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26.11.2021

An der Schwelle zu einer neuen Mobilitätsepoche

Verkehrssoziologe Jörg Beckmann sieht in der Corona-Krise eine grosse Chance für die Mobilität von morgen.
26. November 2021

Im Interview erklärt der Leiter der Mobilitätsakademie des TCS, wie wir die Auswirkungen der Pandemie zum Vorteil für Mensch und Umwelt nutzen können.

Joerg Beckmann
«Ich sehe das grösste Potenzial in der geteilten, elektrischen und aktiven Mobi­lität.»
Dr. Jörg Beckmann, Leiter Mobilitätsakademie des TCS

Inwiefern hat die Pandemie unsere Mobilität verändert?
Jörg Beckmann: Die Pandemie verändert unsere Mobilität kurz-, mittel- und langfristig. Kurzfristig erleben wir einzelne Verlagerungseffekte von ­einem zum anderen Verkehrsträger aufgrund von temporären Massnahmen zur Pandemiebekämpfung, welche aber grösstenteils reversibel sein werden. Mittelfristig greift eine Beschleunigung von mobilitätswirksamen Trends, die bereits vor der Pandemie existierten, aber nun zusätzliche Kraft erhalten. Dazu zählt der grosse Einfluss
der Digitalisierung auf die Mobilität, der unter ­anderem mit Homeoffice und Videokonferenzen für massive Substitutionseffekte im Pendler- und ­Geschäftsreiseverkehr sorgt.

Und langfristig?
Langfristig rücken auch im Verkehrssektor Fragen nach der Resilienz und Nachhaltigkeit noch stärker in den Vordergrund. Tiefenkrisen wie
die Pandemie und der Klimawandel läuten eine neue Epoche der Mobilität ein und zwingen uns, nach Technologien und Geschäftsmodellen zu suchen, die uns auch mit weniger Verkehr und mehr ­Mobilität erfüllt leben und sinnvoll wirtschaften lassen.

Was für nachhaltige Technologien und Geschäftsmodelle könnten das sein?
Ich sehe das grösste Potenzial in jenen Lösungs­wegen, die sich einer geteilten, elektrischen und insbesondere auch aktiven Mobilität verschreiben. «Nutzen statt besitzen», «laden statt tanken» und «bewegen statt fahren» sind hier die neuen Leitprinzipien. Konkret heisst das, viel mehr Fahrten und Fahrzeuge miteinander zu teilen, alle verbrennungsmotorischen Fahrzeuge mit elektrischen zu ersetzen und so viel wie möglich Mikromobilitätsfahrzeuge wie Velos sowie E-Bikes und E-Trottis einzusetzen. Der digitale Wandel kann hier helfen, vor allen Dingen, wenn dank ihm selbstfahrende Autos künftig in den Dienst der Shared Mobility gestellt werden.

Welche Entwicklung hat Sie überrascht?
Überraschend war, wie schnell wir uns teilweise an die neue Situation angepasst und beispielsweise ebenso schöne Ferien auf heimischen ­Campingplätzen verbracht haben, ohne in den Ferienflieger steigen zu müssen. Andererseits überrascht mich, dass viele Akteure im Verkehrssektor schon früh begonnen haben, vorzurechnen, wann die Autoverkäufe, Flugbuchungen und Belegungsgrade wieder auf Vor-Corona-Niveau sein werden, ohne sich zu fragen, ob das überhaupt sinnvoll ist, und ohne die Krise auch als Chance zur Erneuerung und Veränderung zu ­begreifen – so, wie wir es auch bei einer persön­lichen Krise machen würden.

Gilt das auch für die Shared Mobility, die einen erheblichen Rückschlag erlebte?
Bei vielen der Shared-Mobility-Anbieter sind natürlich – genau wie im ÖV – mit dem ersten Shutdown die Nutzungszahlen eingebrochen. Jedoch haben die meisten dann recht schnell reagiert und begonnen, durch Angebotsinnovationen wie beispielsweise Langzeitmieten ihre Umsätze wieder hochzufahren. Ausserdem nutzten gerade die E-Trotti-Anbieter das Corona-Jahr 2020, um von den Metropolen auch in mittlere und kleinere Städte zu ziehen. Insgesamt stehen viele der Anbieter heute schon besser da als zuvor.

Das Auto gilt als Gewinner in der Pandemie. Wie kann der ÖV das Vertrauen und die einstige Belegungsrate zurückgewinnen?
Die Autoimporteure sehen das angesichts der massiven Umsatzeinbrüche in 2020 sicherlich etwas differenzierter. Als Gewinnerin im motorisierten Individualverkehr (MIV) sehe ich eher die Elektromobilität bzw. das Elektroauto mit seinen explodierenden Absatzzahlen. Was den ÖV betrifft, führt sein Weg aus dem Corona-Loch angesichts der sich rasant verändernden Verkehrswelt nur über Angebotsinnovationen. Diese müssen sowohl den durch Covid-19 ausgelösten neuen Mobilitätsroutinen der Verkehrsnutzer und -nutzerinnen etwas zu bieten haben als auch Schritt halten mit den Innovationen der neuen Akteure im Mobilitätsmarkt.

Sie nennen die Elektromobilität als Gewinnerin der Corona-Krise. Fahren wir bald nur noch elektrisch?
Die Antwort ist Ja! Das Thema ist politisch, technologisch, wirtschaftlich und alltagspraktisch durch. Meiner Meinung nach ist bis 2030 im ­Neuverkauf Schluss mit dem Verbrenner.

Mit den eCargo-Bikes von Carvelo2go haben Sie einen Mobilitätsvolltreffer gelandet. Wie ­erklären Sie sich den Erfolg der elektrischen Lastenvelos, die trotz Pandemie immer noch rege genutzt werden?
Insbesondere in den Städten ist das elektrische Lastenvelo einfach das bessere Auto. Es kostet deutlich weniger – wenn es bei uns gemietet wird, erst recht. Es ist im Stadtverkehr schneller als der traditionelle ÖV und MIV, macht viel mehr Spass, egal, ob auf oder im Velo, und schont die Umwelt. Der Weg aus der Gesundheits- und Klimakrise führt ganz klar auch über das eCargo-Bike.

Profil:
Jörg Beckmann est le fondateur de l’Académie de la mobilité du TCS, qu’il dirige depuis 2008. Il est membre de la direction de l’association Swiss eMobility. Agé de 54 ans, il est titulaire d’un doctorat en sociologie des transports et d’un diplôme en aménagement du territoire. 

Interview: Dominic Graf
Photos: TCS

Carvelo
 
Carvelo2go – ein Mobilitätsvolltreffer

Es ist ein Puzzleteil für eine ökologischere und gesündere Mobilität – und für über 27 000 Nutzerinnen und Nutzer sind die elektrischen Lastenräder von Carvelo2go schon heute die besseren Autos in der Stadt. 2015 von der Mobilitätsakademie des TCS als weltweit erste Sharing-Plattform für eCargo-Bikes ins Leben gerufen, können heute rund 360 der praktischen Velos in 80 Schweizer Städten und Gemeinden gemietet werden.

Jetzt die Carvelo2go-App herunterladen und losfahren!
Weitere Infos unter: carvelo2go.ch 

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