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07.12.2020

«Die Winterferien noch nie im Ausland verbracht»

Sport- und Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) ist in der Corona-Pandemie stark gefordert. Anlässe im Breiten- und Spitzensport stehen auf der Kippe, und die Armee ist wieder im Einsatz. Im Interview blickt sie auf einen etwas anderen Winter in der Schweiz.
07. Dezember 2020

In den Bergen liegt der erste Schnee. Waren Sie in diesem Jahr schon auf den Skis?
Viola Amherd: Nein, ich gehe meistens nicht vor Weihnachten auf die Piste. Aber später in der Saison werde ich das sicher tun.

Werden wir in diesem Winter ausschliesslich Ferien in der Schweiz machen?
Verlässliche Prognosen sind bei dieser Pandemie schwierig. Man muss die Entwicklung genau verfolgen. Wir leben zum Glück in einem Land mit vielfältigen Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Ich persönlich habe die Winterferien noch nie im Ausland verbracht.

Der Wintersport dürfte in diesem Jahr etwas anders aussehen. Können wir überhaupt auf den Pisten Ski fahren?
Die Wintersportdestinationen erarbeiten Konzepte, damit die Infrastrukturen auch mit den Abstands- und Hygieneregeln genutzt werden können. Da wurde schon viel Vorarbeit geleistet, und ich hoffe, dass in diesem Rahmen auch Wintersport betrieben werden kann. Und neben Skifahren gibt es ja auch andere Möglichkeiten, sich an der frischen Luft zu bewegen und sich sportlich zu betätigen und dabei die Abstandsregeln einzuhalten.

Woran denken Sie da?
Etwa ans Langlaufen, Wandern oder Schneeschuhlaufen. Und vielleicht ist auch eine Schneeballschlacht wieder mal eine ganz lustige Idee (lacht).

Wie sieht es beim Profisport aus?
Der Profisport ist von der Pandemie stark betroffen. Wir haben deshalb auch ein Hilfspaket von insgesamt 550 Millionen Franken für den gesamten Sport beschlossen. Damit tragen wir auch dem Umstand Rechnung, dass im Profibereich zahlreiche Wettkämpfe ohne Publikum stattfinden müssen und die Ticketeinnahmen wegfallen. Wenn sich die Situation nicht bessert, wird das leider noch eine Zeit lang so bleiben.

Obschon eigentlich noch erlaubt, wurden schon viele Skilager abgesagt. Sind diese bei Kindern beliebten Lager in diesem Winter möglich?
Wenn die Schutzmassnahmen eingehalten werden können, sind Lager möglich. Aber auch da muss man die Situation genau verfolgen. Wenn viele Kinder in einem Lager sind, dürfte es schwierig sein, die Hygiene- und Abstandsregeln durchzusetzen. Wenn ich mich an die Lager während meiner Schulzeit erinnere, gab es da nicht nur Schneeballschlachten, sondern auch Kissenschlachten. Und so können die Distanzregeln natürlich nicht eingehalten werden. Es braucht im Moment einfach ein sehr hohes Mass an Flexibilität, und man muss immer schauen, was möglich ist und was nicht.

Durchgeführt werden diese Lager oft von «Jugend und Sport»-Leitern. Findet in diesem Bereich überhaupt eine Ausbildung statt in diesem Jahr?
Unser Ziel ist, dass der Sportunterricht für Kinder und Jugendliche weiterhin stattfinden kann und sich weiterentwickelt. Die Leiterausbildung darf nicht einfach Pause machen. Deshalb haben wir verschiedene Massnahmen getroffen. Wenn zum Beispiel ein Wiederholungskurs für die Berechtigung als Leiter aufgrund Covid-19 ausfällt, wird die Berechtigungsdauer automatisch verlängert. Es gibt jedoch Kurse, die virtuell stattfinden, und auch praktische Ausbildungen können zum Teil durchgeführt werden. Und übrigens werden Vereine und Organisationen, die in diesem Jahr Kurse hätten durchführen wollen, ihr Geld dennoch bekommen. Sonst würden sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das müssen wir unbedingt verhindern, wenn wir die Jugendförderung nicht schwächen wollen. Denn gerade für Vereine sind solche Kurse eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Es werden in Zukunft also keine «Jugend und Sport»-Leiter fehlen?
Bei den bestehenden Leitern, die Wiederholungskurse machen müssen, sehe ich keine Probleme. Aber bei denjenigen, die dieses Jahr eine Ausbildung in Angriff nehmen wollten, wird es wohl schon einen leichten Rückgang geben. Diesen versuchen wir jedoch, soweit wie möglich, mit Onlinekursen abzudecken. Meine Hoffnung ist, dass dies keinen Einfluss auf die Kurse für Kinder und Jugendliche haben wird. Denn die J+S-Kurse sind für die jungen Menschen und auch für den Breitensport sehr wichtig.

