





Text Jérôme Burgener
Fotos Olivier Vogelsang
«Wenn manche bremsen und das Auto ins Rutschen kommt, kann man die Schreie bis nach Martigny hören», sagt Claude Lattion mit einem verschmitzten Lächeln. Dabei befindet sich Martigny vierzig Kilometer von der Piste in Bourg-Saint-Pierre entfernt, die für die Kurse auf Schnee und Eis von TCS Training genutzt wird – und was besonders ins Gewicht fällt: Martigny liegt 1500 Meter tiefer als die Piste.
Damit die Personen, die ein Fahrzeug führen, ihre Fahrfähigkeiten verbessern können – und manchmal auch ein paar kontrollierte Schrecksekunden erleben –, bereitet Claude Lattion – wie bereits seit über dreissig Jahren – Anfang Dezember diesen Übungsplatz vor. Er betont, wie nützlich ein solches Training ist, insbesondere für sehr ängstliche Menschen: «Wenn sie ankommen, haben sie Angst vor dem Schnee, Angst davor, zu rutschen. Im Laufe des Tages bekommen sie dann mehr Selbstvertrauen.» Der technische Leiter erklärt die verschiedenen Zonen des Parcours: «Es gibt einen grossen Kreis, in dem sich die Autos drehen sollen. Die Fahrerinnen und Fahrer erleben dann, dass sie bei zunehmender Geschwindigkeit irgendwann quer stehen bleiben.» An einer anderen Stelle sieht man erst im letzten Moment, ob man nach links oder nach rechts abbiegen soll. «Und auch da gibt es eine kleine Überraschung», erklärt er. Schliesslich gibt es noch einen Bereich, in dem das Bremsen und Anfahren am Berg geübt werden kann. Ein am Vortag angelegter Erdhügel ermöglicht es, die Fahrtechnik unter möglichst realen Bedingungen zu verfeinern. Claude Lattion sagt ganz richtig: «Schnee gibt es in den Bergen häufig, und die Strassen sind dort selten eben.»
Allerdings hängt es stark vom Wetter ab, ob eine solche Strecke angelegt werden kann. «Es hat zwar ein wenig geschneit, aber es ist nicht kalt genug, damit der Schnee fest wird», erklärt er, obwohl es an diesem Dezembermorgen –2 °C hat. Tagsüber ist es nicht kalt genug. Der Platz muss später, vielleicht sogar deutlich später, noch einmal neu präpariert werden. «Am Wochenende wird es wohl sehr kalte Nächte geben. Wir werden also nachts arbeiten. Wenn man in so einem Beruf arbeitet, muss man sich nach dem Wetter richten – ganz einfach», erklärt der Pistenpräparator, der gleichzeitig das Hotelrestaurant Bivouac de Napoléon betreibt, pragmatisch.
Auch wenn es nicht sehr kalt ist, können manche Aufgaben trotzdem erledigt werden. Zunächst räumt ein Traktor die Strecke mit der Schneeschaufel und spurt den Parcours. Anschliessend wird der Schnee mit einer Pistenraupe geglättet. Als Nächstes sorgt man mit einer Schneekanone für mehr Schneemasse und wartet dann darauf, dass diese zu Eis wird. Oder man beschleunigt das Ganze, indem man den Schnee mit Wasser besprüht.
Der Winter stellt Autofahrerinnen und Autofahrer in der Schweiz jedes Jahr vor besondere Herausforderungen. Glatte Strassen, Schnee und Eis verlangen nach Erfahrung, richtigem Fahrverhalten und sicherem Umgang mit dem Fahrzeug. Deshalb bietet TCS Training verschiedene Winterfahrtrainings in der ganzen Schweiz an. Von Grundkursen für Einsteigerinnen und Einsteiger bis zu spezialisierten Trainings für SV, Firmenfahrzeuge und weitere Fahrzeugtypen.
Alle unsere Kurse auf Schnee und EisSeit 2018 steht Emile Ançay – er ist der Cousin zweiten Grades seiner Frau – Claude zur Seite. Mit gerade einmal 26 Jahren hat er schon sieben Winter des Lernens hinter sich. Als gelernter Förster begeistert er sich für Maschinen und lernte so ganz natürlich nach und nach den Umgang mit allen Maschinen, die es für die Vorbereitung des Geländes braucht. «Es ist sehr interessant, den Platz zu präparieren und dafür zu sorgen, dass er möglichst gut wird. Übung macht schliesslich den Meister», resümiert der junge Mann. Emile Ançay wurde in Bourg-Saint-Pierre geboren und ist in den Bergen aufgewachsen: «Das ist zwar nicht unbedingt notwendig, um Pistenpräparator zu werden, aber es ist ein grosser Vorteil, auch wenn das Gelände ist, wie es ist, und das Wetter ebenso.»
Zwei Personen sind besser als eine, um sicherzustellen, dass am 26. Dezember alles bereit ist, wenn an diesem Tag das erste TCS-Fahrtraining auf Schnee und Eis stattfindet. Die Trainings dauern noch bis Ende Februar. In zwei Monaten kommen zwischen 800 und 1000 Teilnehmende nach Bourg-Saint-Pierre – etwa 24 pro Kurs. So viele Menschen und Trainings bedeuten viel Arbeit für die beiden Pistenpräparatoren. «Wenn es uns braucht, sind wir immer verfügbar. Wenn das Wetter schön ist, haben wir nicht viel Arbeit. Wenn es aber sehr windig ist oder sehr viel Schnee liegt, müssen wir dafür sorgen, dass die Sicht besser wird», erklärt Claude Lattion. Den Teilnehmenden immer die bestmöglichen Bedingungen zu bieten, hat jeden Tag oberste Priorität, und das Gelände muss entsprechend angepasst werden. Wenn es zu viel schneit, muss Schnee geräumt werden wie auf der Strasse auch. Und wenn es nicht genug schneit, muss mit der Schneekanone nachgeholfen werden. Zum Glück für Claude Lattion und Emile Ançay gibt es nach dem Ende der Trainingssaison Ende Februar fast nichts mehr zu tun: «Wir lassen den Schnee ganz natürlich schmelzen. Wenn dann der ganze Schnee weg ist, räumen wir ein bisschen auf.» Zehn Monate später klingelt der Wecker dann wieder zu unmöglichen Zeiten, und die Maschinen werden wieder angeworfen.
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