Low Waste Vanlife – mit dem Van nachhaltig unterwegs

Wie man auf Reisen auf einfache Weise Müll vermeiden kann


Während die Müllentsorgung in Mitteleuropa ziemlich gut funktioniert, ist dies in den meisten Teilen der Welt nicht der Fall. Was können Globetrotter tun, um auf der Camperreise keine Abfallspur zu hinterlassen? Wie kann man nachhaltig Campen?

Autoren: Die Vanabundos – Gabriella Hummel, Journalistin, und Sandro Alvarez, Marketingberater, reisen seit Juli 2016 mit ihrem VW-Bus von Nord- nach Südamerika.  

Zugemüllte Strände

Zero Waste Vanlife - nachhaltig campen

Das tiefblaue Wasser funkelt im Sonnenschein, als trieben Millionen Diamanten direkt unter seiner Oberfläche. Jeder kennt diesen ersten Blick auf das Meer nach einer langen Fahrt. Doch je näher man dem glitzernden Nass kommt, vielleicht seine ersten Schritte barfuss im Sand tut, desto besser sieht man auch den Müll: Flipflops, Zahnbürsten, PET-Flaschendeckel. Im Salzwasser mimen Plastiktüten Quallen und der Sand vermischt sich mit buntem Kleinstplastik. Diese Szene ist mittlerweile Realität in den meisten Gegenden dieser Welt - und sie findet genauso in den Bergen, im Wald und auf dem Land statt. 

Der pflichtbewusste Reisende aus dem Westen rümpft gerne mal die Nase, wenn er Einheimische sieht, die ihren Müll einfach liegen lassen oder aus dem Autofenster werfen. Doch Tatsache ist: Selbst wenn man seinen Abfall in den Eimer schmeisst, heisst das noch lange nicht, dass er auch richtig entsorgt wird. Die meisten Länder verfügen nicht über Müllabfuhren, Verbrennungsanlagen und Recyclingstationen. Wo landet der Müll dann? Auf Deponien, also in der Natur. Dort verwechseln Wildtiere und Vögel den Plastik mit Essbarem und beim nächsten Regen wird ein Teil mitgeschwemmt: in Bäche, welche in Flüssen münden, welche im Ozean münden. So kommt es auch, dass sogar Abfall, der in Städten weit weg vom Meer auf die Strasse geworfen wird, am Ende im Magen eines Thunfischs landet.

Abfall ist nicht gleich Abfall

Abfall ist nicht gleich Abfal

Es gibt jenen, der weniger schädlich ist, wenn er in der Natur landet und solchen, der einer Katastrophe gleicht. Einer der schlimmsten und gleichzeitig häufigsten ist: Plastik. Plastik zersetzt sich nicht. Plastik fällt nur auseinander und verteilt sich überall. Mit überall ist gemeint: überall. Er wird so klein, dass er vom Meeressand oder von Plankton nicht mehr zu unterscheiden ist. So landet er in unserer Nahrungsmittelkette, im Grundwasser und in unseren Blutbahnen. Man rechnet damit, dass in 35 Jahren mehr Plastik als Fisch im Meer herumschwimmt. Im Pazifik befindet sich bereits jetzt eine Müllinsel, die so gross ist wie Indien. Und das sind die 15 Prozent Abfall, die an der Oberfläche geblieben sind - 70 Prozent sinkt im Schnitt auf den Meeresgrund, der Rest wird an die Strände gespült.  

Nur weil sich der Staat daheim gut um den Abfall kümmert, heisst das nicht, dass das überall der Fall ist. Darum ist es des Reisenden Pflicht, sich unterwegs bewusst mit seinen Hinterlassenschaften auseinanderzusetzen. Wegwerfen gibt es auf dieser Welt nicht. Alles landet irgendwo, es gibt kein “weg”.

Was kann man also tun?

Ganz einfach: Müll vermeiden - so gut es geht! 

