16.04.2019

Härte bei Alkohol am Steuer zahlt sich aus

Seit bald 15 Jahren zieht sich eine Schlinge der Prävention und Repression um den Hals angetrunkener Lenker. Mit erfreulichem Resultat.

16. April 2019

Meilensteine der Abschreckung

2016

  • Der Grundsatz der Beweiskraft der Kontrolle mittels Blutalkoholmessgerät tritt am 1. Oktober in
    Kraft. Das Gerät misst die Alkoholkonzentration in der ausgeatmeten Luft (0,25 mg/l Luft = 0,5 Promille). Die Massnahme ist vor Gericht rechtskräftig.
  • Bluttests werden nur noch bei Verdacht auf Drogenkonsum und auf Verlangen des kontrollierten Fahrzeuglenkers oder bei einer Atemwegerkrankung angeordnet.
  • Es ist anzumerken, dass diese Bestimmungen eine gewisse Lockerung erfahren haben oder sollten. Am 1. Juli 2017 wird das Totalverbot von Alkohol für die Milizfeuerwehr und die Notfalldienste ausserhalb des Bereitschaftsdienstes aufgehoben. Die Umwandlung der Regresspflicht für die Haftpflichtversicherer in ein Regressrecht wird, wie zuvor üblich, dieses Jahr noch in die Vernehmlassung gehen. Und schliesslich wird die Idee einer Alkoholwegfahrsperre verworfen, da die Massnahme in Anbetracht ihres Nutzens als zu kostspielig erachtet wird.

2015

  • Bei einem durch einen angetrunkenen Lenker verursachten Schaden müssen die Haftpflichtversicherungen Rückgriff auf ihn nehmen.

2014

  • Zweites Massnahmenpaket des Programms Via sicura, das 2013 mit der Einführung des Raserdelikts in Kraft trat. Der Konsum von Alkohol wird für Fahrschüler und Neulenker, Begleiter von Lernfahrten, Bus- und Lastwagenfahrer sowie für Fahrschullehrer verboten..
  • Tolerierter Grenzwert: 0,1 Promille. Ab dem 1. Juli sind Autofahrer, die mit einem Blutalkoholspiegel von 1,6 Promille oder mehr in eine Kontrolle geraten, verpflichtet, sich einer Befragung durch einen verkehrsmedizinischen Spezialisten zu unterziehen, selbst bei einem Erstverstoss.

2005

  • Am 1. Januar tritt der tolerierte Grenzwert von 0,5 Promille in Kraft (0,8 Promille seit 1964).

Abnehmender Alkoholkonsum und steigender Drogenkonsum bei Autofahrern

Seit bald 15 Jahren zieht sich eine Schlinge der Prävention und Repression um den Hals angetrunkener Lenker. Mit insgesamt erfreulichem Resultat, vor allem bei den Jungen.

Es war nicht wie das Erdbeben, das die Gaststätten 1910 erschütterte, als Absinth verboten wurde. Dennoch hat die Massnahme 2005 für eine gewisse Aufregung im «Apéro-Land» Schweiz gesorgt: Der tolerierte Alkoholgrenzwert wurde auf 0,5 Promille gesenkt. Eine Verschärfung, die sich ab 2013 durch die Massnahmen des 2012 vom Parlament abgesegneten Programms Via sicura weiter zuspitzte. Mit überzeugendem Resultat, trotz des Gemurres gewisser Trinkfreudiger. Ein Blick auf die Statistik des Astra zeigt, dass die Ausweisentzüge wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand seit etwa zehn Jahren rückläufig sind: 18 371 Entzüge 2010; 13 620 2017; 13 090 im letzten Jahr.

