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10.02.2025

Ein Strom voller Wunder

Auf einer Mekong-Flusskreuzfahrt erleben die Passagiere unzählige Begegnungen mit den Menschen, der Kultur und dem Leben am und auf dem riesigen Strom

Von Pago den über bunte Fischfarmen bis zur pulsie renden Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt ist das Spektrum der Sehenswürdigkeiten gross.

Text und Fotos Felix Maurhofer
Diese Reise wurde durch Thurgau Travel ermöglicht.
thurgautravel.ch

Dunkel und mächtig breitet sich der Mekong in der Morgendämmerung aus. Abertausende von Wasserhyazinthen treiben wie kleine Inseln vorbei. Fischer tuckern auf dieser für Millionen von Menschen wichtigen Quelle des Lebens herum. Da ertönt in der Ferne ein leises Motorengeräusch. Es kommt immer näher, wird lauter, und mit der aufgehenden Sonne ist die Frau im roten Kleid in ihrem kleinen Sampan zu erkennen. Zwischen den Hyazinthen bahnt sie sich ihren Weg Richtung Ufer. Während sie auf dem schwankenden Boot balanciert, wirft sie geschickt ihr Netz aus. Später wird sie wiederkommen, ihren Fang an Land bringen und am Strassenrand von Chau Doc feilbieten.

Volles Leben in Chau Doc

Mekong
Am Berg Sam bei Chau Doc befindet sich die Hang-Pagode mit den vielen Tempelanlagen.

Gut vertäut liegt die 64 Meter lange «Mekong Discovery» am Pier von Chau Doc. Am Vortag legte das luxuriöse Flusskreuzfahrtschiff mit neunzehn Suiten in Phnom Penh ab und navigierte flussabwärts Richtung Grenze zwischen Kambodscha und Vietnam. Um die Grenzstadt Chau Doc zu erreichen, muss Kapitän Van Bo über den Fluss Hau, einen Seitenarm des Mekong, navigieren. Auffallend in dieser Grenzregion zu Kambodscha sind die vielen bunten, schwimmenden Fischfarmen entlang der Flussufer. Oben im Haus wohnen die Familien, unten in Netzen und Käfigen züchten sie Fische wie Pangasius oder Tilapia. Der Ort liegt an einer wichtigen Handelsroute und ist von historischer Bedeutung. Hier leben Chinesen, Khmer, Vietnamesen und das Volk der Cham friedlich nebeneinander. Bei einem Abendspaziergang an der belebten Uferpromenade spielen Schüler in Uniform, alte Frauen turnen anmutig, und ein paar Meter weiter grillt ein Mann fein duftendes Hühnerfleisch. Dieses zu kosten, wäre verlockend, doch auf dem Schiff warten ebenfalls kulinarische Leckerbissen.

Abwechslung auf dem Fluss

Auf der 410 Kilometer langen Flussreise bis nach Ho-Chi-Minh-Stadt (früher: Saigon) verlassen die Passagiere täglich das Schiff, um Dörfer oder die Natur am Mekong zu erkunden. Es ist immer etwas los. Selbst, wenn man sich in den Liegestühlen auf dem Sonnendeck ausruht, vergeht die Zeit im Nu. Faszinierende Landschaften ziehen vorbei, und auch das ständige Wechselspiel des Lichts und der Stimmungen ist immer ein Highlight. Wenn man bedenkt, dass dieser über 4000 Kilometer lange Fluss irgendwo im tibetischen Hochland entspringt, durch sechs Länder fliesst, in ihm 1200 Fischarten vom Riesenwels bis zur Süsswasser-Stachelroche schwimmen und er in Südostasien rund sechzig Millionen Menschen ernährt, ist das eine unermessliche Vorstellung.
Hinter Chau Doc erhebt sich der Berg Sam. Der wäre unbedeutend, wäre hier nicht die Hang-Pagode gebaut worden. Um die Schönheit dieses buddhistischen Tempels zu bestaunen, müssen Besucher zuerst unzählige Treppen hochsteigen. Die Architektur, die Schnitzereien und die Malereien der verschiedenen Pagoden bilden ein einmaliges Ensemble und sind nicht von ungefähr eine wichtige Pilgerstätte. Besonders spektakulär sind die Höhlen mit zahlreichen Gottheiten. Ebenso der Ausblick auf die unendlich scheinenden Reisfelder. Reis ist in Vietnam Hauptnahrungsmittel. Hier am Mekong und insbesondere in seinem Delta kann das Getreide bis zu dreimal pro Jahr geerntet werden. Mit 1600 verschiedenen Arten ist die Vielfalt gewaltig.

