Die Testmethodik wurde im Vergleich zu 2022 nur behutsam weiterentwickelt. So kamen zusätzliche Bewertungspunkte am Riemen und am Verschlusssystem hinzu. Dazu zählen der Mikroschlupf, also ein unerwünschtes Verstellen der Verschlüsse während der Fahrt, der Rütteltest an den seitlichen Gurtteilen (Dreieck) bei geöffnetem Kinnriemenverschluss sowie die Prüfung, ob sich Verschlussteile unbeabsichtigt lösen können. Auch bei der Handhabung wurden die Kriterien angepasst: Der Sitz des Helms, insbesondere ob er drückt und das Verrutschen beim Anpassen werden nun stärker gewichtet. Denn nur ein Helm, der gut sitzt und nicht unangenehm drückt, wird am Ende auch tatsächlich getragen.
Die 16 Kindervelohelme im Test bieten zwar grundsätzlich genügend Schutz, um das Verletzungsrisiko im Ernstfall deutlich zu reduzieren, doch gibt es bei jedem Modell Kritikpunkte, sodass kein Helm ein sehr empfehlenswertes Gesamtergebnis erreichen konnte.
- Kein einziger Fahrradhelm kommt über eine empfehlenswerte TCS-Bewertung hinaus
- Viele Kritikpunkte wären seitens der Hersteller einfach abzustellen
- Testsieger ist der Lazer Nutz 2.0 KinetiCore
- Sieben Helme sind bei der Sichtbarkeit im Dunkeln nur bedingt empfehlenswert, drei sogar nicht empfehlenswert
- Gurtbänder lassen sich schwer einstellen oder lockern sich beim Rütteltest
- Gute Nachricht: Bei den Helmen wurden keine bedenklichen Schadstoffe festgestellt
Eines vorweg: Alle getesteten Helme sind sicher. Ihre wichtigste Aufgabe, den Kopf bei einem Sturz vor schweren Verletzungen zu schützen, wird von allen Helmen erfüllt, auch wenn es im Detail noch Verbesserungspotential gibt. Da der Unfallschutz mit 55% in die Gesamtbewertung einfliesst, hat er den grössten Einfluss auf die Gesamtbewertung.
Im Vergleich zum letzten Test von Kinderfahrradhelmen im Jahr 2022 – damals erreichten immerhin fünf Modelle ein sehr empfehlenswertes Gesamtergebnis – schnitt der beste Helm diesmal nur mit der Bewertung empfehlenswert (56%) ab. Der Grund: Bei allen getesteten Helmen gab es Auffälligkeiten, die ein besseres Ergebnis verhinderten. Wenig Innovationskraft: Sowohl bei den Stossdämpfungseigenschaften als auch bei Ausstattung sind kaum Weiterentwicklungen feststellbar.
- Der Helm von POC zeigt gemeinsam mit den Helmen von Puky und Fischer die schlechtesten Ergebnisse bei den Stossdämpfungseigenschaften. Zu überzeugen wussten hingegen die Helme von KED, Cratoni und Specialized mit guten Ergebnissen im Bereich „Schutz vor Kopfverletzungen“.
- Beim Schutz vor Kopfverletzungen zeigt sich, dass der Schläfenbereich nach wie vor die grösste Schwachstelle bei den Stossdämpfungseigenschaften darstellt. Aus diesem Grund wurde ab der Bewertung empfehlenswert eine gleitende Abwertung eingeführt. Das bedeutet: Liegen die Bewertungen im Bereich empfehlenswert oder nur geringfügig darunter, wirkt sich das nur leicht negativ auf das Gesamtergebnis aus. Je schlechter die Bewertung jedoch ausfällt, desto stärker greift der Abwertungseffekt.
- Das beste Modell im Test, mit der Gesamtbewertung empfehlenswert (56%) Ist der Lazer Nutz 2.0 KinetiCore. Mit seinen 49 Franken ist er ein eher günstiges Modell und bietet einen guten Unfallschutz. Aufgrund der ungenügenden Sichtbarkeit im Dunkeln reicht es jedoch auch für dieses Modell nicht für ein besseres Gesamtergebnis.
- Testverlierer sind der Abus YouDrop sowie der Urban Active von Melon, die beide nur ein bedingt empfehlenswertes Gesamtergebnis erzielen. Besonders die Stossdämpfung im Schläfenbereich fällt schwach aus und zeigt deutlichen Verbesserungsbedarf. Auch beim Gurtsystem gibt es Probleme: Die Gurtenden sind nicht gesichert, wodurch sich einzelne Verschlussteile lösen können. Zudem lockern sich die seitlichen Gurtteile, wenn der Helm beim Transport am Riemendreieck getragen wird. Dadurch müssen sie vor jedem Gebrauch erneut eingestellt werden. Beim Melon-Helm kommt ein weiteres Manko hinzu: Ein Mikroschlupf am Gurtband bzw. am Verschluss führt dazu, dass der Gurt während des Fahrens regelmässig nachgestellt werden muss. Eine schlechte Sichtbarkeit im Dunkeln beim Abus sowie ein schlechter Tragekomfort beim Melon tragen ebenfalls dazu bei, dass beide Modelle die letzten Plätze im Test belegen.
- Eine einfache Möglichkeit, beim Unfallschutz zu punkten ist eine bessere Sichtbarkeit im Dunkeln. Im Test gibt es dafür einige überzeugende Beispiele: Besonders die mit Reflexionsstreifen versehenen Gurtbänder zeigen einen sehr starken Effekt. Ein aktives Licht ist grundsätzlich sinnvoll, muss jedoch vor der Fahrt eingeschaltet werden, um seinen Zweck zu erfüllen. Häufig werden solche Rücklichter mit Knopfzellen betrieben, die nach dem Entladen ausgetauscht werden müssen. Beim Helm von Specialized ist das jedoch nicht möglich: Die Batteriezellen des integrierten Rücklichts lassen sich nicht wechseln, ohne das gesamte Licht zu beschädigen. Als gutes Beispiel zeigt sich das Modell von Cratoni. Die LED-Beleuchtung ist über einen USB-C-Anschluss wieder aufladbar, somit sehr nachhaltig. Keine Sichtbarkeit im Dunkeln zeigten neben dem Modell von Bell auch die Helme von Decathlon und Uvex. Nur eine bedingt empfehlenswerte Bewertung erreichten in dieser Kategorie die Modelle von Abus, Alpina, Cube, Lazer, Giro, KED und Specialized. Das ist kaum nachvollziehbar, zumal sich die Sichtbarkeit mit einfachen Mitteln deutlich verbessern liesse.
- Beim Gewicht der Helme zeigen sich deutliche Unterschiede: Der schwerste Helm im Test, das Modell von Bell, bringt 397 Gramm auf die Waage – fast doppelt so viel wie der leichteste in der Schweiz erhältliche Helm Giro – Scamp II mit nur 205 Gramm. Das hohe Gewicht kann für die Nackenmuskulatur eines Kindes auf Dauer sehr belastend sein.
- Für den Praxistest wurden sechs mitfahrende Kinder und sechs selbstfahrende Kinder gemeinsam mit ihren Eltern einbezogen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass neben dem Komfort vor allem die Passform des Helms entscheidend ist. Viele Hersteller decken mit ihren Modellen nur einen begrenzten Kopfumfang ab. So ist der Helm von Decathlon beispielsweise erst ab einer Kopfgrösse von 52 cm erhältlich, während der Giro-Helm nur bis zu einem Kopfumfang von 53 cm angeboten wird.