13.04.2018

Lawinenprognostiker warnt Schneesportler vor tödlicher Sorglosigkeit



13. April 2018

Im Frühjahr, wenn die meisten Skigebiete den Betrieb einstellen, geht für viele Skitourengeher die Saison erst richtig los. Der «weisse Tod» ereilt Jahr für Jahr unzählige Schneesportler – fast alle Opfer waren jeweils abseits der Pisten unterwegs. Im Interview mit dem TCS erklärt Benjamin Zweifel, Lawinenprognostiker vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), wie man sich im Notfall verhalten sollte. 

Herr Zweifel, der Trend zum Freeriden und Skitourengehen ist unaufhaltsam. Führte das Plus an Wintersportlern im Tiefschnee auch zu mehr Lawinenopfern?

Wir sehen keine Zunahme bei den Lawinenopfern. Das ist sicherlich eine erfreuliche Tatsache und heisst, dass die Prävention, das Verhalten der Leute und die Lawinenrettung auf guten Wegen sind.  

Kann man auf gesicherten Pisten auch in Gefahr geraten?

Grundsätzlich ja. Lawinenunfälle auf gesicherten Verkehrswegen – und dazu zählen auch Pisten – sind aber sehr selten.  

Wenn Skifahrer, Tourengänger oder Snowboarder noch rechtzeitig bemerken, dass sich auf einmal eine Lawine löst oder die Schneemassen heranrollen – können sie noch irgendetwas tun, um möglichst lebend aus der Situation herauszukommen?

Es gibt folgende Verhaltenshinweise: Versuchen wegzufahren, Ski und Stöcke loswerden, Kauerstellung und versuchen, sich ein Hohlraum vor dem Mund zu bewahren. Allerdings sind diese Tipps ziemlich hypothetisch, weil die Lawine sehr viel Krafteinwirkung hat und man de facto kaum handeln kann. Das Davonfahren ist noch am ehesten, was manchmal gelingt, dazu muss man aber sehr gut Ski- bzw. Snowboardfahren.  

Es gibt viele Geschichten dazu, was man beachten soll – falls man verschüttet ist und noch bei Bewusstsein. Sich in die Hand spucken zum Beispiel, um zu merken, wo oben und unten ist und sich nicht versehentlich tiefer einzugraben. Was davon sind Mythen, was kann wirklich das Leben retten?

Dass man sich selber ausgraben kann ist sehr selten. In der Regel kann man sich überhaupt nicht bewegen. Wichtig ist: ruhig verhalten und an das Überleben glauben. Es gibt Hinweise, dass die Psyche viel ausmacht.  

Wo kann man sich über die Lawinengefahr informieren?

Hier ein hilfreicher Link dazu: www.slf.ch

Hängt die Lawinengefahr auch von der Jahreszeit ab?

Ja. Früher ist man erst in den Frühjahrsmonaten (März bis Mai) auf Skitouren gegangen, weil man es im Hochwinter als zu gefährlich und zu schwierig zum Einschätzen empfunden hat. Das hat sich stark geändert. Die Frühlingsmonate sind aber nach wie vor die Monate, wo die Verhältnisse in der Regel am einfachsten zum Abschätzen sind. Die typische Frühlingssituation zeichnet sich aus durch sichere Verhältnisse am Morgen und einen Anstieg der Gefahr im Tagesverlauf.  

Kann es auch passieren, dass die Gefahrenstufe falsch ausgegeben wird?

Ja, wir schreiben uns eine Trefferquote von rund 75 bis 80 % zu, allerdings ist das sehr schwer abzuschätzen.  

Worauf sollte man immer achten, auch wenn die Warnstufe «gering» gilt?

Die «Safer Six»-Regeln sind immer wichtig:

  1. Sich über die Wetter- und Lawinensituation orientieren (www.slf.ch). 
  2. Laufend die Verhältnisse, das Gelände und die beteiligten Personen neu beurteilen. 
  3. Lawinenverschüttetensuchgerät LVS auf «Senden», Schaufel und Lawinensonde sind dabei. 
  4. Frische Triebschneeansammlungen umgehen. 
  5. Schlüsselstellen und extreme Steilhänge einzeln befahren. 
  6. Erwärmung im Laufe des Tages beachten.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

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