Einstieg ins Dauercamping

Ort, Wohnwagen, Vorbau, Ausrüstung -welche Überlegungen muss man sich machen?


Die Gründe für einen Saison-, bzw. Dauerplatz sind vielfältig. Eine Insel im Grünen, dem Überfluss oder den Alltagszwängen entfliehen oder einfach um einen Ausgangspunkt für Freizeit- und Outdoor-Aktivitäten im Wunschgebiet zu haben. 

Interessant ist auch, dass das Dauercampen heute nicht mehr eine Alterserscheinung ist. Man findet eigentlich alle Altersgruppen und Lebensformen: junge Familien, Singles, erfolgreiche Geschäftsleute, Pensionierte, etc.  

Autor: Olivier Lucy, Leidenschaftlicher Camper und Gründungsmitglied von Campingberatung.ch 

Ein Saison- bzw. Dauerplatz auf dem Wunschcampingplatz

Wer einen Dauerplatz sucht, lässt sich meist auf einem Campingplatz nieder, den er schon kennt, sofern der Campingplatz dies anbietet. Es lohnt sich aber, den Blick etwas weiter schweifen zu lassen und sich noch ein paar Überlegungen mehr zu machen. Neben den vielen persönlichen Entscheidungskriterien wie Region, Lage, etc. gibt es aber noch weitere Kriterien, welche man sich überlegen sollte.

  • Will ich nur im Sommer Campen oder möchte ich meinen Wohnwagen eventuell auch im mal Winter als Ferienunterkunft nutzen?
  • Kann oder will ich mein Hobby (Biken, Wandern, Skifahren, etc.) ab dem Camping betreiben?
  • Wie ist die Anfahrt von zu Hause? Genug nah, um spontan am Wochenende auf den Campingplatz zu fahren? 
  • Ist der Campingplatz auch mit ÖV erreichbar?
  • Da man einen Saison- bzw. Dauerplatz meist über mehrere Jahre behält: was bietet der Platz für die Heranwachsenden?
  • Will ich den Wohnwagen auch wegziehen können? Bin ich also ein Hybridcamper?
    (Hybridcamper = Camper, welche ihren Wohnwagen anstatt in eine Scheune stellen auf einem Ganzjahresplatz nutzen, den Wohnwagen aber für Wochenenden oder Urlaub zwischendurch wegziehen wollen)
  • Wie gross ist mein Wohnwagen? Was für ein Vorzelt oder der Vorbau möchte ich?
  • Wenn es ein Vorbau sein soll: Was sehen die Bau-Reglemente des Wunschcampingplatzes für Möglichkeiten vor? Gibt es Einschränkungen?
  • Wie viel Geld will ich ausgeben? Hier empfiehlt sich eine unabhängige Beratung. Je nach Standort muss das Campinggerät und der Vorbau einiges aushalten können.
  • Wenn über Winter abgebaut werden muss: Wo lagere ich das Campinggerät samt Material? 

Den gewünschten Dauerplatz finden

Nicht publizierte Dauerplätze
Oft publizieren Campingplätze gar nicht, ob sie Saison-, bzw. Dauerplätze anbieten oder nicht, fragen Sie deshalb einfach beim gewünschten Campingplatz direkt nach.

Wohnwagen oder Wohnmobil - Was ist besser geeignet für Dauercamper?

Die eigentliche Frage lautet nicht ob Wohnwagen oder Wohnmobil, vielmehr ist die Frage: Wintercamping oder nicht? Wer kein Wintercamping machen will und dies auch nie in Betracht zieht, der kann fast jedes Campinggerät nutzen. 

Da ein Dauercamping-Heim meist viel mehr genutzt wird als ein Wohnwagen oder Wohnmobil, welches nur einmal im Jahr für zwei Wochen in den Süden fährt, macht es Sinn darauf zu achten, dass die Möbel, vor allem auch die Schränke qualitativ hochwertig sind und die technischen Installationen stabil verbaut sind. Denn wenn das Campinggerät einmal aufgebockt auf seinem Platz steht und mit einem Vorbau versehen fix bleibt, kann man nicht mehr zum Fachhändler fahren, um Reparaturen und Anpassungen zu realisieren. Oder aber man verfügt über genügend handwerkliches Geschick, um bei Reparaturen und Anpassungen selbst Hand anzulegen. 

Wohnmobile auf dem Dauerplatz

Immer mehr Camper stellen ihr Wohnmobil auf einen Wintercampingplatz. Bisher traf man auf Winterplätzen hauptsächlich auf Wohnwagen. Worauf muss man also beim jeweiligen Campingheim achten?  Was macht einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil wintertauglich?  

Isolationswerte und Co.

Die Isolationswerte sind im Winter ein wichtiges Thema, denn die besten Heizung bringt wenig, wenn die Wärme durch schlechte Isolation wieder entweicht. Ein Vorzelt oder Vorbau beugt einem Wärmeverlust bereits gut vor.
Aber es gibt noch weitere, wichtige Kriterien, die beim Wintercampen zu beachten sind.  