Nach der Analyse der ersten Resultate von Via sicura 2017 auf Wunsch der Ad-hoc-Kommission des Ständerates gratulierten sich die Bundesbehörden vor allem zur «Nulltoleranz», die Fahrschülern und Neulenkern sowie gewissen Gruppen von Verkehrsteilnehmern auferlegt worden war. Der Rückgang schwerer Unfälle wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss wurde bei diesen Lenker-Kategorien auf rund 35 Prozent geschätzt, wodurch jährlich das Leben von etwa dreissig Menschen gerettet oder deren körperliche Unversehrtheit bewahrt werden konnte.

Der Druck beibehalten

Damian Meier, Kommandant der Kantonspolizei Schwyz und Präsident der Verkehrskomission der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz (KKPKS), anerkennt einen deutlichen Gesinnungswandel, vor allem bei Neulenkern: «Die Bestimmung eines Lenkers, der nüchtern bleibt, ist ein bei den Jungen in der Regel akzeptierter Grundsatz. Bei älteren und erfahreneren Autofahrern ist dies weniger gewiss, weshalb der Druck aufrechterhalten werden muss.»

Damian Meier bringt die Philosophie, der die kantonalen Polizeikräfte folgen, mit einem Leitsatz auf den Punkt: «Jeder Autofahrer muss damit rechnen, kontrolliert zu werden.» Die Kontrollen werden während speziellen Präventionsaktionen verstärkt, wie etwa an den Feiertagen am Jahresende oder bei Anlässen mit Risikopotenzial wie der Fasnacht. Ihm zufolge haben diese Massnahmen ihre Wirksamkeit bewiesen.

Weniger, aber besser trinken

Als Vertreter der Interessen der Gastwirte des Wallis, einem für seine Enthaltsamkeit nicht gerade bekannten Kanton, hat André Roduit, Präsident von Gastrovalais, eine bevorzugte Beobachtungsstelle inne, um die Konsumgewohnheiten zu erforschen. Er berichtet von einer spürbaren Veränderung, Auch wenn laut ihm zwischen ansässigen und motorisierten Konsumenten zu unterscheiden ist: «Aber der Konsum von hochprozentigem Alkohol hat stark abgenommen, wie auch von Flaschenwein. Heute setzt man auf Qualität und bevorzugt Wein im Offenausschank», fasst er zusammen.

Und wie ist in diesem Kanton, in dem das Feiern in den Skiorten zum Wochenende gehört, die Jugend einzuschätzen? «Der übermässige Konsum in den Bergen ist eher ein Problem der jungen Feriengäste als der einheimischen Bevölkerung, die gewöhnlich aufpasst», beschwichtigt André Roduit.

Er erinnert an die Gastwirte, die das Jugendschutzgesetz einhalten müssen und von der Stiftung Sucht Wallis kontrolliert werden. In seinen Augen mit Erfolg: «Die Hälfte von ihnen besteht den ersten Test. Nach einer Verwarnung bestehen die anderen die zweite Kontrolle zu 98 Prozent.»

Kampf den Drogen

Während an der Alkohol-Front überwiegend Ruhe einzukehren scheint, stellt sich die Situation bei Betäubungsmitteln anders dar. Die Zahl der Ausweisentzüge wegen Fahrens unter Drogenoder Medikamenteneinfluss zeigt zwischen 2012 (2836) und 2018 (4661) eine Tendenz nach oben. «Dies ist ein neues Problem, das grössere Ausmasse annimmt», wie Damian Meier zugibt.

Die am häufigsten festgestellten Substanzen sind Cannabis und synthetische Drogen wie Ecstasy, in einem geringeren Mass Kokain und Heroin. Bei Verdacht nimmt die Polizei eine erste Überprüfung mittels Speichelprobe oder auf Basis eines strukturierten Fragebogens vor. Eine Blut- und Urinuntersuchung im Spital ermöglicht es, den Gesetzesverstoss zu beweisen. Die Prävention des Fahrens unter Einfluss von Betäubungsmitteln zeichnet sich zweifellos als zentrales Anliegen der Zukunft für die Verkehrssicherheit ab.

Text Jérôme Lathion | Illustration Nicolas Kristen

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