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07.05.2026

«Passiert ein Unglück, steht der TCS bereit»

TCS-Generaldirektor Jürg Wittwer nimmt im Interview Stellung zu autonomen Fahrzeugen, Drohnen und künstlicher Intelligenz.

Interview Dino Nodari
Fotos Olivier Vogelsang

Er ist überzeugt, dass es den grössten Mobilitätsclub der Schweiz auch in einer digitalen Zukunft brauchen wird.

Gibt es einen Trend in der Mobilität, von dem Sie denken, dass er aktuell zu wenig Berücksichtigung erfährt?
Jürg Wittwer: Viele Tüftler, aber auch viele Grosskonzerne forschen derzeit an kleineren und massiv günstigeren Fahrzeugen. Auf den Strassen sieht man sie zwar noch nicht wirklich, aber ich bin überzeugt, dass in Zukunft sehr günstige Ein- bis Zweisitzer, eine Mischung zwischen Auto und Motorrad, auf unseren Strassen fahren werden.

Seit 130 Jahren fährt der TCS schon auf unseren Strassen. Welche Rolle sehen Sie für den grössten Mobilitätsclub der Schweiz in Zukunft?
Rund um die Uhr helfen wir alle siebzig Sekunden jemandem irgendwo auf der Welt. Unsere Patrouilleure, unsere Rettungssanitäter, unsere Assistance-Mitarbeiter, unsere Juristen und viele weitere Mitarbeiter des TCS setzen sich tagtäglich für Menschen in Not ein. Ich bin überzeugt, dass es diese Hilfe auch in Zukunft brauchen wird. Wenn ein Unglück passiert, steht der TCS bereit. Die Arbeit wird uns garantiert nicht ausgehen.

Der TCS ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Wie sieht das im letzten Jahr aus?
2025 war wieder ein sehr erfreuliches Jahr für den TCS – mit über 34 000 zusätzlichen Mitgliedern. Man kann also sagen, dass eine gesamte Stadt wie etwa Freiburg neu Mitglied des TCS geworden ist. Aber auch ausserhalb der Mitgliedschaft haben wir uns erfreulich weiterentwickelt. TCS Camping, TCS Ambulance, TCS Training, TCS Velocorner und auch unser jüngstes Kind, die TCS-Drone, haben sich allesamt positiv entwickelt – sowie unsere neu lancierten Produkte TCS Home, TCS Home Security und TCS Notfall-Schutzbrief. 2025 war definitiv ein gutes Jahr für den TCS.

Welches Ergebnis aus dem letzten Jahr macht Sie besonders stolz?
Wir betrachten es als unsere Kernaufgabe, zu helfen, und darum freuen wir uns, wenn wir helfen können. In Zahlen ausgedrückt, haben wir im letzten Jahr wiederum über eine halbe Million Mal geholfen, und wenn ich Dankesbriefe bekomme, dann freut mich das ganz besonders.

In welchen Bereichen hat der TCS Marktanteile gewinnen können, und wo steht er unter Druck?
Unsere stärksten Marktanteilsgewinne kommen sicher aus dem ETI-Schutzbrief, dem neu lancierten Cyber-Schutzbrief und unserer Veloversicherung. Unser Erfolg sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in allen Bereichen auf starke Konkurrenz treffen. Dass wir trotzdem gewinnen, ist unseren engagierten Mitarbeitern – beim Zentralclub und in den Sektionen – und der Treue unserer Mitglieder zu verdanken.

Im Bereich der Mobilität tut sich gerade viel. Welchen Einfluss haben die zunehmende Elektromobilität und die digitalen Dienstleistungen auf das Geschäftsmodell des TCS?
Der TCS hat in seiner langen Geschichte die Entwicklungen der Mobilität nicht nur miterlebt, sondern immer auch mitgeprägt. Dieser «Pioniergeist» ist auch heute noch unser Anspruch. Darum haben wir sehr früh unsere Patrouilleure an Elektroautos ausgebildet, eine TCS-Ladekarte lanciert und einiges mehr. Auch digital sind wir Vorreiter. Wer eine Panne hat, kann heute über die TCS-App Hilfe rufen, und bis zum Ausrücken des Patrouilleurs läuft alles digital. Hilfesuchende im Ausland können wir über unsere App lokalisieren und proaktiv über mögliche Gefahren wie Vulkane oder Unruhen informieren. Hier möchte ich jedoch auch hinzufügen, dass der TCS immer eine Organisation von Menschen für Menschen sein wird. Wer in der Not lieber einen Menschen am Telefon hat, kann uns rund um die Uhr anrufen, und ein Mensch wird das Telefon entgegennehmen. Vielleicht ist das altmodisch, aber dazu stehen wir beim TCS.

