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23.04.2020

Essen auf Schienen

Ist ein Besuch im Bordrestaurant ein positives Erlebnis? Der «Touring» hat das Angebot, die Qualität und den Service bei der Deutschen Bahn, den Österreichischen Bundesbahnen und bei den SBB getestet.
23. April 2020

Die Klimadebatte kommt der Bahn zugute. Doch wie sieht es mit der Gastronomie an Bord aus? Kann sie mit dem deutlichen Trend zur Schiene mithalten? Oder verlassen sich Reisende doch besser auf das mitgebrachte Sandwich? Der «Touring» wollte es wissen und war mit der Deutschen Bahn (DB), den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und den SBB unterwegs. Getestet wurden je- weils ein Frühstück und ein Hauptgericht sowie Getränke, aber auch das Ambiente. Dabei ergab sich folgendes Bild: Die durch Verspätungen in Verruf geratene Deutsche Bahn überraschte positiv, die ÖBB haben ein umfassendes Angebot und bieten gute Qualität, aber einmal fiel der Service im Vorzeigezug Railjet stark ab. Und die SBB sind natürlich teurer, aber halten, was man von einem schweizerischen Unternehmen erwartet. Lesen Sie mehr in den einzelnen Erfahrungsberichten.

ÖBB

Ulm–München im EC 113

ÖBB Restaurant

Das Restaurant ist um 11.30 Uhr bereits gut besucht, wobei die meisten Gäste nur etwas trinken. Mit silberfarbener Decke, Holzfurnier und schwarzen Kunstledersesseln ist das Interieur unauffällig gehalten. Die Bedienung, eine junge Frau, ist sehr flink. Kaum bestellt, steht schon das Wiener Frühstück für fünf Euro auf dem Tisch. Die Semmel scheint aufgebacken zu sein, aber die Biobutter und vor allem die Aprikosenkonfi von «d’arbo» sind von bester Qualität. Wer wirklich Appetit hat, wird mit nur einer Semmel vielleicht nicht satt, aber dann gibt es drei weitere, umfassendere Frühstücksangebote. Der im Preis enthaltene Kaffee – in diesem Fall ein Verlängerter – überrascht sehr positiv. Er kommt aus Fair-Trade-Anbau, wie die Bedienung auf Nachfrage bereitwillig herausfindet. Da lohnt sich die Ausgabe für eine zweite Tasse.

Fazit: Überschaubares, aber gutes Frühstück und prima Kaffee.

Feldkirch–Zürich im Railjet 368

ÖBB Restaurant

Der Zug verlässt Feldkirch mit über 40 Minuten Verspätung, was die Laune nicht gerade hebt. Sie wird auch beim Betreten des Bordrestaurants nicht besser, denn es wirkt mit grauen Wänden, fünf anthrazitfarbenen Tischen und roten Kunstledersitzen wie ein trauriges Mini-Diner in der amerikanischen Provinz. Dazu ist es recht klein für einen Fernzug. Gerade ein Gast hält sich dort kurz nach 12.30 Uhr auf. Stofftischdecken gibt es nicht, nur Tischsets aus Papier. Der Ober, ein junger Mann, will gleich die Bestellung aufnehmen, die vielen Brösel auf dem Tisch scheint er nicht zu bemerken. Auf die Aufforderung, den Tisch bitte erst einmal sauber zu machen, reagiert er aber sofort und bearbeitet die Tischplatte sogar mit einem Spray, das intensiv nach Desinfektionsmittel riecht. Nicht gerade appetitfördernd! Der Kellner ist freundlich, aber nicht ganz bei der Sache. Er bringt zu Wein und Wasser nur ein Glas und statt dem bestellten Gulasch mit Spätzle erst eine Gulaschsuppe. Aber dann steht das richtige Essen in einem Plastikschälchen doch sehr schnell auf dem Tisch. Rindfleisch und Spätzle schmecken ordentlich, haben etwa das Niveau von Migros- und Coop-Restaurants. Die Portion ist für 12,20 Euro ausreichend. Als süffig erweist sich auch der blaue Zweigelt (0,25 Liter für 3,80 Euro) aus Niederösterreich. Dennoch: Im Restaurant des ÖBB-Vorzeigezugs würde man ein anderes Ambiente und besseren Service erwarten.

