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11.08.2026

Ein Anruf, und alles kommt ins Rollen

Was geschieht, wenn auf Reisen ein medizini sches Problem auftritt? Ein Blick hinter die Kulissen der perfekt abgestimmten Hilfskette, wie der TCS, die Rega und weitere Akteure ein TCS-Mitglied in die Schweiz zurückbringen.

Text und Fotos Jérôme Burgener

Rega-TCS

Mittwoch, 4. März 2026
10:35 Einmal mehr schreitet der TCS zur Tat: In Greifswald, Norddeutschland, liegt Monika S. seit zehn Tagen im Spital. Die Sechzigjährige, in den Ferien bei ihrer Schwester, wurde am 23. Februar von plötzlichen Gesundheitsbeschwerden überrascht. An diesem Märzmorgen beschliesst sie, die Nummer der ETI-Einsatzzentrale zu wählen. Die Patientin bittet um ihre Rückführung sowie den Rücktransport ihres Privatfahrzeugs in die Schweiz, da sie aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht selbst dazu imstande ist. Ein Anruf, der eine bemerkenswerte Hilfskette ins Rollen bringt.

16:00 Der medizinische Dienst des TCS kontaktiert die Universitäts­medizin Greifswald und erhält genaue, zur Einschätzung der Durchführbarkeit des Transports unerlässliche medizini­sche Informationen.

Donnerstag, 5. März 2026
08:54 Die ETI-Case-Managerin informiert Monika S., dass die Rega für ihren Rücktransport eingesetzt wird. Erleichtert freut sie sich über die rasche Organisa­tion.

22:15 Die Flugroute für den Rücktransport wird festgelegt. Der Jet des Typs Bombardier Challenger 650 soll am nächsten Tag um 15.30 Uhr von Zürich-Kloten starten mit Ziel Rostock-Laage, wo er um 16.55 Uhr landen – und um 20.15 Uhr in Deutschland wieder abheben wird. Derweil wird ein Ambulanzwagen vom Team Rufe-Dich mit Sitz in Hesel den Transport von Rostock nach Greifswald und zurück übernehmen. Bei der Landung in Kloten soll die Patientin dann direkt im Rega-Hangar von einer Ambulanz des TCS in Emp­fang genommen und anschliessend ins Spital Lachen SZ gebracht werden.

Rega-TCS

Freitag, 6. März 2026
14:08 Der TCS kontaktiert die Patientin, um ihr den aktuellen Stand vor der Rückführung mitzuteilen. Dabei erfährt sie, dass bereits am Morgen ein Platz für sie im Spital Lachen reserviert wurde. Zeitgleich landet ein Flugzeug der Rega in Kloten, das gerade einen Patienten aus Portugal zurückgebracht hat.

14:45 Das Tagesteam versammelt sich im Besprechungsraum der Schweizerischen Rettungsflugwacht am Flughafen Kloten. Die Rega-Piloten Marco Merz und Sandro Aebischer, die Ärztin Anita Lareida und die Intensivpflegerin Carola Odermatt erhalten den Flugplan sowie Informationen zum Gesundheitszustand der Patientin. Im Raum herrscht eine hoch konzentrierte, nahezu andächtige Atmosphäre. Alle hören zu, denken voraus und machen sich bereits ein möglichst konkretes Bild von den kommenden Stunden.

15:00 Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Eine letzte Überprüfung des medizinischen Materials, die Kabine wird für die Patientin hergerichtet. Den Pflegekräften entgeht kein Detail. Auf dem Rollfeld wartet der Rega-Jet. Er wurde kürzlich aufgetankt, wodurch ein leichter Kerosingeruch in der Luft schwebt.

15:15 An Bord kennt jeder seine Aufgabe. Das Umfeld ist eine Mischung aus Flugzeugkabine und Intensivstation. Jedes Instrument ist griff- und jederzeit einsatzbereit. «Organisa tion ist unser oberstes Gebot. Wir müssen weit mehr vorausplanen als zum Beispiel in einem Spital», erklärt die Ärztin, Anita Lareida. Sie betont zudem, dass Unerwartetes zum Alltag gehört: «Die Vertrauensärzte versuchen, den Zustand eines Patienten bestmöglich einzuschätzen. Meistens ist das vollkommen richtig, doch manchmal passiert zwischen der Einschätzung und unserer Betreuungsübernahme etwas.» In solchen Fällen müssen Anita Lareida und Carola Odermatt improvisieren. Allerdings ist in einem Sanitätsflugzeug nicht alles möglich: Zum Beispiel gibt es weder einen Operationssaal noch Blut für allfällige Transfusionen noch einen Computertomografen. Daher ist es unerlässlich, einen Patienten zu stabilisieren, bevor eine Rückführung ins Auge gefasst wird.