Jürg Wittwer
«Wenn sich die Welt verändert, dann verändern wir uns auch.»
Jürg Wittwer, Generaldirektor TCS

Stichwort autonomes Fahren: Mit welchen Konsequenzen rechnen Sie in Bezug auf die Pannenhilfe und den TCS allgemein?
Autonomes Fahren ist die Technologie, welche immer zwanzig Jahre in der Zukunft liegt. Es wird noch eine Weile gehen, bis uns ein autonomes Fahrzeug beim Open Air auf der Wiese parkiert und am Wochenende über den Feldweg zum Ferienhaus fährt. Hingegen fahren heute bereits Tausende von Robotaxis und autonomen Shuttles, vor allem in China und den USA. Bald wird es auch einige solcher Fahrzeuge in der Schweiz geben. Als TCS sind wir hier ebenfalls dabei, unter anderem unterstützen wir das Projekt «AmiGo» von PostAuto. Unsere Fahrpiste in Derendingen wurde erst kürzlich digital vermessen, damit dort Tests für die autonomen Taxis durchgeführt werden können.

Der TCS ist auch der grösste private Anbieter von Notfall- und Krankentransporten. Welche Ziele verfolgt der TCS in diesem Bereich?Tatsächlich sind wir in den letzten Jahren im Ambulanzbereich stark gewachsen, und TCS Ambulance zählt heute 400 Mitarbeiter. Der TCS hat schon in den Vorkriegsjahren des letzten Jahrhunderts Patiententransporte gemacht, in diesem Sinne ist es eher eine Rückkehr zu unseren Wurzeln. In der Not sind wir immer vor Ort und helfen. Wir werden uns in diesem Bereich sicher weiterentwickeln, mit oder ohne Zukäufe.

In den letzten Jahren hat sich der TCS stark diversifiziert. Hat sich diese Strategie ausgezahlt?
Rund zwanzig Prozent unseres Umsatzes von 460 Millionen Franken kommen von Produkten oder Dienstleistungen, welche es vor einigen Jahren noch nicht gab. Das ist eindrücklich und wichtig für unsere Zukunft. Wenn sich die Welt verändert, dann verändern wir uns auch. Allerdings lässt sich jedes unserer Geschäftsfelder auf zwei Motivationen zurückführen: Hilfe in der Not und Stärkung unserer Mitgliedschaft. Wir sind viel kompakter, als das auf den ersten Blick erscheinen mag.

Welchen Einfluss hat KI heute schon im Arbeitsalltag des TCS, und wie gross sehen Sie diesen Einfluss in der nahen Zukunft?
Derzeit entwickelt sich die künstliche Intelligenz unwahrscheinlich schnell. Bevor man den Mund nach dem Erstaunen wieder schliessen kann, kommt schon die nächste unglaubliche Neuheit. Beim TCS arbeiten wir bereits intensiv mit KI. Das fängt bei den Übersetzungen an und endet bei der Entwicklung komplexer Algorithmen für unser digitales Marketing. Wir haben auch schon Tests mit künstlicher Intelligenz am Telefon gemacht, aber wie bereits erwähnt, da bin ich noch etwas skeptisch, ob dies wirklich der richtige Weg ist. Als TCS wollen wir eine Organisation von echten Menschen für echte Menschen bleiben.

Jürg Wittwer
Merci, TCS! Dankeskarten im Hauptsitz des grössten Mobilitätsclubs der Schweiz in Vernier.

TCS-Drohnen dürfen jetzt auch Lasten bis vierzig Kilogramm über bewohntem Gebiet transportieren. Warum denken Sie, dass die vertikale Mobilität an Bedeutung gewinnen wird?

Wir sprechen viel von autonomen Fahrzeugen und vergessen oft, dass die autonome Mobilität in der Luftfahrt schon Realität ist. Grössere Verkehrsflugzeuge können schon heute selber starten, fliegen und landen. Und letztes Jahr hat China die weltweit erste Lizenz für einen kommerziellen Lufttaxidienst mit Drohnen vergeben. Drohnen sind sicherer, günstiger und ökologischer als Helikopter. Darum sind wir beim TCS so stark an dieser Technologie interessiert. Auch hier: Der Weg ist noch weit, aber die Innovationszyklen beschleunigen sich.

Welches war Ihre schwerste unternehmerische Entscheidung als Generaldirektor des TCS?
Am schwierigsten sind immer Entscheide, welche direkten Einfluss auf Menschenleben haben – entsprechend waren dies wohl jene, welche in der Anfangsphase der Pandemie gefällt werden mussten. Damals wusste man noch nicht genau wie gefährlich Covid-19 ist, und dennoch musste der Betrieb des TCS sichergestellt werden. Allgemein gilt für mich jedoch: Nicht der Entscheid ist wichtig, sondern was man daraus macht.

Sie sind seit nunmehr zehn Jahren Generaldirektor des TCS: Wo sehen Sie den Club in zehn Jahren?
Wir sind in den letzten zehn Jahren um rund 200 000 Mitglieder gewachsen. Ich wünsche dem TCS in den nächsten zehn Jahren 300 000 neue Mitglieder und, dass wir die Zwei-Millionen-Grenze knacken!

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