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02.12.2020

«Der TCS ist auf solche Zeiten vorbereitet»

TCS-Generaldirektor Jürg Wittwer blickt auf intensive Monate zurück.
02. Dezember 2020

Im Interview erklärt er, wie der TCS mit der Corona-­Krise umgeht, den Spagat zwischen Ausnahmezustand und ­Tagesgeschäft meistert und welche Lehren er daraus zieht.

Herr Wittwer, wie geht es dem TCS?
Jürg Wittwer: Trotz Corona-­Krise geht es dem TCS gut. Wir sind eine Nothilfeorganisation und gut vorbereitet, um gerade in solchen ausserordentlichen Zeiten unseren Mitgliedern beizustehen. Der TCS hat keine Schulden und ist so solide aufgestellt, dass er auch den aktuellen Sturm sehr gut überstehen wird. Wir haben bereits in der ersten Welle Tausende von gestrandeten Mitgliedern in die Schweiz zurückgebracht und zigtausend Reiseannullationen rückvergütet.

Wie stand und steht der TCS seinen Mitgliedern in der Corona-Krise zur Seite?
Seit Beginn der Pandemie sind wir an der Seite unserer Mitglieder: mit Rückführungen, Rückerstattungen von Annullationskosten, medizinischer Beratung auf TCS MyMed, aber auch mit der Priorisierung der Pannenhilfe für das medizinische Personal oder einer Website mit Verkehrssicherheitsspielen für Kinder, um den Shutdown zu verkürzen. Dazu konnten wir mit unseren Campings massgeblich dazu beisteuern, dass Hundert­tausende Schweizer trotz der schwierigen Situation schöne Ferien erlebten.

Welches waren dabei die grössten Herausforderungen?
Es war sicher eine grosse Herausforderung, unsere Dienst-
leistungen rund um die Uhr aufrechtzuerhalten, trotz Shutdown, trotz Schutzmassnahmen, trotz Verlagerung der Mitarbeiter ins Home­office und nicht zuletzt trotz Quarantäne und Krankheitsfällen in der Belegschaft.

Wie haben Sie Ihre Mit­arbeitenden in dieser Zeit ­erlebt?
Auch unter Stress und persönlicher Betroffenheit tragen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den TCS hervorragend durch die Krise. Unsere Patrouilleure helfen, Ansteckungsgefahr hin oder her, unseren Mitgliedern auf der Strasse – während des Shutdowns auch prioritär für das gesamte ­medizinische Personal. Viele Mitarbeitende von der IT bis zur ETI-Abteilung haben, wenn Not am Mann oder an der Frau war, bis spät in die Nacht oder am Wochenende gearbeitet. Dafür bin ich sehr dankbar.

Jürg Wittwer
Bewahrt kühlen Kopf. Jürg Wittwer auf dem Dach des TCS-Hauptsitzes in Vernier, Genf

«Der TCS ist so ­solide aufgestellt, dass er auch den aktuellen Sturm überstehen wird.»
Jürg Wittwer,Generaldirektor 


Besonders die ETI-Zentrale lief auf Hochtouren. Mit welchen Massnahmen hat der TCS auf die grosse Anzahl an Anträgen reagiert?
Wir haben unser Annulla­tionsteam noch während der ersten Welle verdoppelt. Das war nicht ganz einfach. Unsere erfahrenen Mitarbeiter mussten den sicheren Hafen der Heimarbeit aufgeben, um im Büro die neuen Kollegen einzuarbeiten. Auch ist es nicht einfach, Ruhe zu bewahren, wenn sich gleichzeitig die Dossiers türmen und das Telefon unaufhörlich klingelt. Wir haben dann ­unsere Aula in Vernier in ein improvisiertes Schadensbüro umgebaut, ­inklusive der notwendigen Distanz zwischen den Arbeitsplätzen.

Als Kapitän steuern Sie das TCS-Schiff durch den Sturm. Was bedeutet gutes Krisenmanagement?
Gute Vorbereitung, Ruhe bewahren, schnelles Entscheiden im Team.

Sie sind seit 2016 Generaldirektor des TCS. Ist dies ihr schwierigstes Jahr?
Es war sicher ein sehr intensives Jahr, bei dem nebst den ausserordentlichen Massnahmen auch das Tagesgeschäft nicht vernachlässigt werden durfte. Das Leben geht ja trotz und neben dem Coronavirus weiter. So haben wir TCS Home, unsere Pannenhilfe für zu Hause, in der Westschweiz ausgerollt, eine Telefon­auskunft zur Elektromobilität aufgeschaltet, eMobility-­Tage in der ganzen Schweiz veranstaltet sowie unsere Aktivitäten im Bereich der Verkehrssicherheit weiter vorangetrieben.