Akrobatischer Einhorntanz

Mekong
Ein wahres Spektakel mit viel Akrobatik ist der Einhornund Löwentanz in Long Thuan.

Je weiter die «Mekong Discovery» den Fluss hinunterfährt, umso mehr ist auf dem Strom los. Vom kleinen Fischerboot bis zu voll beladenen Frachtschiffen ist einiges unterwegs. Übrigens ist bei allen Schiffen ein Auge auf den Bug gemalt, was die Seele des Bootes symbolisiert. Bei Tan Chau setzt unser Schiff den Anker, und Backbord legen Aus-flugs-Sampans an. Mit ihnen geht es durch mit Fischfarmen gesäumten Kanäle zu einem taoistischen Tempel mit übergrossen Heiligenfiguren, vielen wohlriechenden Räucherstäbchen und mit allerhand farbenfrohen Bildern. Diese Religion, welche das einfache Leben und den Einklang mit der Natur fördert, kam durch die Chinesen nach Vietnam und ist heute weitverbreitet.
Nach einer kurzen Bootsfahrt legt der Sampan an einem wackligen Holzsteg an. Einige Kinder begrüssen uns und führen uns zum Dorfplatz von Long Thuan. Sie gehören zu einer Tanzgruppe, die den Einhorn- und Löwentanz aufführt. Unter den Kostümen stecken jeweils zwei Kinder. Die übergrossen Masken sind imposant und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Begleitet von Trommeln und Tschinellen geht der teils wilde und akrobatische Tanz vonstatten. Aufgeführt wird er in der Regel zum chinesischen Neujahrsfest oder bei der Einweihung von wichtigen Gebäuden. Beim Spaziergang durchs Dorf fällt auf, dass mitten in den einfachen Häusern, die von bellenden Hunden bewacht werden, Gräber stehen. Das ist für viele Vietnamesen normal, sie leben einen ausgeprägten Ahnenkult und haben ihre Verstorbenen gerne in ihrer Nähe.

Vietnams Märkte

Mekong
Die Vielfalt der angebotenen Waren von Fisch über Früchte bis zu Blumen ist auf dem Markt in Sa Dec riesig.

Das Flusskreuzfahrtschiff stösst immer weiter ins Mekongdelta vor, das von der Vietnamesen Neun-Drachen-Fluss genannt wird. Ein Besuch des Marktes von Sa Dec steht an. In dieser wichtigen Handelsstadt sind die Spuren des Kolonialismus noch deutlich zu sehen. Hier lebte in den 1930er-Jahren die französische Schriftstellerin Marguerite Duras. Ihr bekannter Roman «Der Liebhaber» handelt von Sa Dec. Nicht weit von der Villa, wo ihr chinesischer Liebhaber wohnte, beginnt direkt am Flussufer der Markt. Das ist praktisch, denn die Fracht der Schiffe muss nur wenige Meter zu den Marktständen getragen werden. Was hier wie auf allen vietnamesischen Märkten feilgeboten wird, ist schlicht umwerfend. Insbesondere, wenn es um Meeresfrüchte oder Fleisch geht, etwas gewöhnungsbedürftig. Das Gewusel und die Vielfalt der Produkte sind gross. Zu kaufen gibt es hier auffällig viele Blumen. Das, weil auf riesigen Feldern Rosen, Chrysanthemen oder Orchideen angepflanzt werden. Die meisten davon werden nach Ho-Chi-Minh-Stadt geliefert.

Pulsierendes Ho-Chi-Minh-Stadt

Mekong

Die «Mekong Discovery» dampft den Saigonfluss hinauf, und auf einmal erscheint die Skyline von Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Matrosen vertäuen das Schiff am Saigon Port, quasi mitten in der Stadt. Was für ein Kontrast zur beschaulichen Schiffsreise. Wie ein nie endender Strom aus Fahrzeugen pulsiert der Verkehr durch die Strassen. Hier sollte man unbedingt einige Tage verbringen. Es gibt interessante Museen, einen farbenfrohen Markt, viele Streetfoodangebote und an jeder Ecke den vietnamesischen Kaffee (mit Kondensmilch und Eis).
Das Lichtermeer der nächtlichen Hauptstadt ist ein wahres Schauspiel. Im Wasser spiegeln sich die Neonschilder der Hochhäuser, und man fragt sich, was die Fischerin im roten Kleid wohl gerade macht. Sitzt sie bei ihrer Familie in Chau Doc, ordnet sie die Netze oder schläft sie schon, um am nächsten Tag ausgeruht auf Fischfang zu gehen?

