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13.01.2020

„Flussschiffreisen bergen ein eher geringes Overtourism-Risiko“

Daniel Pauli, designierter Geschäftsführer des Weinfeldner Familienunternehmens Thurgau Travel, spricht darüber, was Schweizer Passagiere wünschen, warum Flussschiffreisen auch für Singles geeignet sind und was die Firma in Sachen Umweltschutz unternimmt.
13. Januar 2020

Was muss man heute Flussschiffpassagieren bieten, damit sie zufrieden sind?

Ein Sorglospaket, so wie wir das anbieten, kommt jeweils gut an. Bei uns können die Kunden bei vielen Reisen ab Basel zusteigen. Ist die Einschiffung woanders, begleiten wir die Passagiere von der Schweiz aus dorthin. Vollpension ist im Preis enthalten, die Getränke und weitere individuelle Auslagen müssen selbst bezahlt werden. Und sonst sind unsere Reisen rundum organisiert.

Gibt es Dinge, die speziell für Schweizer Reisende von Bedeutung sind?

Neben einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist für sie wichtig, dass sie stets einen Ansprechpartner vor Ort haben und dass die Ausflüge gut organisiert sind.

Es gibt mittlerweile so viele Anbieter von Flussschiffreisen. Wodurch heben Sie sich von den Konkurrenz ab?

Wir bieten zahlreiche Reisen an, mit denen wir im Schweizer Markt eine Vorreiterrolle einnehmen, zum Beispiel in exotische Ländern wie Burma. Da haben wir allein drei Schiffe im Einsatz. Weiter befahren wir den oberen und den unteren Mekong mit jeweils einem Schiff. Oder wir haben eine Passage von der Halong Bay zum Red-River im Angebot. Auch in Russland haben wir gut Fuss gefasst. Neben der Strecke Moskau-St. Petersburg, wo wir exklusiv zum Meer hochfahren, bieten wir eine Reise in Sibirien an, auf den Flüssen Ob, Tom und Irtysch.

Sie werben in Ihrem Katalog sehr um Alleinreisende, indem Sie die Zuschläge für eine Einzelbelegung in Doppelkabinen auf manchen Reisen ganz oder teilweise abschaffen. Aber fühlt man sich als Single unter den vermutlich vielen Paaren an Bord überhaupt wohl?

Diese Gäste bekommen im Restaurant einen Tisch zusammen mit anderen Alleinreisenden und können so gleich ins Gespräch kommen. Da unsere Schiffe für 120 bis 140 Passagiere ausgelegt sind, ist das ein sehr überschaubarer Rahmen im Vergleich mit Kreuzfahrtschiffen, wo oft mehrere tausend Menschen an Bord sind. Das bietet bessere Voraussetzungen für Alleinreisende, mit anderen Bekanntschaft schliessen zu können.

Aber Sie haben keine Animateure an Bord, die sich um Alleinreisende kümmern?

So etwas könnten wir für uns mal prüfen, ob das im Markt gewünscht ist. Im Moment aber ist die Nachfrage von Alleinreisenden danach noch nicht gross.

Merken Sie den Greta-Effekt auch in der Schifffahrt?

Wir haben mehr Anfragen von Kunden, was wir denn in Sachen Umweltschutz tun. Wir achten schon seit längerem darauf, dass die Schiffe über Landstromanschlüsse verfügen oder dass effiziente Kläranlagen und Motoren in den Schiffen, die wir nutzen, eingebaut werden. Vielfach gibt es an Bord bereits stromsparende LED-Beleuchtung. Auch die sukzessive Reduktion von Einweg-Plastik ist bei uns ein Thema.

Was machen Sie da genau?

In den Kabinen stehen wieder verwendbare Flaschen zur Verfügung, welche die Passagiere auch auf Ausflüge mitnehmen können; somit müssen sie keine Trinkwasserflaschen aus Plastik kaufen. Noch ist das nicht auf allen Schiffen der Fall, aber da, wo wir bei den Reedern Einfluss haben, versuchen wir dies durchzusetzen. Und um Lebensmittelabfall zu vermeiden, setzen wir auf gut ausgebildete Köche, die den Einkauf für das jeweilige Schiff gut einschätzen können und wissen, wie viel die Passagiere in etwa konsumieren. Lebensmittel, die nicht auf die Restauranttische kommen, stehen der Crew zur Verfügung. Und natürlich werden auf den Schiffen Glasflaschen, PET-Flaschen und anderes getrennt und entsprechend entsorgt, damit das Material wieder in den Verwertungskreislauf kommt.