Fazit: Ordentliches Essen, Ambiente und Service sind suboptimal.

SBB

Bern–Basel im IC 6 1060

SBB Restaurant

Rote Wände im Eingangsbereich, Plexiglas-Trennscheiben, kreisförmig um die grösseren Fünfertische angeordnete Stühle mit einem Bein: Die liebenswertschräge Inneneinrichtung wäre das ideale Setting für einen Film, der in den 1970er-Jahren spielt. Noch vor der Abfahrt tauscht die sehr bemühte Kellnerin schnell alle fleckigen Tischdecken aus. Das «kleine» Frühstück für 9.80 Franken fällt mit einem Gipfeli und vier Brotscheiben (Grau- und Vollkornbrot), zwei Portionen Butter und jeweils einem Gläschen Konfi und Honig (beides von Hero) fast schon gross aus. Ein Heissgetränk ist ebenfalls dabei. Der Cappuccino ist absolut trinkbar und das Gipfeli sehr fein. Auf die Bemerkung hin, dass die Brotscheiben ein kleines bisschen trocken seien, erklärt die Kellnerin, dass das Brot für die Züge ab Bern und Basel noch aus Zürich käme. Aber dass die SBB ab April auch wieder zu regionaleren Lieferanten wechseln würden. Gut.

Fazit: Bereits mit einem kleinen Frühstück* sind Reisende gut bedient.

*Der Käse ist nicht Teil des kleinen Frühstücks.

Bern-Romanshorn im IC 825

SBB Restaurant

Bei der Abfahrt um 16.02 Uhr sind im Restaurant im zweiten Stock noch ein paar Plätze frei. Die Wahl fällt auf das grüne Thai-Curry mit Poulet für 18.80 Franken. Auf die Frage, ob es scharf sei, danach würde sich die Wahl des Getränks richten, meint der gut gelaunte Ober lachend, ein Thai-Curry sei doch nie scharf. Und empfiehlt gleich die Assemblage Riesling-Sylvaner/Pinot Blanc vom Genfersee dazu (1 Deziliter für 5.80 Franken). Der Wein duftet herrlich und schmeckt auch so. Bevor das Essen kommt, ist kurz Zeit, den Raum zu betrachten. Auf allen Tischen sind die weissen Stofftischdecken makellos. Mit den bräunlichen Ledersitzen und den grünen Seitenverkleidungen würden die SBB keinen Designpreis einheimsen, dafür ist es aufgrund der grossen Fenster schön hell im Wagen. Schon nach wenigen Minuten serviert der Ober das Curry mit ausreichend Reis auf einem Porcellanteller. Es sieht appetitlich aus und schmeckt gut mit einer schönen Zitronengras-Note. Auf der Höhe von Olten ist das Curry bereits verspeist. Bei dem flinken Service können sich Passagiere auch auf einer kurzen Strecke ein Hauptgericht gönnen.

Fazit: Überraschend gutes Essen, schneller und freundlicher Service.

DB

Basel SBB–Offenburg im IC 370

DB Restaurant

Der Speisewagen ist um 10.13 Uhr spärlich besetzt. Ein routinierter Ober um die 60 bringt das französische Frühstück für 4,90 Euro unglaublich schnell. Es ist mit einem Croissant, einer kleinen Semmel, einem Minivollkornbrötchen, einer Portion Butter und jeweils einem Päckchen Honig, Konfi und Nutella recht umfassend. Das Heissgetränk kostet extra. Der bestellte kleine Cappuc- cino für 3,20 Euro schmeckt nicht wirklich, der als Ersatz bestellte Biofrüchtetee von Eilles dafür umso besser. Alle Brotwaren wie auch Honig und Marmelade sind fein. Und bei Nutella erübrigen  sich die Worte eh. Die Einrichtung des Speisewagens – auch hier sind die Sitze aus rotem Kunstleder – ist weder besonders schön noch hässlich, aber die Helligkeit im Wagen dank vieler Fenster fällt positiv auf.

