





Text Juliane Lutz
Fotos Emanuel Freudiger, Juliane Lutz, Olivier Vogelsang
Küsnacht ist eine eigenständige Gemeinde, aber so nah an Zürich, dass wir sie für den «Touring»-Badibeizentest zur grössten Stadt der Schweiz dazugenommen haben. Die Terrasse des Restaurants Sträme wirkt im Gegensatz zum kleinen Strandbad Küsnacht mit den schön gestutzten Platanen auf dem Rasen fast überdimensioniert. Doch, sobald man den Boden mit den hellen Holzplanken betritt, sich an einen der Tische mit hellblauer Platte setzt und auf den Zürichsee schaut, fühlt man sich in Ferienstimmung versetzt. Unten auf dem Wasser dümpeln die Badiflösse vor sich hin, der Sprungturm ist an dem kühlen Maitag noch leer, und ein Kursschiff fährt gemächlich vorbei. Im Sträme wird am Tisch bedient. Der freundliche Kellner aus Hamburg trägt gar eine Art Seemannskluft. Die Karte spiegelt die Nähe zur Weltstadt wider. Bei den Vorspeisen gibt es beispielsweise Swiss-Lachs-Sashimi. Die Hauptspeisen reichen von der Kalbsbratwurst mit Bürli bis zum Hiltl-Vegiburger. Bei den Desserts fallen Besonderheiten wie Bananenbrot mit Erdnussbuttermascarpone auf. Das Gleiche gilt für die Getränkekarte mit zehn Weissweinen, fünf Roséweinen und sieben Rotweinen. Einige stammen aus der Schweiz. Wer keinen Alkohol trinkt, könnte einen Heino aus grünen Äpfeln, Yuzu und Soda nehmen.
Die Testesserin bestellt einen Salatteller mit Fischknusperli aus dem Zürichsee für 29.90 Franken. Dazu einen Deziliter Blanc de Noir Schiefer aus Graubünden für neun Franken. Der Wein wird in einem echten Glas serviert und der Salat – die normale Portion ist riesig – auf einem blau-weissen Porzellanteller. Ein Papiersäckchen enthält Weissbrot. Der grüne Salat, die Peperoni- und Gurkenstückchen, die Rüeblistreifen und der Mais sind schön knackig, gekrönt von ausreichend Fisch. Die Sauce erweist sich als sämig fein. Der Cappuccino ist ausgezeichnet. Hier kommt man nach dem Schwumm kulinarisch auf seine Kosten, sollte sich allerdings etwas zurechtmachen, bevor es auf die schöne Terrasse geht.
In Zürich selbst sind der Kiosk in der Badi Utoquai mit seinen Salaten, den Plättli und der Quiche sowie die Bar Gump am Oberen Letten an der Limmat, dort gibt es Burger, Momos, Egliknusperli und mehr, empfehlenswert.
Sträme Küsnacht, Seestrasse 246, 8700 Küsnacht, tél. 044 910 95 64
Das Restaurant de la Plage & Buvette liegt am Strand. Man muss sich nur anziehen, wenige Schritte gehen und steht schon auf den Holzplanken der Buvette. Der in den See ragende minimalistische Bau aus Stahl und Glas könnte so auch in Kopenhagen stehen. Dort gibt es am Wasser ein paar Restaurants in ähnlichem Architekturstil. Die so gut wie im Freien liegende Buvette nimmt den linken Teil des Gebäudes ein.