Eine erstrebenswerte Praxis, da sich so auch wunderbar und in grossem Stil Ressourcen schonen lassen. Denn was man nicht verbraucht, wird gar nicht erst neu produziert. Die Plastiktüte muss also nicht irgendwo in Asien aus dreckigem Erdöl hergestellt werden, dann einmal um die Welt fliegen, um die zwei Salatgurken für die zwanzig Minuten zwischen Supermarkt und Küche zu begleiten, um dann direkt im Müll zu landen und schliesslich tausend Jahre lang auf einer Deponie nicht zu verrotten. 

Müllvermeidung ist immer richtig und wichtig, egal ob auf Reisen oder daheim. Aber unterwegs ist die Herausforderung mit Sicherheit eine grössere. Nun einige hilfreiche Tipps, um unterwegs weniger Müll zu produzieren, worauf man achten kann und welche Vorbereitungen vor der Abreise anfallen.  

Müll vermeiden was kann man tun
 

Nachhaltig Campen - Tipps zur Müllvermeidung im Van

  • Einkaufstaschen aus Stoff immer griffbereit im Handschuhfach deponieren, in die auch der Grosseinkauf passt. Je nach Land, in dem man sich gerade befindet, lernen, wie man Bitte ohne Plastiktasche (auf Spanisch etwa: Sin bolsa, por favor) sagt. Manchmal wird man dabei etwas ungläubig oder verständnislos angeschaut, aber man gewöhnt sich daran - und es lässt sich wirklich viel Abfall vermeiden.
  • Lokal auf Märkten einkaufen und Supermärkte so gut es geht meiden. In Supermärkten ist vieles abgepackt, was man sonst offen oder deutlich minimalistischer verpackt findet. Wer viel frisches Obst und Gemüse isst, produziert nicht nur weniger Müll, sondern lebt gesünder und umweltfreundlicher.
  • Nein sagen: zu Trinkhalmen, Plastiktaschen, To-Go-Bechern, Einweggeschirr. Da man als Van-Reisender ohnehin alles dabei hat, sollte das doch ein Leichtes sein.
  • Über ein Trinkwasser- oder Filtersystem im Gefährt nachdenken. Trinkflaschen aus Plastik haben einen grossen Anteil an der Umweltveschmutzung.
  • Glas-, Papier- und Kartonverpackungen dem Plastik vorziehen. Am besten ist natürlich Unverpacktes. Solche Läden gibt es meist in grösseren Städten und lassen sich online leicht finden. In diesen Geschäften finden sich oft auch unverpackte Seifen und dergleichen. Wichtig dabei: Behälter mitführen zum Abfüllen. Das müssen nicht viele sein. Fünf bis zehn Tupperdosen oder ähnliches reichen normalerweise für Grundnahrungsmittel. Olivengläser lassen sich unterwegs leicht umfunktionieren zu Gewürzbehältern. So ist es auch leichter, Ordnung im Küchenschrank des Reisemobils zu halten.
  • Nach Plastikalternativen Ausschau halten. Wer hat schon einmal eine Zahnbürste am Strand gesehen? Jeder. Dabei gibt es mittlerweile wunderbare Alternativen zur Plastikzahnbürste - zum Beispiel aus Bambus. Selbst wenn diese ungewollt in der Natur landen sollten, verrotten sie.
  • Wie wärs mal, nicht nur keinen Müll zu produzieren, sondern sogar Minus-Müll? Ganz einfach: Spazieren, die Natur geniessen und liegengelassenen Abfall einsammeln. Jeder, der das schon einmal gemacht hat, weiss, wie in nur fünf Minuten wirklich etwas bewirkt werden kann. Alles zählt - und es fühlt sich gut an. Tipp zur Motivation: @5minutebeachclean ist ein Instagram-Account, auf dem Menschen aus aller Welt ihre fünfminütigen Sammelaktionen dokumentieren.
  • Und zu guter Letzt: Einfach nicht verrückt machen. Niemand ist perfekt. Es geht darum, das Mögliche zu tun. Es ist das Mindeste, das wir tun können. Dazu gehört auch, informiert zu sein. Ein guter Film zum Thema ist etwa Plastic Planet.
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