Wintertaugliche Wohnwagen

Wintercamping - Campinggäste im Winter

Was ist ein «wintertauglicher» Wohnwagen? Fragen Sie einen Händler, sind seine Marken fast immer wintertauglich. Was heisst das aber in der Praxis? Nur dass der Wohnwagen oder das Wohnmobil den Winter gut übersteht und nicht auseinanderfällt?

Checkliste für die Abklärung ob der Wohnwagen oder das Wohnmobil wintertauglich ist:

  • Das Wassersystem kann komplett über genügend Bodenventile entleert werden. Insbesondere der Boiler und die WC-Spülung. Es kann Schäden an Wasserhähnen, WC-Ventilen oder an Schläuchen/Schlauchverbindungen geben. Unschön ist, dass man diese immer erst bemerkt, wenn das Wasser plötzlich unter dem Bett oder Schrank herausläuft. Aufwärts fliessende Leitungen ohne Entleerung darf es daher nicht geben.
  • Der Wassertank ist im Innenraum oder im Zwischenboden. 
  • Isolationswerte von Boden, Dach und Wänden: je dicker, desto besser. Meist sind die Vorbauten sogar besser isoliert als die Campinggeräte selber.
  • Heizleistung im Vergleich zur Grösse: Die Standard-Heizung kann bei - 15 °C in einem 10-Meter Wohnmobil gerne an die Grenzen kommen.
  • Heizverteilung, welche durch den Boden und somit ausserhalb verläuft, muss isoliert sein – ansonsten anpassen.
  • Standard-Fenster, die sich an die Wand des Campinggerätes andrücken weisen einen wesentlich schlechteren Isolationswert auf als die neuen, sogenannten «Rahmenfenster».
  • Be- und Entlüftungsmöglichkeiten: damit es keinen Ärger mit Kondenswasser gibt, sollte geprüft werden, ob die Boden Zuluft und Dachabluft gewährleistet ist.
  • Hinterlüftete Schränke und Fächer sind wichtig, damit kein Kondenswasser entsteht.
  • Tipp: Winterabdeckung für den Kühlschrank nicht vergessen. Der Kühlschrank schaltet sich nämlich aus, wenn er Probleme mit zu kalter Zuluft hat.
  • Das gesamte Wassersystem sollte entlang der Heizverteilung verlaufen damit die Leitungen nicht im Betrieb einfrieren. Wo dies nicht gegeben ist, sollten die Leitungen isoliert oder die Leitungen verlängert und an den warmen Heizleitungen entlang verlegt werden. Alternativ kann auch eine Rohrbegleitheizung installiert werden. Das kostet wenig, hilft aber viel.
  • Die Kaminverlängerung ist wichtig, damit der Schnee das Rauchrohr nicht verdeckt. Sonst ist der Austausch zwischen kühler Ansaugluft und warmer Abgasluft nicht mehr gegeben.
  • Noch für die Extreme: Slide-Outs sind zwar sehr cool, die ausfahrbaren und beweglichen Teile und werden aber meist nicht gesondert isoliert, zumindest bei den uns bekannten Herstellern. Daher vor dem Wintercamping genau prüfen.
  • Heizauslassdüsen bei der Tür nicht vergessen, damit das Kondenswasser rund um die Tür nicht einfriert und die Tür so biologisch abschliesst.

Speziell zu beachten bei Wohnmobilen, die zum Wintercamping in Einsatz kommen:

Der Abwassertank

Der Abwassertank von Grauwasser (also das Waschbeckenwasser, nicht das Schwarzwasser, welches im Toilettenbereich entsteht), sollte im Winter nicht genutzt werden. Der Tank kann einfrieren, wenn die kalte Luft unter dem Camper durchbläst. Ansonsten ist der Campingspass bald vorbei, wenn man kein Wasser mehr ablassen kann und der Tank voll ist. Am besten stellt man einen Eimer unter den immer geöffneten Auslass.
Auch sehr wichtig ist, dass der Tank nicht schräg steht, damit das Abwasser noch warm abfliesst und der Auslass nicht einfriert.  

Dauercamping - Tropfender und gefrohrener Abwassertank
 

Die Satellitenanlage

Die Satellitenanlage auf dem Dach ist im Winter besonders gefährdet. Wer bei 50cm Schnee auf dem Dach die automatische Ausrichtung aktiviert, beendet unter Umständen die Fernsehübertragung für den gesamten Winter. Wenn der Motor gegen die eingefrorenen Teile und/oder das Gewicht arbeitet, kann das System beschädigt werden. 

Alkoven

Man sieht viele Alkoven-Wohnmobile auf dem Winter-Campingplatz. Denken Sie aber daran: hier geht die Eiseskälte rundherum – vor allem bei kaltem Wind. Wenn die Kaufwahl noch bevorsteht, sollte man sich dessen bewusst werden und allenfalls eher ein Model mit Front-Hubbett wählen. 

Man sieht viele Alkoven-Wohnmobile auf dem Winter-Campingplatz. Denken Sie aber daran: hier geht die Eiseskälte rundherum – vor allem bei kaltem Wind.
 