Rega-TCS

15:30 Im Cockpit sitzen Marco Merz und Sandro Aebischer am Steuer, die Bombardier Challenger 650 hebt ab. Währenddessen startet gerade auch ein weiteres Rega-Flugzeug nach Thailand, um einen anderen Patienten zu repatriieren. Beide Piloten blicken auf langjährige Aviatikerfahrung zurück, jedoch in etwas unterschiedlichen Bereichen. Marco Merz war zuvor bei der Armee, wo er Helikopter flog. Sandro Aebischer hingegen kommt aus der zivilen Luftfahrt. Für ihn neu ist das Unvor hergesehene: «Bei einer Fluggesellschaft weiss man je nach Flugplan manchmal schon einen Monat im Voraus, wohin es geht. Bei der Rega kann es am Vorabend oder sogar erst am selben Tag sein.»

Während sich Marco Merz während des Fluges nach Norddeutschland mit den verschiedenen Fluglotsen abstimmt, schildert sein Kollege, worin für ihn die Vorteile von Kurz- und Langstreckenflügen bestehen: «Kurzstrecken sind angenehm, da man morgens zu Hause ist und abends wieder zurückkommt. An Langstrecken mag ich vor allem, dass man andere Länder und Kulturen kennenlernt.» Er fügt an, dass er seit August 2025 für die Rega arbeitet und im Winter mehr Flüge über weite Strecken hatte. Nach diesem Austausch bereiten sich die beiden Piloten bereits auf die Landung vor: Die Kommunikation mit dem Kontrollturm wird intensiver.

16:50 Der weisse Jet mit dem prägnanten Rega-Logo landet pünktlich in Rostock-Laage. Auf dem Rollfeld wartet bereits die Ambulanz der Firma Team Rufe-Dich. In der frischen Brise empfängt Geschäftsführer Andreas Pfaff das Rega-Team. Er wird den Hin- und Rücktransport zwischen dem Flughafen und der Universitätsmedizin Greifswald übernehmen. Während der Fahrt treffen Anita Lareida und Carola Odermat ihre Vorbereitungen im Fahrzeug. Bald ist es für sie an der Zeit, voll in Aktion zu treten.

18:00 Es ist bereits dunkel, als Andreas Pfaff seine Ambulanz vor der Klinik in Greifswald parkiert. Kaum angekommen, lädt er die Trage aus und bereitet sie vor, während die Pflegekräfte medizinisches Material bereitstellen. Kurz darauf macht sich das Team im grellen Licht der Spitalkorridore auf den Weg zur Patientin. Vor dem Zimmer findet ein Austausch mit dem örtlichen Personal statt, um die letzten medizini schen Werte festzuhalten und die Stabilität von Monika S. sicherzustellen. Der Transport kann beginnen. Nach der Begrüssung wird die Patientin vorsichtig auf die Trage gelegt. Sie erzählt von ihrem Unglück: Ihr Aufenthalt an der Ostsee sollte eigentlich nichts Besonderes sein. Doch am Morgen nach ihrer Ankunft verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand. «Es ging alles sehr schnell», erzählt sie. «Ich musste eine Ambulanz rufen. Sie war in weniger als zehn Minuten da.» Im Spital folgt eine Reihe von Untersuchungen. «Ich verbrachte eine Nacht auf der Intensivstation, dann wurde ich auf eine normale Station verlegt.» Inzwischen bereitet das Schweizer Team im Korridor bereits die Übernahme vor. Alles ist bereit, die letzten Kontrollen erfolgen, der Transport zur Ambulanz kann beginnen. Draussen ist es mittlerweile dunkel. Die Ambulanz steht mit offenen Türen und noch warmem Motor bereit. Die nächste Etappe beginnt: die Rückfahrt zum Flughafen Rostock-Laage, wo das Flugzeug der Rega die weitere Rückführung übernimmt.

Art

19:00 Die Fahrt zum Flughafen verläuft zügig und etwas flüssiger als auf dem Hinweg. Für das Team beginnt nun eine neue Phase: Es gilt, die Patientin unter bestmöglichen Bedingungen zum Sanitätsjet zu bringen. Nach und nach tauchen die Lichter des Flughafens wieder am Horizont auf.