Fazit: Lieber Tee statt Kaffee, aber das Frühstück schmeckt und macht satt.

Offenburg–Basel SBB im ICE 277

DB Restaurant

Nachdem das Frühstück bei der durch die notorischen Verspätungen imagemässig angeschlagenen Deutschen Bahn schon positiv auffiel, ist auch das Mittagessen ein Lichtblick. Der Ober, ein Mann Ende 30, ist charmant und initiativ. Bei der Bestellung empfiehlt er, statt des Rotweines lieber einen Riesling zu nehmen, da dessen Säure den Geschmack der Sauce Bolognese noch besser zur Geltung bringen würde. Recht hat er. Der Riesling (0,25 Liter für 7,50 Euro) mit Noten von gelbem Steinobst passt her- vorragend zum Essen. Beim Parmesan besteht noch Optimierungsbedarf, aber die Fusilli für 8,90 Euro haben Biss, und der Sugo ist recht gut. Serviert wird das Ganze hübsch angerichtet in einer Porzellanschale. Als Reisende fühlt man sich wie beim Italiener um die Ecke, während der Zug durch die badische Landschaft fährt. Die Bordgastronomie der Deutschen Bahn kann sich sehen lassen.

Fazit: Beim Essen ist die DB viel besser als ihr Ruf.

In Zahlen

Unternehmen Täglich im Einsatz Wechsel der Karte Tasse Kaffe Bier Suppen Haupterichte Gute Idee

DB

Über 390 Bord­ bistros + 260 Bord­ restaurants

Grundangebot bleibt, alle 2 Monate neue Specials

3 Euros (small)

3.20 - 4.00 Euros

4.90 - 5.90 Euros

6.90 - 12.90 Euros 

Mit manchen Käufen kann man Umwelt­ projekte unterstützen.

ÖBB

80 Restaurantwagen in 180 Zügen

4 mal pro Jahr

3 Euros

3.40 - 3.90 Euros 

4.60 - 5.50 Euros 

8.90 - 12.20 Euros 

Ladekabel, Schirme usw. erhältlich

SBB                   

100 Züge mit Speisewagen oder Bistros

1­mal pro Jahr, alle 2 Monate saisonale Specials

4.60 Fr.

5.40 - 6.40 Fr. 

9.40 Fr. 

16.40 - 26.80 Fr. 

Auch vegane Gerichte

Unternehmen

DB

Täglich im Einsatz

Über 390 Bord­ bistros + 260 Bord­ restaurants

Wechsel der Karte

Grundangebot bleibt, alle 2 Monate neue Specials

Tasse Kaffe

3 Euros (small)

Bier

3.20 - 4.00 Euros

Suppen

4.90 - 5.90 Euros

Haupterichte

6.90 - 12.90 Euros 

Gute Idee

Mit manchen Käufen kann man Umwelt­ projekte unterstützen.

Unternehmen

ÖBB

Täglich im Einsatz

80 Restaurantwagen in 180 Zügen

Wechsel der Karte

4 mal pro Jahr

Tasse Kaffe

3 Euros

Bier

3.40 - 3.90 Euros 

Suppen

4.60 - 5.50 Euros 

Haupterichte

8.90 - 12.20 Euros 

Gute Idee

Ladekabel, Schirme usw. erhältlich

Unternehmen

SBB                   

Täglich im Einsatz

100 Züge mit Speisewagen oder Bistros

Wechsel der Karte

1­mal pro Jahr, alle 2 Monate saisonale Specials

Tasse Kaffe

4.60 Fr.

Bier

5.40 - 6.40 Fr. 

Suppen

9.40 Fr. 

Haupterichte

16.40 - 26.80 Fr. 

Gute Idee

Auch vegane Gerichte

Die Tests fanden zwischen dem 26.12.2019 und dem 20.2.2020 statt. Bei DB, ÖBB und SBB können sich Rei­ sende der 1. Klasse / Business­ Class auch am Platz bedienen lassen.

Text: Juliane Lutz
Fotos: TCS
Illustration: Nicolas Kristen

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