Bieten Sie an Bord denn nicht Buffets an? Da entsteht immer sehr viel Foodwaste.

Morgens und mittags haben wir Buffets, ansonsten wird bei uns das Essen serviert. Teilweise können die Gäste am Mittag für den Abend vorbestellen. Dann weiss der Koch, was er alles zubereiten muss und kann Foodwaste verringern.

Kurz zurück zu Kläranlagen und Landstrom – sind das hauptsächlich noch Absichten oder haben Sie schon konkrete Daten, ab wann all das umgesetzt sein soll?

Unsere Vollcharter-Schiffe auf Rhein und Donau verfügen über einen Landstromanschluss. Das Problem ist eher die Infrastruktur in den Häfen. Auf dem Rhein ist alles bereits sehr gut ausgebaut, aber je weiter man ins Donaudelta fährt, hinkt die Struktur noch hinterher. Übrigens fahren Flusskreuzfahrtschiffe nicht mit Schweröl wie Hochseeschiffe, sondern mit normalen Diesel. Zum Teil nutzen wir auch einen teureren, sogenannten Green Diesel, der so verarbeitet wurde, dass er weniger Schadstoffe ausstösst als konventioneller Diesel. Eine der Reedereien, mit der wir zusammenarbeiten, setzt ihn bereits überall ein.

Sie bieten seit letztem Spätherbst die Möglichkeit einer Kompensationsabgabe bei der Buchung an. Wie wird das angenommen?

Ich bin gespannt auf die Buchungszahlen am Ende des Jahres. Die Möglichkeit der Kompensation besteht seit Oktober. Und im Oktober beginnt auch immer die Buchungssaison. Ich bin mir sicher, dass die Passagiere diese Möglichkeit nutzen werden. Thurgau Travel wird jeden geleisteten Beitrag verdoppeln und das Geld in den zweckgebundenen „Cause we care“ Fond anlegen.

Zum Abschluss noch eine Frage zu den schönsten Erlebnissen an Bord. Was hören Sie da von Ihren Kunden?

Sie entdecken, dass Städtereisen mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten sowie traumhafte Kulturlandschaften nicht mit Anreisestress und permanentem Koffer aus- und umpacken verbunden sein müssen. Die Ferien beginnen bei einer Flussreise bereits bei der Anreise zur nächsten Destination, das schwimmende Hotel reist mit zur nächsten Metropole.

Aber dieses Erlebnis haben auch Kreuzfahrtpassagiere.

Wenn Sie auf einem grossen Kreuzfahrtschiff reisen und in Venedig oder Malta anlegen, dann steigen gleichzeitig 4000 oder 5000 Menschen aus und überfluten sozusagen die Stadt. In so einem Moment merkt man erst mal, wie viele Leute überhaupt auf so einem Schiff sind. Bei einem Flussschiff ist die Gefahr von Overtourism um einiges geringer. Da gehen dann nur 120 bis 150 Leute an Land, was dafür sorgt, dass man den Ort ganz anders geniessen kann.

 Thurgau Travel
Daniel Pauli, 34, ist der designierte Geschäftsführer des Weinfeldner Familienunternehmens Thurgau Travel. Es wurde 2001 von Hans Kaufmann gegründet, der die Leitung zum 31.12.2020 abgeben wird. Das Flussreiseunternehmen mit 30 Angestellten bietet auf mehr als 40 Schiffen 750 Reisen auf weltweit 50 Flüssen, Seen und Kanälen in über 25 Ländern an. Thurgau Travel setzt vor Ort stets auf den Einsatz lokaler Kräfte und Firmen. Seit Oktober 2019 können Passagiere bei der Buchung einen freiwilligen Beitrag in der Höhe von 3,25 Prozent des Reisepreises leisten. Das Unternehmen verdoppelt jeden geleisteten Beitrag und legt das Geld im zweckgebundenen „Cause We Care“-Fond an. Ein Teil davon fliesst in ein sozioökonomisches und ökologisches Projekt von myclimate in Burma, um erzeugte Emissionen zu kompensieren. Konkret geht es dabei um die Aufforstung von Mangroven. Neu bietet Thurgau-Travel Reisen auf drei kleinen Bijoux-Schiffen (80 bis 90 Passagiere) eine 20-tägige Indienreise sowie ein Krimidinner an.


Interview: Juliane Lutz  Fotos: Thurgau Travel 

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