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03.06.2021

Klein, aber clever

Unschuldig steht das Tiny House da, auf 1300 Metern über Meer, unweit der Bergstation der Sesselbahn Mattstock und der Piste Bärenfall in Amden (SG).
03. Juni 2021
Burgdorf
Im digitalen Chaletwird das Licht mit der Stimme oder über das Tablet gesteuert.

Meine Bleibe für die nächsten zwei Tage und zwei Nächte. Das ist an und für sich noch nichts Spezielles. Schliesslich erfreut sich diese Wohnform und das mit ihr verbundene Leben auf kleinem Raum schon seit längerer Zeit einer grossen Beliebtheit. Auch weil damit gleich mehrere Sehnsüchte, insbesondere von Städtern, befriedigt werden: weg vom Lärm, hin zur Natur, endlich die zwanzig Kaffeetassen sowie fünfzig Paar Socken hinter sich lassen und sich dem Minimalismus zuwenden. Meine Unterkunft aber hat noch weit mehr zu bieten. Sie ist nämlich digitalisiert. Will heissen: Licht, Musik, Heizung und Fensterläden lassen sich mit der Stimme oder über ein Tablet steuern, die Tür mit dem eigenen Smartphone öffnen.

Mit Klappbett. Im «tiny» Ferienhaus
ist alles auf Effizienz getrimmt.

Vorsicht ist geboten
Geht es um automatisierte Vorgänge in einem Haus, er innere ich mich immer an eine Folge von der Serie «Die Simpsons», in der die gelbe Familie aus Springfield in einem vollautomatisierten Heim lebt, der Computer am Ende Jagd auf den Hausherrn macht und diesen gar beseitigen will. Und da die Macher der Serie schon vor Jahren in einer der Episoden Donald Trump als Präsidenten der USA vorausgesagt haben, ist Vorsicht geboten. Bin ich etwa durch die zum Inventar gehörende Nespresso-Maschine in Gefahr? Wird sie mich plötzlich hinterrücks mit Kaffeekapseln beschiessen?

Licht an! … Befehle beginnen stets
mit «Computer, …»

«Blödsinn», denke ich mir und mache es mir auf dem Sofa gemütlich – die Nespresso Maschine mit einem Auge immer im Blickfeld. Auf insgesamt zehn Quadratmetern Fläche hat es im Minihaus alles, was es zum Leben braucht: ein ausklappbares Bett hinter der mit Bildern behängten Wand versteckt, WLAN, ein Tablet mit TV-App, eine Küche mit grossem Kühlschrank, Induktionskochherd, Geschirr und Kochustensilien ausgestattet. Nur der Backofen fehlt. Es folgen erste zaghafte Versuche, mit dem Computer zu kommunizieren. Etwas doof komme ich mir dabei definitiv vor. «Computer, schliesse Rollo Wohnzimmer!», lautet mein Befehl. «Okay», bekomme ich als Antwort von einer Frauenstimme. Und schon setzt sich der Vorhang in Bewegung und findet seinen Weg nach unten. Für ganz einsame Zeiten kann man sich sogar einen Witz erzählen lassen. Etwa diesen hier: «Was kann man einfach nicht mit Worten ausdrücken? Einen nassen Schwamm.» Dieses Mal bin ich es, der «okay» sagt …

Kleines Häuschen, aber grosses Panorama,
direkt vom Bett aus erlebbar

Ein Schreck zum Abschluss des Tages
Weniger entspannt ist dann allerdings das Einschlafen. «Computer, gute Nacht!», lautet der Befehl und schon übernehmen Dunkelheit und Ruhe das Zepter. Während ich auf der Suche nach der optimalen Schlafposition bin, ertönt plötzlich Musik. Ich schrecke hoch. Was ist denn jetzt passiert? «Musik aus!», nichts passiert. Nächster Versuch: «Musik leiser!», wiederum nichts. In der allgemeinen Verwirrung versuche ich es mit weiteren Befehlen, bis mir einfällt, dass ich zuerst «Computer» sagen muss. Danach ist es wieder still. Wieso genau es zum Abschluss des Tages Musik gibt, ist mir bis heute unklar.

Burgdorf
Das Tiny House an seinem Winterstandort oberhalb von Amden (SG).

Am nächsten Morgen ist der Schrecken vergessen. Ich liege eingerollt in der Decke auf dem Bett und weise den Computer an, den Rollladen zu öffnen. Noch eine ganze Weile geniesse ich so die Sicht auf das Bergpanorama und die Landschaft, die mit ihren vielen grünen Flecken ein bisschen an das Muster des weiss-schwarzen Holstein Rinds erinnert. Frühstück im Bett wäre jetzt toll, aber das kann das Tiny House dann eben doch noch nicht. Und das finde ich irgendwie auch ganz gut so.

Reportage: Markus Fässler
Fotos: M. Faessler, LDD

Das Tiny House steht ab 30. April bis 31. Oktober auf dem Nollen im Bezirk Weinfelden (TG) und kann über thurgau-bodensee.ch gebucht werden.
thurgau-bodensee.ch

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