens. Trips in das von Zürich aus 7539 Kilometer entfernte Miami sind ab 403 Franken zu haben. Das sind nur zwei von zig unschlagbar günstigen Angeboten. Seit 1990 hat sich der Flugverkehr weltweit fast verdreifacht und legt jährlich um vier weitere Prozent zu. Dem WWF zufolge sind gerade Schweizer Vielflieger, die im Vergleich mit den Nachbarländern doppelt so oft eine Boeing oder einen Airbus besteigen. 

Der Preis für die Umwelt ist hoch

Doch langsam stellen sich Gewissensbisse ein, denn diese schnelle Art des Reisens hat ihren Preis. Experten haben errechnet, dass der Flugverkehr zwischen zwei und vier Prozent zu den durch Menschen verursachten fossilen CO2-Emissionen und fünf Prozent zur globalen Erwärmung beiträgt. «Ein einziger Urlaubsflug kann das Klima stärker aufheizen als ein Jahr lang Auto fahren und das Haus mit Erdöl heizen zusammen», ist beim WWF zu lesen. 

Flugscham greift um sich

Flugscham ist zum Thema geworden. Bei der Zürcher Stiftung Myclimate etwa kompensieren jetzt viel mehr Leute als vor Kurzem noch ihre Flug emissionen. «Der aussergewöhnliche Hitzesommer, die Revision des CO2-Gesetzes im Nationalrat und die starke Präsenz von Greta Thunberg – all das trug bereits 2018 zu 80 Prozent mehr getätigten Kompensationen von Privat- personen bei», sagt Marketingleiter Kai Landwehr. «Im ersten Quartal 2019 waren es bereits 200 Prozent mehr im Vergleich zum selben Quartal des Vorjahres und in den Monaten April und Mai beobachteten wir gar ein Wachstum von mehr als 400 Prozent.»

Über einen Rechner auf der Website von Myclimate ermitteln Umweltbewusste den CO2-Fussabdruck ihres Fluges sowie den für die Kompensation nötigen Betrag, der dann nach Wahl in eines der 100 von der Stiftung unterstützten Projekte in 30 Ländern investiert wird. Kritiker halten die Klimakompensationen für einen gewissensberuhigenden Ablasshandel, doch Tatsache ist, dass das beim Flug freigesetzte CO2 spätestens nach zwei Jahren an anderer Stelle eingespart wird. Zum Beispiel in Kenia, wo dank Myclimate effiziente Kochstellen eingesetzt werden und eine Familie so pro Jahr durch den reduzierten Bedarf an Feuerholz ein bis zwei Tonnen Kohlendioxid weniger in die Atmosphäre entlässt. 

Überlegter reisen

Flüge zu kompensieren, ist eine Möglichkeit, mit dem Thema umzugehen, weniger abzuheben aber ist am wirkungsvollsten. Ist es tatsächlich nötig, zu kurzen Geschäftstreffen zu fliegen, wo es doch Videokonferenzen gibt? Und im Privaten stellt sich die Frage, ob wirklich sämtliche Ferienziele auf dem Luftweg angesteuert werden müssen. Es gibt durchaus lohnenswerte Destinationen in der Nähe und selbst innerhalb Europas kommen Reisende mit Fernbussen und der Bahn erstaunlich weit. Von der Schweiz aus nach Paris zu fliegen, ist fast schon unsinnig. Wer etwas Zeit mitbringt, kommt mit dem Zug sogar überraschend flott nach London. Die Fahrt mit dem Eurostar vom Pariser Gare du Nord in die City von London dauert nur zweieinviertel Stunden. Rückfahrkarten sind schon unter 100 Euro erhältlich. 

Tipps um umweltfreundlicher zu reisen

  • Es ist am klimaneutralsten, nicht zu fliegen. Anstatt für kurze Businesstreffen ins Flugzeug zu steigen, besser Videokonferenzen abhalten. Was die Ferien angeht, die Faustregel von umweltbewussten Reiseprofis beherzigen: Bis vier Stunden Reisezeit oder sogar bis 800 Kilometer Entfernung sind Bahn und Fernbusse zu bevorzugen. Der Vorteil: Man kommt direkt in der City an und nicht auf einem weit von der Stadt entfernten Flughafen.
  • Je seltener abgehoben wird, desto besser. Lieber eine längere Reise pro Jahr als mehre kurze Flugreisen unternehmen, denn bei Start und Landung entstehen die meisten Emissionen.
  • Bei der Auswahl der Airline wenn möglich auf das Flottenalter achten. Je neueren Datums die Maschinen sind, desto umweltverträglicher arbeiten ihre Triebwerke. Aviatik-Experten zufolge haben Billigairlines und kleine, exotische Fluggesellschaften tendenziell die modernsten Maschinen, da sie auf grösstmögliche Wirtschaftlichkeit achten.
  • Möglichst ohne Umwege fliegen: Je direkter ein Flugzeug unterwegs ist und je weniger Zwischenlandungen nötig sind, desto mehr wird die Umwelt geschont.
  • Regionalflughäfen sind umweltfreundlicher, weil die Flugzeuge nicht ausgedehnte Taxiways befahren und bei laufenden Triebwerken lange auf den Start warten müssen.

TEXT JULIANE LUTZ  

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