





Text: Daniel Riesen
Fotos: dan, Hyundai
Kurz, schmal aber hoch. Nach diesem Rezept hat Hyundai seinen elektrischen Städtebummler gebaut. Und es funktioniert. Vier Personen sitzen nicht zu beengt, die Kopffreiheit ist vorn wie hinten gross (der Inster ist kurz und schmal, aber hoch), und die Platzverhältnisse im Fond sind schon fast fürstlich, besonders für einen Kleinwagen im A-Segment. Hinter der Rückbank hat der Elektroflitzer immer noch einen klassenüblich dimensionierten Kofferraum, wenngleich über eine hohe Ladekante zu befüllen: 73 Zentimeter sind es – der Inster wie der von uns gefahrene Inster Cross trägt SUV-Gene.
Gar nicht klassenüblich, die Variabilität: Die 50:50 geteilte Sitzbank ist um 16 Zentimeter verschiebbar, der Beifahrersitz lässt sich ebenfalls abklappen für den Transport langer Gegenstände, der Fahrersitz ebenfalls ab der zweiten Ausstattungsvariante (Matratze auslegen, fertig ist das Schlafzimmer). Mehr Platz als gewohnt gibt’s auch auf der Strasse. Kein Strässchen ist für den Inster zu eng. Und auf der Autobahn ist man der König der linken Baustellenspur, auch an breiten Brummis segelt man mit dem 1,61 Meter schmalen Cityfloh entspannt vorbei. Der Inster also glänzt im Kapitel Transport und Nützlichkeit. Und sonst?
Sonst haben sich die Konstrukteure nach der Decke gestreckt, um viel Elektrotalent in den Kleinwagen zu packen, ohne das Budget zu sprengen. Als Kunde sähe man gerne ein Einstiegsmodell für unter 20’000 Franken, doch dazu hat es nicht gereicht. 23’990 Franken lautet der offizielle Einstiegspreis (mit kleinerer 42-kWh-Batterie), die teuerste der vier Grundvarianten startet bei 33’500 Franken. Eine fünfte Version, der Inster Cross (nur in der höchsten Ausstattungsvariante Vertex erhältlich), kostet 34’500 Franken. Da braucht man für ein kleines Auto dann doch schon ein recht grosses Portemonnaie.
Im Innenraum dominiert kaum kaschierter Plastik mit teils unglücklicher Lackierung, die Funktionalität der Bedienelemente ist aber sehr gut. Grosse Tasten am Lenkrad, weitere Tasten und Schalter unten im Armaturenbrett (auch Shortcuts in Bildschirmmenüs), unter anderem für die Klimabedienung, verhindern unnötige Ablenkung. Mit Schaltwippen kontrolliert man die Rekuperation bis zum Stillstand (One-Pedal-Drive), so viel einfach bedienbare Einstellmöglichkeit ist selbst bei teureren Stromern nicht selbstverständlich. Auch einen Fahrmodusknopf am Lenkrad würde man in einem 115-PS-Auto nicht unbedingt erwarten.
Auch der Cross ist ein Stadttier mit nur einer angetriebenen Achse (Front), er bietet nicht mehr Bodenfreiheit als der normale Inster, aber robuster wirkende Stossfänger und Radläufe. Abenteuerlich wirkt auch der metallene Dachkorb (für 750 Franken). Allen Inster gemein: Mit der kastigen, aber abgerundeten sowie kleinen Gestalt sammelt er Sympathiepunkte.
In der Stadt liest man trotz winterlicher Kälte einen Verbrauch unter 16 kWh/100 km ab, 300 Kilometer Reichweite sind hier also realistisch. Auf der Autobahn stemmt sich die Reling des optionalen Dachkorbs in den Wind – Verbräuche um 22 Kilowattstunden machen einen Stopp nach allerspätestens 250 Kilometern nötig. Wo offiziell in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent mit maximal 85,3 Kilowatt geladen werden kann, sind es in der winterlichen Realität eher 40 Minuten mit einer maximalen Ladeleistung von 80 Kilowatt. Die Steckdose ist übrigens vorn angebracht, wer Bammel vor dem Rückwärtsparkieren hat, wird sich freuen.
Der Innenraum ist klassenüblich karg eingerichtet, Plastik der soliden Sorte ist in diesem Segment unvermeidlich. Einsteigen, losfahren und aussteigen könnten einfacher sein: Andere Marken zeigen, dass der «Umweg» über einen Start-Stopp-Knopf bei Stromern eigentlich unnötig ist. Keine Freude am Inster dürften die Carrossiers haben, denn der Wagen ist nicht nur klein, er ist zusätzlich mit Kameras rundum ausgestattet. Manöverschäden also sind sehr unwahrscheinlich. Zumal die Bilder der seitlichen Kameras bei Betätigung der Blinker im Fahrerdisplay angezeigt werden – eine wirklich tolle und von anderen Herstellern noch erstaunlich selten kopierte Funktion aus dem Hyundai-Kia-Konzern. Ansonsten fährt sich der Inster unkompliziert, komfortabel, in Kurven etwas wankend und bei schnellen Richtungswechseln leicht zögerlich, mit SUV-Gemütlichkeit lange tief in den Federn verharrend. Dennoch, der Inster lässt sich vergnüglich pilotieren, die Sitze dürften dafür aber mehr Seitenhalt bieten. Und: Der Wendekreis ist für einen Kleinwagen relativ gross.
Die 84,5 Kilowatt Motorleistung genügen nicht nur städtisch bestens, auch unterwegs auf der Autobahn fühlt man sich keineswegs fehl am Platz, die Antrittsstärke für das Ausnützen von Lücken im Verkehrsfluss ist ausreichend.
Daten und Preise
Hyundai Inster
Vertex Cross
Abmessungen L × B × H:
3,83× 1,61× 1,58 m;
Leergewicht: 1528kg (inkl. Fahrer), Gesamtgew. 1790 kg
Antrieb Elektromotor an Vorderachse, 84,5 kW
(115 PS); 147 Nm; Lithium-Ionen-Akku NMC, 49 kWh;
max. Ladeleistung: 85 kW
Fahrleistungen 10,6 s von
0 auf 100 km/h; Höchstgeschwindigkeit:
150 km/h; Verbrauch WLTP mixed: 14,9 kWh
Preise Ab 34'500 Franken
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