Mit welchen wirtschaftlichen Auswirkungen rechnen Sie für die Wintersportbranche?
Das lässt sich im Moment nicht beziffern, weil es sehr stark von den Entwicklungen der Pandemie in den nächsten Wochen abhängt. Sind die von Bund und Kantonen getroffenen Massnahmen erfolgreich und kommt es zu einer Trendwende, etwa bei den Hospitalisierungen, dann ist es sicher einfacher, die Sportinfrastrukturen nutzen zu können. Après-Ski ist in diesem Winter aber sicher nicht zu empfehlen. Auch das trifft eine Branche sehr stark.

Die Armee ist nach dem Frühling wieder im Covid-19-Einsatz. Was muss bei der zweiten Welle besser werden?
Die Armee hat bei der ersten Welle gute und geschätzte Arbeit geleistet. Alle Anforderungen der Kantone konnten erfüllt werden, und wir mussten kein einziges Gesuch ablehnen. Das ist ein gutes Zeichen, und es zeigt, dass die Leute in der Armee gut ausgebildet sind. Auch die Mobilmachung – zum Teil via SMS – hat grossartig funktioniert. Das hat mich sehr gefreut. Zum Teil haben die Kantone allerdings Gesuche in einem Ausmass gestellt, in dem die Armeeangehörigen nicht immer ausgelastet waren. Das wollen wir nun verhindern, denn die Armeeangehörigen, die wir aufbieten, fehlen an ihren Arbeitsplätzen. Ich mache den Kantonen jedoch keinen Vorwurf. Die nie dagewesene Krisensituation und die Bilder aus Italien haben die Kantone dazu veranlasst, sicherheitshalber mehr Personen anzufordern, als dann tatsächlich gebraucht wurden.

Wer entscheidet, wo die Armee eingesetzt wird?
Das ist der Bundesstab für Bevölkerungsschutz, den die Direktorin des Bundesamtes für Gesundheit leitet. Die Armee bewilligt sich keine Aufträge selbst. Wir liefern, was es braucht und wofür wir einen Auftrag bekommen. Die Gesuche der Kantone werden in der zweiten Welle strenger beurteilt. Die Kantone müssen nachweisen, dass es keine andere Möglichkeit gibt als die Armee. Wir wollen der Wirtschaft nicht auf Vorrat Arbeitskräfte entziehen.

Heute unterstützt die Armee vorwiegend die vorhandenen Infrastrukturen. Sind auch Militärspitäler ein Thema?
Das ist zurzeit nicht vorgesehen. Um ein Militärspital zu betreiben, müssten wir Personen aufbieten, die bereits in Spitälern arbeiten. Das macht keinen Sinn. Die Armee soll vor Ort in den Spitälern das medizinische Personal unterstützen und so mithelfen, dass die Patienten gut betreut werden können.

Nebst Covid-19 sind auch die CO2-Emissionen ein grosses Thema. Setzt nun auch die Armee auf E-Mobilität?
Ja, immer mehr. Wir sind daran, ein Umweltkonzept zu erarbeiten, weil wir auch in der Armee weniger CO2 ausstossen wollen. Kürzlich habe ich zudem eine Weisung erlassen, damit in Zukunft im Grundsatz nur noch Elektrofahrzeuge beschafft werden. Das gilt aber natürlich nicht für Panzer und andere Fahrzeuge, die im Gelände arbeiten müssen.

Sie kommen selbst aus einem Bergkanton. Ist die Elektromobilität auch da eine Möglichkeit?
Ja sicher, unbedingt. Wir alle sind gefordert, um die Schadstoffemissionen einzuschränken. Die Anforderungen an die Leistung der Fahrzeuge sind in den Bergregionen zwar sicher höher als in einer Stadt. Aber es gibt immer mehr Elektrofahrzeuge, die auch über Vierradantrieb verfügen. Da die Vielfalt der Modelle zunimmt und diese auch günstiger werden, gehe ich davon aus, dass auf Bergstrassen bald mehr E-Autos zu sehen sind.

Text: Dino Nodari
Foto: Keystone, Gaetan Bally

«Après-Ski ist in diesem Winter sicher nicht zu empfehlen.»

Bundesrätin Viola Amherd, Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport

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