





Malaria gilt oft als tropische Krankheit, die für Reisende aus Europa kaum eine Rolle spielt. Doch das stimmt nicht: Auch in der Schweiz werden regelmässig Malariafälle bei Menschen diagnostiziert, die sich während einer Reise durch eine infizierte Mücke angesteckt haben.
Worauf Reisende achten sollten, warum Fieber nach einem Aufenthalt in den Tropen ein medizinischer Notfall ist und wie man sich am besten schützt, erklärt Dr. Sabine Haller, Oberärztin mbF und Leiterin Tropen- und Reisemedizin am HOCH Health Ostschweiz, Kantonsspital St. Gallen, im Interview.
Ja, auch heute werden in der Schweiz regelmässig Malariafälle diagnostiziert, etwa 300 bis 400 pro Jahr. Dabei handelt es sich um sogenannte importierte Fälle. Das bedeutet, dass sich die Betroffenen während einer Reise in einem Malariagebiet angesteckt haben und die Krankheit erst nach ihrer Rückkehr in der Schweiz festgestellt wird.
Auffällig ist dabei ein wiederkehrendes Muster: Die meisten Erkrankungen betreffen Personen, die sich in Regionen mit hohem Malariarisiko aufgehalten haben, ohne eine empfohlene Malariaprophylaxe einzunehmen. Oft fehlt zusätzlich ein konsequenter Schutz vor Mückenstichen. Beides zusammen schützt gut vor einer Infektion mit Malaria.
Besonders hoch ist das Malariarisiko in Westafrika. Generell gilt Afrika südlich der Sahara als Region mit der intensivsten Malariaübertragung weltweit.
Weitere Risikogebiete sind:
Das tatsächliche Risiko hängt vom konkreten Reiseziel, der Aufenthaltsdauer, der Jahreszeit und der Art der Reise ab.
Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Malaria sei keine ernstzunehmende Erkrankung. Tatsächlich kann sie jedoch sehr schwer verlaufen und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Gewisse Personen, zum Beispiel Kinder und Schwangere, sind besonders gefährdet.
Wichtig ist die rasche Abklärung und Therapie, damit eine Malaria möglichst ohne Komplikationen geheilt werden kann.
Das wichtigste Warnsignal ist Fieber. Wenn nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet plötzlich Fieber auftritt, sollte immer auch an eine mögliche Malariainfektion gedacht werden.
Weitere häufige Symptome sind:
Diese Beschwerden sind jedoch unspezifisch und können auch bei vielen anderen Infektionskrankheiten auftreten. Gerade deshalb ist es wichtig, bei Fieber nach einer Tropenreise schnell medizinische Hilfe zu suchen.
Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet wird als medizinischer Notfall betrachtet, weil eine Malaria sehr schnell sehr schwer verlaufen kann. Ohne rasche Diagnose und Behandlung können innerhalb kurzer Zeit schwere Komplikationen auftreten.
Zudem gibt es neben Malaria noch weitere, seltenere, aber ebenfalls potenziell schwere tropische Infektionskrankheiten, die mit Fieber beginnen können. Eine rasche medizinische Abklärung ist deshalb entscheidend.
Typischerweise treten die ersten Symptome innerhalb weniger Wochen nach der Infektion auf. Viele Erkrankungen beginnen deshalb bereits während der Reise oder kurz nach der Rückkehr.
In selteneren Fällen kann eine Malaria jedoch auch Wochen oder Monate nach der Rückkehr auftreten. Deshalb ist es wichtig, Ärztinnen und Ärzten auch noch lange nach einer Reise mitzuteilen, dass man sich zuvor in einem Malariagebiet aufgehalten hat.
Malaria wird durch Parasiten verursacht, die sich im menschlichen Körper schnell vermehren. Sie befallen rote Blutkörperchen und damit auch verschiedene Organe. Dadurch kann es zu schweren Störungen im gesamten Organismus kommen. Komplikationen können beispielsweise das Gehirn, die Nieren oder andere lebenswichtige Organe betreffen.
In den meisten Fällen lässt sich Malaria bei frühzeitiger Diagnose gut behandeln. Es stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, die die Parasiten im Körper abtöten.
Dennoch kann es auch bei rechtzeitiger Behandlung zu schweren Krankheitsverläufen kommen, insbesondere bei bestimmten Malariaformen. Umso wichtiger ist eine möglichst schnelle Diagnose.
Ja, Rückfälle sind möglich. Sie können auftreten, wenn die ursprüngliche Infektion nicht vollständig behandelt wurde. In solchen Fällen können Parasiten im Körper verbleiben und später erneut Symptome verursachen.
Grundsätzlich sollten sich alle Reisenden vor einer Reise in ein Malariagebiet reisemedizinisch beraten lassen.
In einer solchen Beratung wird individuell beurteilt:
Dabei werden Faktoren wie Reiseroute, Aufenthaltsdauer, Unterkunftsart und persönliche Gesundheitsfaktoren berücksichtigt.
In Regionen mit einem hohen Risiko für schwere Malaria wird eine medikamentöse Malariaprophylaxe empfohlen. Diese Medikamente sind sehr wirksam und werden normalerweise gut vertragen. Welche Prophylaxe für welche Reise geeignet ist, wird im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung festgelegt.
Eine sehr wichtige Komponente beim Schutz vor Malaria ist ein konsequenter Mückenschutz. Dieser schützt zusätzlich auch vor anderen von Mücken übertragenen Infektionen.
Dazu gehören:
Grundsätzlich ist der wichtigste Rat für jede Reise in südliche Länder: Konsequenter Mückenschutz. Dieser schützt nicht nur vor Malaria, sondern auch vor zahlreichen anderen Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden. Dazu gehören beispielsweise Dengue, Chikungunya, Zika und weitere Infektionen, die in vielen tropischen Regionen vorkommen.
Wer sich effektiv vor Mückenstichen schützt, reduziert gleich sein Risiko für mehrere Infektionen – und leistet damit den wichtigsten Beitrag zu einer gesunden Reise.
Der Begriff «Paludismus» stammt vom lateinischen palus, was «Sumpf» bedeutet. Lange Zeit brachte man die Krankheit mit sumpfigen Gebieten in Verbindung, in denen sie besonders verbreitet war. Der Ausdruck «Malaria» hingegen kommt aus dem Italienischen mala aria — wörtlich «schlechte Luft». Vor der Entdeckung der Rolle der Mücken ging man nämlich davon aus, dass die Krankheit durch die schlechte Luft feuchter Regionen verursacht wird.
Heute weiss man, dass «Paludisme» durch infizierte Mücken übertragen wird, doch diese beiden historischen Bezeichnungen sind im allgemeinen Sprachgebrauch erhalten geblieben. Im Deutschen wird in medizinischen und offiziellen Kontexten eher der Begriff Malaria verwendet, während «Paludisme» vor allem im Französischen gebräuchlich ist.
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