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15.02.2021

Isabelle Marchand, die erste TCS-Patrouilleurin

«Reizvoll war, dass ich morgens nicht wusste, was der Tag für mich bereithielt»
15. Februar 2021

Isabelle Marchand fing 1994 als erste Patrouilleurin beim TCS an. Sieben Jahre half die aus Estavayer-le-Lac stammende Automechanikerin bei Pannen aller Art. Akzeptanzprobleme gab es dabei nie, ein paar lustige Begebenheiten aber schon.

Frau Marchand, was hat Sie am Job der Patrouilleurin gereizt?
Isabelle Marchand: Die Idee, Leuten in Not zu helfen, hat mir gefallen. Damals war ich in einer Garage in Basel tätig. Die Arbeit machte Spass, aber ich wollte mit 22 noch etwas anderes kennenlernen. Auch zog es mich nach zwei Jahren in der Deutschschweiz wieder in die Region von Estavayer-le-Lac. Als ich dann in einer Zeitschrift die Anzeige sah, dass der TCS einen Patrouilleur im Raum Lausanne suchte, bewarb ich mich einfach, ohne allzu viel darüber nachzudenken.

Hat die Arbeit dann Ihren Erwartungen entsprochen?
Ja, es gefiel mir sehr, für andere nützlich sein zu können. Ausserdem konnte ich relativ autonom arbeiten und selbst entscheiden, wie ich dieses oder jenes Problem bei den Autos angehen wollte. Diese Kombination sprach mich sehr an. Reizvoll war auch, dass ich morgens nicht wusste, was der Tag für mich bereithielt und ich mit der ganzen Bandbreite an Fabrikaten und Modellen zu tun hatte: vom 2 CV bis zum Ferrari sozusagen.


Waren Sie während der sieben Jahre stets die einzige Patrouilleu­rin beim TCS?
Am Anfang sicherlich, aber später kam noch eine Arbeitskollegin im Raum Zürich dazu. Wir haben uns aber nie getroffen.

Staunten im Jahr 1994 TCS-Mitglieder noch, wenn eine Frau im Einsatzfahrzeug vorfuhr, um ihnen zu helfen?
Männer und Frauen waren am Anfang häufig erst überrascht, wenn ich im gelben Opel kam, aber die Reaktionen fielen in den allermeisten Fällen sehr positiv aus. ­Eigentlich hatten immer alle vollstes Vertrauen in meine Fähigkeiten als Automechanikerin.

Und waren Sie bei den Patrouilleu­ren auch gleich akzeptiert?
Ja, gleich von Anfang an. Aber ich habe mich auch nie über irgendeine Arbeit beklagt oder gesagt, dass dies oder jenes nichts für eine Frau ist. Ich war eine von ihnen. Nur wenn eine Tätigkeit einmal meine körperlichen Kräfte überstieg, dann habe ich um Hilfe gebeten.

Sicher kam Ihnen Ihre ­aufgestellte, humorvolle Art dabei auch zugute.

Ich bin schon ein fröhlicher Mensch, habe aber einen starken Charakter und lasse mir nichts gefallen. Meine Einstellung war immer, wenn ich in einem Männerberuf arbeite, dann gibt es für mich keine Ausnahmen, nur weil ich eine Frau bin. Das hat mir Respekt eingebracht.

Sind Ihnen noch ein paar Einsätze von damals in ­Erinnerung geblieben?
Einmal wurde ich zu einer etwa 80-jährigen Frau gerufen. Als ich bei ihr ankam, fragte sie mich, ob ich auch tatsächlich Automechanikerin sei. Ich meinte im Spass, nein, ich sei Coiffeuse, aber ich könne ihr trotzdem helfen. Sie hatte nicht verstanden, dass ich einen Scherz gemacht hatte, und wollte mich danach nicht an ihr Auto lassen. Es musste dann ein Patrouilleur kommen. Und ich erinnere mich noch an den Mann, der einen Plattfuss bei der Assistance ge­meldet hatte. Ich fuhr zu ihm, und als er mich sah, wechselte er den Reifen selbst. Vermutlich wollte er sich vor einer Frau keine Blösse geben und zeigen, dass er selbst in der Lage war, sich zu helfen. Mich hat es nicht gestört, ich fand es nur amüsant.

Isabelle Marchand, 48, ist verheiratet und Mutter von einer Tochter und von zwei Söhnen. Die gelernte Automechanikerin unterrichtet heute in einer Pfarrei Religion. 

Text: Juliane Lutz
Fotos: Fabian Hugo, LDD

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