10.09.2018

KV? Ich lackier lieber Autos



10. September 2018

Frauen in typischen Automobilberufen sind noch immer dünn gesät. Doch eine Ausnahme gibt es: Die Ausbildung zur Carrosserielackiererin ist bei weiblichen Lehrlingen sehr gefragt. Besuch in einer Werkstatt, in der hauptsächlich Frauen die Spritzpistole in der Hand haben.

Carrosserie Kyburz

Die Werkstatt ist vollgestellt mit abgedeckten Autos, an der Wänden hängen Werkzeuge und Fotos männlicher Models mit nackten Oberkörpern. In der Berner Carrosserie Kyburz arbeiten fünf Frauen und nur drei Männer. Das schlägt sich auf selbstironische Weise auch in der Wanddekoration nieder. 

«40 Prozent aller Lehrlinge, die sich zum Carrosserielackierer ausbilden lassen, sind weiblich», sagt Angelo Miraglia, Leiter Berufsbildung beim Schweizerischen Carrosserieverband VSCI. Es sei ein gestalterischer Beruf, bei dem profundes Wissen über Farben sowie intuitives Können nötig seien, erklärt Miraglia die eindrücklichen 40 Prozent. Und von der körperlichen Beanspruchung her sei die Arbeit gut machbar.

Dagegen bleiben andere Autoberufe weiterhin mehrheitlich Männerdomänen, obwohl sie sich längst für Frauen geöffnet haben. Bei den Fahrzeugschlossern beträgt ihr Anteil nur ein Prozent. «Der Beruf hat sich zwar stark verändert, ist allerdings körperlich noch immer anstrengend», sagt der Experte. Bei den Fahrzeugspenglern arbeiten fünf Prozent Frauen. Warum es hier nur so wenig sind, darauf kann sich Miraglia keinen Reim machen. «Es ist viel technisches Wissen nötig und die Tätigkeit sowie die Techniken sind äusserst vielseitig: An einem Tag arbeitet man an einem Hightech-Fahrzeug und am nächsten an einem älteren Modell.» Zudem gäbe es wie in den anderen beiden Berufen sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten.

Teilzeit nicht einfach

Frauengarage

Dennoch sind nur fünf Prozent der Auszubildenden in den Berufen, die an die Stelle des einstigen Automechanikers getreten sind, weiblich. «Ihnen scheint das Image anzuhaften, dass man dabei schmutzig wird», sagt Olivier Maeder, verantwortlich für die Abteilung Bildung beim AGVS. Ein anderer Grund, der gerade in den vielen kleineren Garagen mehr Frauen verhindere, sei, dass das Gesetz bei Mitarbeiterinnen eine entsprechende Infrastruktur vorschreibe wie separate Umkleiden. Doch Maeder ist optimistisch: «Es braucht einfach noch Zeit, bis mehr Frauen diesen Beruf selbstverständlich ergreifen.»

Die Chefin Rahel Howald beobachtet allerdings, dass sich Familie und Job nicht ganz so leicht vereinbaren lassen. «Eine Reparatur lässt sich nicht in einem Rutsch erledigen, zieht sich meist über zwei, drei Tage hin. Wer Teilzeit arbeitet und tageweise fehlt, kann sie nicht zu Ende führen.» Das erfordere ein flexibles Team. So erlebe sie, dass ab 25 Jahren, wenn das Thema Familie akut würde, Frauen im Gewerbe fehlten. «So erfüllend der Beruf der Carrosserielackiererin ist, dies ist noch eine Schwachstelle.»

Text: Juliane Lutz
Fotos: Pia Neuenschwander 

EINTRITTE NACH LEHRBERUF 2017 - FRAUEN

  1. 7705 Kaufmann/-frau EFZ Profile E + B
  2. 4113 Fachmann/-frau Gesundheit EFZ
  3. 2932 Fachmann/-frau Betreuung EFZ
  4. 2644 Detailhandelsfachmann/-frau EFZ Profile: Beratung und Bewirtschaftung
  5. 990 Medizinische/r Praxisassistent/in EFZ
  6. 958 Dentalassistent/in EFZ
  7. 883 Coiffeur/-euse EFZ
  8. 872 Assistent/in Gesundheit und Soziales EBA
  9. 842 Detailhandelsassistent/in EBA
  10. 838 Pharma-Assistent/in EFZ
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