11.03.2019

Holografische Revolution im Interieur

Herkömmliche Head-up-Displays bekommen starke Konkurrenz: Die Schweizer Wayray-Technik, die es erlaubt, Fahr- und Verkehrsinformationen direkt auf die Frontscheibe zu projizieren, kommt demnächst auf den Markt.

11. März 2019

Wayray ist eine echte technische Umwälzung, welche die erweiterte Realität in den Dienst der Automobilisten stellt und damit die Fahrerlebnisse revolutioniert. Die Firma, 2012 gegründet und in Zürich ansässig, hat ein holografisches Projektionssystem entwickelt, das für den Fahrer nützliche Informationen ausstrahlt. Aber nicht nur: Auch der Beifahrer erhält für ihn bestimmte Informationen auf der Windschutzscheibe.

Erforderlicher Aufmerksamkeitsgrad

Die innovative Technik unterscheidet sich durch drei grundsätzliche Vorteile von herkömmlichen Head-up-Displays: ein breites Gesichtsfeld (potenziell sogar 180º), eine angenehme Sehdistanz zu den Bildern sowie einen kompakten Projektor. «Ausserdem variiert die Anzahl Informationen je nach Verkehrssituation und dem damit verbundenen verlangten Aufmerksamkeitsgrad des Fahrers», erklärt Philippe D. Monnier, Verwaltungsrat und Aktionär der Wayray AG. Der Automobilist wird zum Beispiel auf einer ruhigen Landstrasse nebst den Basisinformationen auch interessante Orte eingeblendet bekommen. Auf einer Kreuzung oder bei dichtem Verkehr hingegen wird die Frontscheibe bereinigt und zeigt nur noch Daten der Verkehrsführung und der Sicherheit an, wie die Geschwindigkeit oder Kollisions- und Toter-Winkel-Alarm. «Ausser einem intelligenten Projektor und dem entsprechenden Programm haben unsere Ingenieure einen auf Nanotechnologie basierenden Film entwickelt, der durch Diffraktion (Beugung der Lichtwellen) virtuelle Objekte in der Form von Hologrammen generiert. Um die Kundenerfahrung zu verbessern, muss man sich die Frage über die Auswahl und die Menge der ausgestrahlten Informa-tionen stellen, aber auch über deren Stelle und Anzeige nachdenken», gibt der Spezialist an.

In den Demonstrationsvideos werden zum Beispiel Gefahren durch Dreiecke symbolisiert, aber die Interfaces können sich je nach Nutzer unterscheiden. «Da sich die Autos immer ähnlicher sehen, setzen unsere Kunden auf Userinterfaces », fügt Monnier an, dessen Firma mit mehr als 20 Automobilherstellern zusammenarbeitet. Obwohl eigentlich noch geheim, zählen Porsche, Hyundai Motor und auch Alibaba zu den Investoren von Wayray. Die Firma, die bis Ende 2019 mit einer Milliarde Dollar bewertet werden dürfte, beschäftigt 260 Personen. Nach fünf Jahren Entwicklung tritt sie jetzt in die Phase der Industrialisierung ihrer beiden Produkte ein. 

Projizierte Bilder helfen dem Autofahrer
Projizierte Bilder helfen dem Autofahrer
 

Zwei Wayray-Produkte

Wayray Navion ist für bereits bestehende Autos bestimmt und ist ein Produkt zur nachträglichen Montage. Es ist in den USA seit diesem Jahr als Versuchsversion verfügbar. Das zweite Produkt, das in neuen Autos integriert wird, dürfte zwischen 2020 und 2021 auf den Markt kommen. Zur Weiterentwicklung verfügt die Wayray-Plattform über ein Softwareentwicklungstool, das jedem erlaubt, spezifische Applikationen zu kreieren. Der Gewinner eines kürzlich von der Firma organisierten Wettbewerbs hat zum Beispiel ein Programm erstellt, das Hydranten lokalisiert und der Feuerwehr hilft, wertvolle Sekunden zu gewinnen. Das Potenzial ist praktisch grenzenlos. «Jede transparente Fläche verwandelt sich in eine Anzeigegelegenheit für unsere Technik. Diese kann auch in Zügen, Schiffen, Bussen, Lastwagen und sogar auf Gebäudefenstern angewendet werden», erklärt Philippe D. Monnier, der auch das autonome Fahren im Blick hat, mit dem sich Wayray schon jetzt beschäftigt.

Text: Aline Beaud
Fotos: ZVG

Share Funktionen:
durckenE-MailFacebookGoogle +Twitter

Mehr aus der Touring-Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Angebote des TCS

Newsletter
Social Media
Neue Produkte & Jubiläen
 
Bitte haben Sie einen Moment Geduld
Wir optimieren gerade unsere Website, und es kann zu längeren Ladezeiten kommen.