Dort ist bereits ab morgens geöffnet, und neben Getränken werden Snacks wie Croque Monsieur, aber auch Kuchen serviert. Man hat viel Platz und einen Logenblick auf den Jet d’Eau, die Kathedrale und die Altstadt. Hier trifft sich ganz Genf auf einen Kaffee oder Drink: Studenten, ältere Paare, ja während des «Touring»-Besuchs stiess sogar eine Hochzeitsgesellschaft auf das junge Paar an. Das Restaurant besteht aus einer grossen überdachten Terrasse und einem geschlossenen Raum, der dank riesiger Glasfronten schön hell ist. Hier sieht man auf den Jachthafen nebenan und in die Buvette. Die Einrichtung ist mit schwarz gestrichenem Betonboden, schwarzen Holzstühlen, kleinen viereckigen Tischen und weissen Hängelampen minimalistisch-schick eingerichtet. Das Serviceteam besteht aus schnellen jungen Leuten. Mit vier Vorspeisen, fünf Hauptgerichten und drei Desserts ist die Karte übersichtlich. Ähnlich kurz ist die Weinkarte, Bier und Spritz gibt’s natürlich auch. Schön: Sieben Weine werden offen angeboten. Da es Salat nicht als Hauptspeise gibt, fällt die Wahl auf die Schleie aus dem Genfersee in Beurre blanc mit Yuzu für 36 Franken. Der Kellner bringt den Fishcake in der Porzellanschale und das Baguette im Metallkörbchen. Fein gehobelter roher Fenchel, Radieschenscheibchen und Blütenblätter bedecken die Schleie. Das Ganze ist köstlich und die Beurre blanc so fein, dass man am liebsten alles mit dem knusprigen Brot auftunken würde. Der Rosé de Gamay von der Genfer Domaine des Curiades ist ebenfalls sehr gut. Sympa: Der Deziliter kostet 6.50 Franken. In das Restaurant de la Plage kommen Genferinnen und Genfer gern in Freundesgruppen oder um etwas zu feiern. Dennoch ist die Atmosphäre leger.
Restaurant de la Plage & Buvette, quai Gustave-Ador 75,
1207 Genève, tél. 022 760 20 20
Die Vogel-Gryff-Fähre setzt wieder Richtung Kleinbasel über. Auf dem Unteren Rheinweg gehe Baslerinnen, Touristen und Eltern mit ihren Kindern spazieren. Auf den hinunter zum Fluss führenden Stufen sitzen Junge und Ältere in der Sonne, manche mit den Füssen im Wasser. Ein Kiesstrand ist rund zehn Minuten zu Fuss entfernt. Bäume am Rheinweg und Bäume, welche die Tische beschatten – der Gastgarten der Walther-Buvette ist eine kleine grüne Oase. Helle Stühle und Tische tragen zur sommerlichen Anmutung bei.
Die Karte gefällt. So werden achterlei Pinsa-Variationen mit Tomaten oder Crème fraîche angeboten. Es gibt auch Kalbsbratwurst, vegane Nuggets, Pommes frites oder zweierlei Salate. Schnell ist klar: Es muss der Caesar Salad mit Pouletbrust für 21 Franken sein. Bestellt und bezahlt wird an der Theke der Buvette. Die Getränke in Plastikgläsern erhält man gleich sowie einen Buzzer fürs Essen. Der Rosé aus der Provence (1 dl für 7.50 Fr.) ist schon mal gut. Auf der Getränkekarte fallen die sieben Spritz-Variationen und fünferlei Longdrinks, etwa ein Jamaican Mule, positiv auf. Mal ein bisschen was anderes. Schliesslich holt man sich den Melaminteller in der Buvette, nimmt Besteck und Servietten. Brot gibt es keines dazu. Die Portion ist ausreichend gross, und die Pouletstücke sind schön knusprig. Lattich, Parmesanspäne und Croûtons sind mit einer feinen Sauce angemacht, die angenehm wenig nach Käse schmeckt. Kein Bisschen bleibt übrig. Blick, Atmosphäre, Angebot – wen wundert es, dass die Basler ihre Walther-Buvette lieben.