20:30 Die Piloten klappen die Rampe aus, damit Andreas Pfaff und das gesamte Rega-Team die Trage mit äusserster Vorsicht in den Jet heben können. Danach macht sich das medizinische Personal daran, Monika S. auf einem der beiden Intensivbetten einzurichten. Anita Lareida und Carola Odermatt führen weitere Untersuchungen durch. Ein Snack sowie ein warmes Getränk werden serviert. Im dämmrigen Licht der Kabine setzt die Patientin ihre Erzählung ruhig und zuversichtlich fort: «Angesichts meiner medizinischen Prognose war mir rasch klar, dass ich nicht allein in die Schweiz zurückkehren konnte.» In diesem Moment stellt sich auch die Frage nach der Kostendeckung. In der Universitätsmedizin Greifswald kontaktiert das Pflegepersonal die zuständigen Stellen und überprüft die Versicherungsleistungen. Der Name des TCS wird erwähnt und nach einigen Anrufen bestätigt. «Man hat mir gesagt, dass man sich um meinen Fall kümmern würde», erzählt Monika S., «ich hatte praktisch nichts mehr zu tun. Nur ein paar Gespräche, und alles war geregelt.» Eine Überraschung für die Patientin, die erst jetzt den Umfang ihrer Deckung realisiert: «Ich dachte, es wäre nur fürs Auto. Ich wusste nicht, dass auch ich versichert bin», sagt sie mit einem Lächeln. Und weiter: «Als man mir mitteilte, dass ich in die Schweiz zurückkehren könne, war das eine grosse Erleichterung für mich. Da wusste ich, dass alles gut ausgehen würde.» Während sie sich, bestens umsorgt und in Sicherheit, mitteilt, hat der Jet bereits den norddeutschen Boden verlassen und fliegt durch das Dunkel der Nacht in Richtung Schweiz.

Rega-TCS

22:00 Das kleine Flugzeug überfliegt Zürich und landet sanft auf der Piste, bevor es in den Hangar der Rega rollt. Dort warten das Fahrzeug und das Personal von TCS Ambulance bereits auf die Patientin. Die Sanitäter und Pflegekräfte des TCS helfen Monika S., aus dem Flugzeug zu steigen und zum Fahrzeug zu gelangen. Man lächelt sich zu, tauscht nette Worte aus. Die Stimmung wird lockerer, bleibt aber weiterhin professionell und umsichtig. Nach dieser neuen Etappe strahlt die Patientin: Sie ist endlich am Ziel oder fast zumindest. TCS Ambulance übernimmt nun die weitere Betreuung, um sie ins Spi tal Lachen SZ zu bringen, rund eine Autostunde vom Hauptsitz der Rega in Kloten entfernt.

23:00 In der nächtlichen Stille des Kantons Schwyz werden die letzten Meter der Rückführungskette zurückgelegt, und Monika S. kann endlich das Zimmer beziehen, das noch am Morgen vom medi zinischen Dienst des TCS reserviert wurde. Als sich die Zimmertür hinter ihr schliesst, kehren die Sanitäter zu ihrem Fahrzeug zurück und können rückmelden, dass die Patientin wohlbehütet am Zielort angekommen ist.

Sonntag, 8. März 2026
13:42 Eine Mitarbeiterin der ETI-Einsatzzentrale kontaktiert Monika S. telefonisch – ein übliches Verfahren zur Nachfrage nach dem Befinden der Patientin und zur Sicherstellung, dass sie zufrieden ist. Am anderen Ende der Leitung zeigt sich Monika S. sehr dankbar: «Alles ist gut gelaufen, ich werde den ETI-Schutzbrief meinem ganzen Familien- und Freundeskreis ans Herz legen.»

Mittwoch, 18. März 2026
Zehn Tage später schickt Monika S. eine E-Mail an den TCS: «Vielen herzlichen Dank für meine Rückführung am 6. März. Ihr Team und jenes der Rega haben hervorragende Arbeit geleistet. Ich habe mich jederzeit sicher und in guten Händen gefühlt. Alles verlief reibungslos. Bravo!» Ausserdem teilt sie alle Informationen mit, um ihr Fahrzeug in Norddeutschland aufzufinden und so den Rücktransport durch den TCS-Chauffeur zu organisieren.

Freitag, 27. März 2026
Das Auto wird bei ihr zu Hause abgeliefert – das Ende einer Hilfe, die TCS und Partner über 1300-mal im Jahr leisten.

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