Speziell zu beachten bei Wohnwagen

Wohnwagen sind heute meist etwas grösser. Nicht mehr nur 2.30m breit sondern bis 2.50m, ausserdem sind die Wohnwagen auch immer länger. Vergessen Sie nicht, dass diese Wohnwagen standardmässig dieselbe Heizung mit derselben Leistung eingebaut haben wie kürzere Wohnwagen. Daher empfiehlt es sich, auf Foren oder auch bei Profi-Campern nachzufragen, welche Heizung sie verbaut haben. Denn die Elektro-Heizungen, welche einige Wintercamper als Zusatzheizung in Betracht ziehen, sind schnell ein riesiger Kostenfaktor. Bei CHF 0.50 bis CHF 1.00 pro KW/h wird das Abenteuer Wintercamping dann dohc sehr teuer.  

Die richtige Wahl des Vorbaus

Für die einen reicht ein Winter-Vorzelt, um das nötigste zu lagern und um den Eingang geschützt zu halten. Andere wollen mehr.

Früher hatten die meisten Wintercampern meist einen Standart-Vorbau, heute sind Vorbauten schon viel luxuriöser. Eines muss bei Vorbauten auf den meisten Campingplätzen aber beachtet werden: Sie müssen nach Camping aussehen und dürfen nicht fest mit dem Boden verbunden sein, also über kein fix verbundenes Fundament verfügen (so steht es im Baureglement der Gemeinden)

Was erlaubt ist, ist von Campingplatz zu Campingplatz unterschiedlich, das Baureglement des Campingplatzes ist also entscheidend, welche Wünsche realisierbar sind oder nicht.  

Wichtige Fragen und persönliche Bedürfnisse im Vorfeld abklären

  • Wenn ich einen grossen Wohnwagen verwende, brauche ich dann noch einen grossen Vorbau? 
  • Wenn ich das Fenster des Campers freihalten möchte, kann ich den Vorbau abschrägen? 
  • Nutze ich den Wohnwagen oder das Wohnmobil später wieder auf der Strasse oder bleibt es für ewig an Ort und Stelle? Wenn der Wohnwagen oder das Wohnmobil nicht mehr bewegt wird, kann man den Innenausbau und den Ausbau des Vorbaus völlig neu gestalten.  

Den Vorbau selber bauen

Das Bauen eines Vorbaus ist keine Raketenwissenschaft. Die Preise der Lieferanten sind gemäss der Erhebung am Caravan-Salon 2018 immer noch bei CHF 20'000.- bis CHF 50'000.- für einen 6m x 3m Vorbau. Hier kann es gut sein, dass Vereine, wie zum Beispiel Campingberatung.ch, helfen, den Vorbau in Eigenregie, für wesentlich weniger Kosten, zu bauen. Allenfalls hilft auch der Camping-Club vom Camping-Platz?  

Heizen

Standard-Gasheizung und Wasser-Gasheizung

Wer die Sommersaison im Dauercamping verbringt, der macht sich nicht viele Gedanken zum Heizen. Da reicht die Standard-Gasheizung, welche auch das Vorzelt beheizen kann.

Anders ist es beim Wintercamping. Hier ist das Thema Heizen ein wichtiges Thema.

Grob kann man zwischen zwei Systemen unterscheiden: der Standard Gasheizung, welche über einen Lüfter die Warmluft mittels Schlauchsystem verteilt und der Wasser-Gasheizung, welche warmes Wasser in einem Leitungssystem an Radiatoren verteilt. Auch Bodenheizungen sind heutzutage erhältlich. Wobei das Wassersystem meist einen höheren Ausnützungsgrad des Gasverbrauches aufweist. Das bestätigen nicht nur Hersteller, sondern auch Nutzer. 

Mit Elektrizität heizen

Mit Elektrizität heizen funktioniert, hat aber zwei wesentliche Probleme, die zu beachten sind: 

  • Die Leistung: liefert die Elektroinstallation vom Campingplatz genügend Leistung? Nicht selten sind die Campingplätze aufgrund alter Installationen minimal abgesichert. In der Folge ist man derjenige, der schuld ist, dass die ganze Platz-Reihe keinen Strom mehr hat. 
  • Stromfresser: Elektroöfen sind wahre Stromfresser. Preise von CHF 0.50 bis CHF 1.00 pro KW/h sind die Regel. Läuft also ein Ofen mit 1800W Leistung während 24 Stunden, sind bei CHF 1.00 pro KW/h rund CHF 43.00 pro Tag weg. Das kann also eine teure Wintersaison werden.

Petrol- oder Dieselheizung

Eine weitere Möglichkeit sind Petrol- oder Dieselheizungen. Diese sind wesentlich günstiger im Verbrauch. Aufgrund der Leistung lässt sich bei einer 8KW Dieselheizung auch noch der Vorbau mitheizen.  

Weitere Informationen

Noch offene Fragen? Weitere Auskünfte erteilt euch auch gerne Campingberatung.ch

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