«Unsere Mitarbeitenden tragen den
 TCS hervor­ragend durch die Krise.»

Jürg Wittwer

Die Krise trifft nicht alle ­Bereiche des Clubs gleichermassen. Während etwa TCS Training & Events eine Zeit lang fast stillstand, verzeichneten die Campings ein Rekordjahr. Ist es in solch einer Zeit ein Vorteil, so breit aufgestellt zu sein wie der TCS?
Unsere Hauptaktivität ist die Mitgliedschaft, und zum Glück haben wir Mitglieder, die uns auch in schwierigen Zeiten treu bleiben. Dies freut mich besonders, denn es zeigt, wie tief der Club, der bald 125 Jahre alt sein wird, in der Schweizer Gesellschaft verankert ist. Sicher ist es ­jedoch hilfreich, wenn man auch in Geschäftsbereichen tätig ist, welche von der Krise weniger betroffen sind oder, unerwarteterweise, sogar ­davon profitieren. Der Semi-­Lockdown hat die Schweizer dazu genötigt, diesen Sommer in der Heimat zu bleiben. Mit unseren 29 Camping­plätzen konnten wir dazu beitragen, das Reiseland Schweiz und Ferien in und mit der Natur in diesem Jahr ins Rampenlicht zu rücken. Und das wurde dankend angenommen: Bis heute haben wir 730 000 Übernachtungen auf unseren Campings. Das ist ein neuer Rekord und eine Bestätigung, wie wunderschön unser Land ist, das sich immer wieder aufs Neue zu entdecken lohnt.

Nächstes Jahr ist ein ­grosses Jahr für den TCS. Müssen wir mit einem ­trüben 125-Jahr-Jubiläum rechnen?
Wir werden feiern – «ghouä oder gstochä» –, und es wird schöne Feste in vielen Schweizer Städten geben.

Noch ist das Jahr 2020 aber nicht zu Ende. Welchen Wunsch haben Sie für den TCS bis zum Jahreswechsel?
Eine ruhige Adventszeit, erholsame Weihnachtsferien und viele, viele gesunde Mitglieder und Mitarbeitende.

Welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Krise für die Zukunft des TCS?
Der TCS ist wichtig für die Schweiz und für die Mitglieder. Noch nie wurde der ETI-Schutzbrief und unsere medizinische Beratung so stark gebraucht wie dieses Jahr. Das Auto und das Velo haben in der Krise an Popularität gewonnen – und immer ist der TCS da, wenn es eine Panne gibt.

Der TCS ist bereits in ­vielen Bereichen des Alltags ein nützlicher Helfer und Begleiter. Inwiefern können die Angebote ­überhaupt noch weiter ausgebaut werden?
Wie bereits erwähnt, erweitern wir unsere Dienstleistung auf die Pannenhilfe zu Hause. Wenn es im Haus eine Elektrizitäts- oder Wasserpanne gibt, organisiert der TCS die Soforthilfe. Wir ­machen das zusammen mit lokalen Handwerkern und übernehmen die Organi­sation des Pikettdienstes für unsere Mitglieder. Das ist ­übrigens gar nicht so weit von der Mobilität entfernt – zumindest nicht für alle Besitzer eines Elektroautos.

Der TCS setzt sich stark für die E-Mobilität ein. Wie wirkt sich das auf das Geschäftsmodell des TCS aus?
Die Elektromobilität ist wohl nicht mehr aufzuhalten – und alle meine Kollegen, welche auf ein Elektroauto umge­stiegen sind, wollen nicht mehr zurück. Als TCS haben wir uns bereits angepasst. Alle Patrouilleure wissen, wie man ein Elek­tro­auto entpannt. Und wer eine Ladestation oder Beratung braucht, kann bei uns vorbeikommen oder anrufen.

Wo wird der TCS in zehn bis 20 Jahren stehen?
Wir werden weiterhin der Club an der Seite unserer Mitglieder sein – unterwegs und zu Hause – nie mehr als einen Anruf entfernt.

Interview: Dominic Graf
Fotos: Olivier Vogelsang

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