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28.09.2021

Hobby: Patrouilleur

Steigende Pannen, kaum Einsatzfahrzeuge: Um den Engpass zu meistern, bildete die TCS Sektion Zürich in den 1960er- und 1970er-Jahren auto­affine Mitglieder zu sogenannten Touringhelfern aus.
28. September 2021

Einer der Hobby­patrouilleure von damals erinnert sich.

Anfang der Sechzigerjahre zählte die Pannenhilfe des TCS Zürich genau zwei Fahrzeuge. Angesichts der zu dieser Zeit stark zunehmenden Zahl an Personenwagen und den damit verbundenen steigenden Pannen war die TCS Patrouille schlicht überfordert. Aus dieser Not ­heraus entschloss man sich zu einem ungewöhn­lichen Schritt und appellierte an den ­kameradschaftlichen Clubgedanken: Die Mitglieder sollten helfen – freiwillig und unentgeltlich. Die Touringhelfer waren geboren.

Anforderungen an die ­Touringhelfer anno 1972
Um sich den Hobbypatrouilleuren anschliessen zu können, mussten die Anwärter jedoch einige Bedingungen erfüllen. Längst nicht jedes TCS-Mitglied konnte zum Touringhelfer werden, wie folgender Auszug aus einem Artikel der «Automobil Revue» von 1972 – gefunden auf zwischengas.com – eindrücklich zeigt: «Natürlich werden nur charakterlich einwandfreie Leute in das Corps aufgenommen. Deren Mindestleistung an Fahrkilometern pro Jahr muss 10 000 bis 20 000 betragen, und sie müssen einen abgenommenen Wagen fahren, der alljährlich durch den TCS-Kontrolldienst nachgeprüft wird. Die Aufnahme erfolgt frühestens zwei Jahre nach bestandener Führerprüfung. Vor Ernennung zum Touringhelfer und vor Aushändigung der Ausrüstung muss ein Einführungskurs mit Abschlussprüfung absolviert werden. Die Aufnahme von Helferinnen ist nicht ausgeschlossen, sofern es sich um Sanitätsfahrerinnen handelt oder Fahrerinnen mit ähnlicher Ausbildung.»

touringhelfer
Die Ausrüstung umfasste unter ­anderem Überkleider, Werkzeug, ­Erkennungsschild, Auto­apotheke, Kamera, Feuerlöscher und Kreide.

Keilriemen mit dem Nylonstrumpf der Ehefrau geflickt
Einer dieser «charakterlich einwandfreien Leute» war Hans Rudolf Meier, der, wie er sagt, «Anfang der Siebziger längere Zeit bei dieser Truppe mitgemacht» hat. Obwohl seine Karriere als Touringhelfer schon fünfzig Jahre zurückliegt, erinnert er sich noch gut und gerne an diese Zeit: «Nach dem Einführungskurs in Zürich waren wir berechtigt, anderen bei einer Panne zu helfen. Wir wurden mit einem Werkzeugset ausgerüstet und erhielten ein gelbes Touringhelfer-Schild, das mit Gummibändern an der Stossstange befestigt wurde.» Nebst der Werkzeugtasche und dem Erkennungsschild gehörten Überkleider, eine Autoapotheke, eine Kamera, ein Feuerlöscher und Kreide zur Ausrüstung im Wert von 900 Franken.

Auch wenn die Ausrüstung regelmässig zum Einsatz kam und sehr hilfreich war, musste Hans Rudolf Meier manchmal improvisieren und eine kreative Lösung finden. «Bei einem Renault R4 mit gerissenem Keilriemen habe ich einmal mit einem ­Nylonstrumpf meiner Frau einen Behelfskeilriemen gebastelt. Der Fahrer konnte damit immerhin zu seiner Werkstatt fahren», schildert er einen Einsatz von damals. Bei einem ­anderen Fahrzeug, dem im Zündverteiler die Unterbrecherfeder gebrochen war, habe er mit einem Gummiring den Unter­brecher notdürftig wieder zum Funktionieren gebracht, um zur nächsten Garage fahren zu können. Hin und wieder hätten auch Radwechsel dazu­gehört, «da es früher ­wesentlich häufiger Plattfüsse gab als heute». Ebenfalls häufiger sei es vor fünfzig Jahren auch zu Benzinpannen gekommen: «Manchmal habe ich mit Benzin ausgeholfen. Viele Autos hatten noch keine Tankanzeigen, nur Reservehebel, die ver­gessen wurden, zurück­zustellen», so Meier.

Hans Rudolf Meier, ehemaliger Touringhelfer.

Auf gelbe Hals­tücher achten
Der Touringhelfer konnte einigen in Not geratenen Automobilisten helfen. Sogar Motorradfahrern habe er zur Weiterfahrt verholfen. «Töfffahrer, die ein Problem hatten, signalisierten dies damals mit einem gelben Halstuch am Lenker. Ein Symbol, das auf den deutschen Motorradjournalisten Ernst ‹Klacks› Leverkus zurückgeht», erklärt Hans Rudolf Meier.

Heute wäre eine solche Hobbypatrouille wie die Touringhelfer undenkbar. Die Komplexität und Vielfalt der Fahrzeuge erfordert eine professionelle Ausbildung, die definitiv nicht an einem eintägigen Einführungskurs absolviert werden kann. Für die damalige Zeit war es jedoch eine rettende Idee, und der TCS bewies schon damals seinen Clubgedanken und den ausgeprägten Sinn für das Mit- und Füreinander. Für die freiwilligen Touringhelfer jedenfalls war es eine in allen Bereichen gewinnbringende Aufgabe: Sie konnten helfen und gleichzeitig ihr Fahrzeugwissen und ihre ­Fähigkeiten ausleben und unter Beweis stellen.

Text: Dominic Graf
Fotos: zwischengas.com, revue automobile, LDD

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