19.06.2018

Scan Car, der Hightech- Hilfspolizist von Genf


19. Juni 2018

Die «Fondations des Parkings» am Genfersee hat sich im April einen zweiten Scan Car angeschafft, ein mit Kameras ausgestattetes Fahrzeug, welches die Parkplätze in der Stadt kontrolliert. Willkommen an Bord.

Marie-Pierre Jaquier, Leiterin der Abteilung Parkplätze, hat sich zusammen mit einem Dutzend weiteren Kollegen – die «Fondation des Parkings» beschäftigt in Genf 75 Mitarbeiter – als Scan-Car-Fahrerin ausbilden lassen. Stolz listet sie die Qualitäten ihres kleinen elektrischen Renault Zoé auf: «Er hat eine Reichweite von 250 Kilometer und seinen vier Kameras entgeht nichts, egal ob bei Tag und Nacht oder selbst bei Nebel.»

Vorführung in der Nebenstrasse Rue du Cendrier, unweit des Bahnhofs Cornavin. Die Kameras sind an und die Autokennzeichen erscheinen auf dem Kontrollbildschirm im Fahrgastraum. Informationen, die sofort in eine Datenbank fliessen, ein zentrales Gehirn namens C3. Dort werden sie mit den Parkrechten abgeglichen. «Die Datenbank zeigt nur die verdächtigen Fälle an, die dann von Aussendienstmitarbeitenden kontrolliert werden.»

Lokales Tandem

Scan Car Genève
Alle gescannten Autokennzeichen werden auf dem Bord computer angezeigt

Einige Meter später erfolgt schon das praktische Beispiel: Nathalie Gerber beendet die ihr übertragene Kontrollmission zu Fuss. Die Aussendienstmitarbeiterin aktiviert ihre App und eine präzise Karte erscheint. Grüne Punkte auf der Karte an der Rue du Cendrier, die zuvor kontrolliert wurde: Fälle, die es zu prüfen gilt. Die wird sie gleich in Angriff nehmen, doch zuerst steht die Aussendienstmitarbeiterin vor einer fehlerhaften Parkuhr. «In solchen Fällen erlauben wir 90 Minuten Parken», erklärt sie.

In jedem Gebiet, das vom Scan Car durchquert wird, ist auch ein Aussendienstmitarbeiter zur Stelle. «Die Kontrolle der Falschparker muss schnell erfolgen, da jeder Fall nach 30 Minuten gelöscht wird», erklärt Marie-Pierre Jaquier. Und wenn ein Strafzettel ausgefüllt werden muss, kommt der gute alte Bussenkatalog zum Zuge. Die Bussgelder fallen unter das Strassenverkehrsgesetz. Der Bund hinkt Genf allerdings etwas hinterher, wo die «Fondation des Parkings» bereits vor drei Jahren eine elektronische Parkraumbewirtschaftung initiiert und im Stadtzentrum vernetzte Parkuhren aufgestellt hat. Das System wurde im Februar mit der Einführung des ersten Scan Car fertiggestellt, nachdem es im Herbst erfolgreich getestet wurde.

Exponierte Tätigkeit

Das Scanner-Fahrzeug ist das letzte Glied in der Kette, in einer Stadt, in der schätzungsweise zwei Drittel der Nutzer nicht für das Parkieren bezahlen. Seit April sind in Genf zwei Scan Cars im Einsatz. Und sie wecken grosse Neugier, so auch an diesem schönen Frühlingstag: «Das Auto stellt ja auch keine Bussen aus», erklärt Marie-Pierre Jaquier lächelnd und beantwortet fröhlich die Fragen von drei faszinierten Falschparkern. Höflichkeit ist aber selten dieNorm: «Niemand bekommt gerne eine Busse und die Arbeit ist nicht immer einfach. Doch Angriffe sind selten, in den letzten zehn Jahren waren es nur etwa drei oder vier.»

Die kurze Vorführung neigt sich dem Ende zu: Laut Bordcomputer wurden 188 Fahrzeuge gescannt. «Es ist möglich, 3800 Scans an einem Tag zu machen», erklärt die Leiterin der Abteilung Parkplätze, bevor sie ihre Mission fortsetzt.

Des avantages à foison

Jean-Yves Goumaz leitet die
«Fondations des Parkings»

«Sie haben nur die Spitze des Eisbergs gesehen. Der Scan Car kommt zum Zuge, wenn alles digitalisiert ist, und Genf ist die erste Stadt, die dies getan hat», sagt Jean- Yves Goumaz, Generaldirektor der «Fondation des Parkings». Insbesondere für Partnerschaften mit den Gemeinden des Kantons, von denen einige, wie zum Beispiel Vernier, bereits Interesse zeigen. «Wir stehen am Anfang eines Prozesses, der sich rasch entwickeln wird.» Dazu gehören blaue Parkflächen und Parkkarten für Anwohner, Industriegebiete und Langzeitparkplätze. 

Die zentrale Datenbank C3 schafft vorerst nur in der Innenstadt einen Überblick über die Situation. Die gesammelten, gesetzlich streng geschützten Daten liefern eine wertvolle statistische Grundlage über die Auslastung der Parkplätze, über den Suchverkehr und ermöglichen so «Parkplatzvorhersagen». Die Daten können die Automobilisten über volle Parkplatzzonen und die Verfügbarkeit von Parkplätzen informieren, über Informationstafeln oder über eine App. «Es ist auch ein wichtiges Instrument für die Behörden, die auf der Grundlage dieser Informationen über neue Parkplätze entscheiden können», so Jean-Yves Goumaz.

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