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09.07.2021

Die Autobahn ist ihr Revier

Ein Fehltritt und es kann sehr schnell brenzlig werden. Beim Autobahn­unterhalt ist kein Tag gleich wie der andere.
09. Juli 2021

Die Sicherheit hat höchste Priorität. Ein Besuch auf den Nationalstrassen der Nordwestschweiz.

Auf einmal geht es ganz schnell. Vor der Einfahrt zum Bözbergtunnel in Richtung Zürich wird der Verkehr angehalten. Ganz vorne steht ein Lastwagen mit grossen LED-Signalen; «Stopp» und «Überholen verboten» werden angezeigt. Das Fahrzeug verfügt über einen Anpralldämpfer, sozusagen ein grosses Kissen, das Verkehrsteilnehmer und Mitarbeiter im Fall einer Kollision schützen würde. Es ist 19.22 Uhr, und schon sechs Minuten später rollt der Verkehr wieder. Wer nun in Richtung Zürich fährt, folgt dem Lastwagen der nun «Bitte folgen» anzeigt und wird so in die andere Tunnelröhre mit Gegenverkehr umgeleitet. Drei Männer vom Technischen Dienst der Nationalstrassen Nordwestschweiz AG (NSNW) haben für dieses Manöver ausgereicht. Ein Tunnel ist damit frei für Unterhaltsarbeiten – an diesem Abend sind das Arbeiten an der Elektrik und der Ersatz eines Deckenlüfters.

«Die Mitarbeiter des Technischen Dienstes arbeiten oft im gefährlichsten Bereich», erklärt Andreas Lüdi. Der Standortleiter Sissach der NSNW weiss, wovon er spricht. Seit zehn Jahren sind die Autobahnen der Kantone Aargau, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn sein Revier. Seine Mit­arbeiter halten diese viel befahrenen Verkehrsadern in Schuss, egal zu welcher Uhrzeit und zu welcher Jahreszeit, ständig umgeben von vorbeidonnernden Lastwagen und Autos. Damit dies genauso reibungslos klappt wie an diesem Abend vor dem Bözbergtunnel, braucht es nebst tatkräftigem Einsatz vor Ort viel Planungs­arbeit und Voraussicht ­sowie gutes Teamwork.

Brenzlige Situationen
3000 solcher Sperrungen im Jahr, also etwa zehn Sperrungen am Tag, führen die Mitarbeiter der NSNW aus. Dabei steht die Sicherheit
der Mitarbeiter immer im Vordergrund. «Seit mehr als dreissig Jahren gab es in ­unserem Gebiet zum Glück keine tödlichen Unfälle bei Mitarbeitern – und wir wollen, dass das auch so bleibt», sagt Andreas Lüdi mit Nachdruck. Deshalb wird sehr grossen Wert auf Sicherheit gelegt, sei es bei der Ausrüstung, bei den Maschinen oder bei den Gefahrenschulungen. «Wir leben eine Stopp-Kultur», fährt Lüdi fort. Jeder Mitarbeiter könne sagen, wenn ihm etwas zu gefährlich erscheint, und dann würde die Situation neu beurteilt. Denn während die Fahrzeuge an ihnen vorbeifahren, werden Abschnitte gesperrt, der Verkehr auf die Gegenfahrbahn gelenkt oder Unfallstellen gesichert – brenzlige Situationen sind somit Alltag.

Autobahn
Arbeitsort Autobahn. Werner Basler (links) und Sven Fischer vom Technischen Dienst

Abwechslung
Auf Verständnis können die Männer in Orange dabei nicht immer zählen. Hupen, Pöbeleien oder gefährliche Überholmanöver liegen an der Tagesordnung. «Gerade vorhin wurde ich überholt, obwohl die Überholspur im Tunnel gesperrt ist», berichtet Sven Fischer vom Tech­nischen Dienst. Auch wenn er sich wünscht, dass die Verkehrsteilnehmer etwas mehr auf die Verkehrssignalisation achten würden, macht er seinen Job mit grosser Freude: «Die Abwechslung macht es aus. Jeder Tag ist anders, und ich kann draussen ­arbeiten.» Dem pflichtet auch Wer­ner Basler bei, der zusammen mit Sven Fischer gerade den Bözbergtunnel gesperrt hat. Auch die unterschiedlichen Arbeitszeiten scheinen ihnen nichts ­auszumachen, denn je nach Strecken­abschnitt oder Tunnel entscheidet das Bundesamt für Strassen, wann gearbeitet werden darf. Der Verkehr soll nicht zu stark beeinträchtigt werden.

Während früher für einen solchen Eingriff wie im Bözberg sechs Personen nötig waren und der Verkehr für etwa zwanzig Minuten ruhen musste, konnte dies in den letzten Jahren durch optimierte Arbeitsabläufe effizienter gelöst werden. Etwa auch beim automatischen Kegelsetzer, einem Lastwagen, der Pylonen auf die Strasse setzt und wieder auflädt, ohne dass ein Mit­arbeiter seine Arme aus dem Gefährt stecken muss.

Autobahn
«Wir leben eine Stopp-Kultur.» Andreas Lüdi, Standortleiter Sissach NSNW

Nistplätze entlang der Autobahn
Das rund 230 Kilometer lange Streckennetz der NSNW wird an neuralgischen Stellen täglich von bis zu 130 000 Fahrzeugen befahren. Diese Infrastruktur, bestehend aus Fahrbahnen, Tunnels, Überführungen und auch Grünflächen, will in Schuss gehalten werden. Trotz des langen Streckennetzes machen die Grünflächen mehr als die Strassen­flächen aus. Seit einigen Jahren wird hier nicht mehr einfach gerodet, sondern auf Biodiversität gesetzt. Dieses Vorgehen bietet den Tieren Nistplätze und sorgt so auch dafür, dass etwa entlang der Nationalstrassen sogar seltene Orchideen blühen.

440 Millionen für den Betrieb
In diesem Jahr wird der Bund rund 440 Millionen Franken in den Betrieb der Nationalstrassen investieren. Der betriebliche Unterhalt sorgt dafür, dass die Autobahnen sicher befahren werden können. Die Arbeiten werden durch elf Gebietseinheiten im Auftrag des Bundes durchgeführt. Mit den rund 440 Millionen Franken werden etwa die Kosten für den Winterdienst, die Reinigung, die Grünpflege, die Betriebs- und Sicherheits­ausrüstungen sowie die Arbeit der Schadwehren gedeckt.

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