Walther Bistrobar & Buvette,
Kasernenstrasse 8, 4058 Basel,
tél. 061 683 45 72
Schräg vis-à-vis vom Park des Olympischen Museums befindet sich die weiss gestrichene Bar Côté Lac. Da, wo die Liegestühle stehen, führt eine Treppe in den Genfersee. Wer hier einkehrt, blickt auf Evian und weiter bis Richtung Montreux. Ausser auf den Liegestühlen kann man sich an grösseren und kleineren Holztischen niederlassen. Auch hier arbeiten freundliche junge Leute hinter der Theke. Angeboten werden zwei Plättli, eines mit Wurst und Käse und das andere mit Mezze und Pitabrot. Letzteres wird getestet. Ausgestattet mit einem Buzzer und einem Plastikglas Rotwein, einer Assemblage mit dem Namen Velours Côtier, der Deziliter für sechs Franken, geht’s zum Tisch zurück. Letztendlich sind die viererlei Mezze – Tsatsiki, Hummus, Baba Ganoush und gefüllte Weinblätter – und das Pittabrot sehr gut. So ein Plättli für 21 Franken reicht für zwei bis drei Personen.
Der Betreiber, ein junger Gastronom, hat den Platz gut gewählt, schon allein wegen der Abendsonne. Hier treffen sich Geschäftsleute, junge Frauen zum Mojito, und in den Liegestühlen entspannen Leute bei einem Bier. Je später der Nachmittag, umso begehrter sind die Plätze.
In Lausanne sind während des Sommers einige Buvettes am Seeufer geöffnet. Empfehlenswert ist auch La Jetée de la Compagnie, mehr im Westen von Ouchy, wo man sich auf Holzplanken sonnen und Grilladen oder Pizza essen kann. Ebenfalls auf charmante Weise alternativ ist La Guinguette de Vidy, an einem Badeplatz beim Stade Pierre de Coubertin. Hier gibt’s Salate, Plättli, biodynamische Weine und vieles mehr.
Bar Côté Lac, quai de Belgique 4,
1006 Lausanne
Das Kulturzentrum und Restaurant Dampfzentrale liegt unten am Fluss und schliesst direkt an das kultige Marzilibad an.
Der ideale Ort also, um nach sportlich absolvierten Bahnen im Becken oder entspanntem Treiben in der Aare einzukehren. Der Gastgarten liegt hinter dem eindrücklichen Ziegelbau von 1904, der mal ein Dampfkraftwerk war. Der Blick fällt auf den Fluss, der nur durch einen Gehweg vom Restaurant getrennt ist. An schönen Tagen sieht man die vielen Aarefans vorbeigehen, die ein oder zwei Kilometer weiter südöstlich in den Fluss hechten und sich zum Marzilibad zurücktreiben lassen. Der Garten ist mit ein paar Bäumen, Lichterketten und Vogelgezwitscher recht lauschig.
Im bedienten Teil des Restaurants bietet die Karte mit sieben Vorspeisen, darunter Gartenerbsentatar mit Minze und Feta und Carne cruda, und neun Hauptgerichten vermutlich für alle etwas. Bern-Burger mit Fries oder ein Cordon bleu sind zu gehaltvoll. Deshalb fällt die Wahl auf im Ofen geröstete Auberginen mit Kurkumacreme, Kartoffeln, Pinien- und Granatapfelkernen. Die Portion ist üppig, das Gericht auf gute Weise orientalisch gewürzt. Fein ist auch der Pinot noir rosé vom Château de Praz, der Deziliter für 7.90 Franken. Wer sehr hungrig ist, kann unter neun Desserts wählen, etwa einem Apfel-Rhabarber-Crumble.
Die Dampfzentrale hat einen alternativen Touch, aber auch hier treffen sich alle, von internationalen Kongressteilnehmern bis zu Paaren aus Bern. Im unbedienten Teil des Gartens holt man sich Flammkuchen oder Chickenwings vom Kiosk.
Noch ein Tipp: das Aarebad im nahen Muri, auf der anderen Flussseite. Dort betreiben aus Kambodscha stammende Chinesen das Badirestaurant und bieten feine Sachen an, unter anderem Curry, gebratene Nudeln mit Reis und Ente.
Restaurant Dampfzentrale, Marzilistrasse 47, 3005 Bern, tél. 031 312 33 00
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