Vielfalt am Mekong

In und ums Mekongdelta in Vietnam gibt es unzählige Sehenswürdigkeiten. Sei es das Cham-Dorf Chau Giang, das Kokosland um Ben Tre, die Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt oder die Tunnel von Cu Chi.
Das Mekongdelta prägt den Südwesten von Vietnam. Hier mündet der Strom in einem Netz von Flussarmen ins Südchinesische Meer. Das Delta, welches durch Sedimente entstanden ist, umfasst eine Fläche von rund 39 000 Quadratkilometern. Es wächst jährlich um etwa achtzig Meter. Der Schwemmlandboden ist fruchtbar und bietet Nahrung. Jeder Ort hat Zugang zum Wasser, und so sind die Wasserwege von zentraler Bedeutung. Über den Saigonfluss ist auch die Metro pole Ho-Chi-Minh-Stadt mit dem Delta verbunden.

Mekong
 

1 Faszinierendes Cham-Dorf

Mekong

Am Hau-Fluss, fast gegenüber von Chau Doc, liegt das kleine Dorf der Cham: Chau Giang. Die Cham gehören einer muslimischen Volksgruppe an und sind in Vietnam eine Minderheit. Bei einem Spaziergang durch das hübsche Dorf stossen Besucher auf die für Vietnam ungewöhnlichen Moscheen Mubarak und Jamiul Azhar. Besonders interessant ist ein Besuch der Webereien. Auf Holzwebstühlen fertigen hier Frauen den karierten und zweifarbigen Schal Krama.

2 Über Kanäle nach Ben Tre

Mekong

Der Ort Ben Tre ist besonders reizvoll und repräsentiert das Leben im Delta in seiner ganzen Vielfalt. Unzählige, nur mit Sampans befahrbare Kanäle um geben den fruchtbaren Ort. Bei einem Spaziergang können Besucher das lokale Leben entdecken, die Kokosplantagen bestaunen und zuschauen, wie Kokosnusssüssigkeiten hergestellt werden. Rundfahrten mit dem Tuk-Tuk oder dem Ruderboot sind besonders beliebt.

3 Cu-Chi-Tunnel

Mekong

Etwas ausserhalb der Ho-Chi-Minh-Stadt be finden sich auf einem grossen Areal die Cu-Chi-Tunnel. Die wurden bereits 1948 im Krieg gegen die Kolonialmacht Frankreich gegraben, um Waffen, Vorräte und Menschen zu schützen. In den 1960er-Jahren erweiterten die Vietcong das Tunnelsystem auf 200 Kilometer. Ganze Städte mit allem Drum und Dran entstanden unter der Erde. Heute bietet das Museum Einblick in dieses System.

4 Geschichtsträchtige Hauptstadt

Die Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt pulsiert wie kaum eine andere Hauptstadt. Es gibt hier alles von modernen Hochhäusern über Märkte, Museen bis zu Vierteln aus der Kolonialzeit. Die Museen im Unabhängigkeitspalast, dem Sitz des südvietnamesischen Präsidenten, und das War-Remnants-Museum sollten unbedingt besucht werden. Sie bieten eindrückliche Einblicke in die tragische Geschichte des Vietnamkriegs.

Illustration L’atelier cartographik, Fotos fm

Reise-Check

Mekong

Anreise/Rückreise
Flug von Zürich via Bangkok nach Siem Reap. Von Ho-Chi-Minh-Stadt via Bangkok nach Zürich.
Einreise
Sowohl für Kambodscha als auch für Vietnam einen Reisepass, der mindestens 6 Monate über das Rückreisedatum hinaus gültig ist. 7 Tage vor Ankunft «Cambodia e-Arrival» ausfüllen. Ein Visum gibt es bei der Einreise.
Währung
Kambodscha: Riel (1 USD entspricht ca. 4110 Riel). Kreditkarten werden nicht überall akzeptiert. Oft kann mit kleinen Dollarscheinen bezahlt werden.
Vietnam: Dong (1 USD entspricht ca. 25 500 Dong, darf weder einnoch ausgeführt werden). Dollar sind nicht erwünscht. Kreditkarten werden vielerorts akzeptiert.
Schutz
Guter Sonnen- und Insektenschutz sowie Kopfbedeckung zwingend mitnehmen.
Zeitdifferenz
Sommer: +5 Std.; Winter: +6 Std.
Reiseanbieter
Bei Thurgau Travel startet die Mekong-Flusskreuzfahrt mit der «RV Mekong Discovery» in Siem Reap und geht über Phnom Penh nach Ho-Chi-Minh-Stadt. 17 Tage ab 6390 Franken. thurgautravel.ch

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