Megacasting aus der Schweiz
Bestandteil der neuen Technologieplattform ist auch die Konstruktion der Karosserie. Der hintere Unterboden entsteht im Megacasting, einem in der Branche viel diskutierten Thema. Üblicherweise besteht der Unterboden aus etwa hundert Komponenten. Im Megacasting, ein in den USA geprägter Marketingbegriff, wird flüssiges Aluminium unter Hochdruck und in Millisekunden in eine grosse Form gegossen. Megacasting spart Gewicht, Montageschritte und damit Geld, dürfte dafür Nachteile bei der Reparierbarkeit haben. Die riesigen Anlagen für die Fabrik in Torslanda, Schweden, liefert der Schweizer Technologiekonzern Bühler.
Technologisch up to date sind auch Softwarearchitektur und die Batteriebauweise als Cell-to-Body. Im Vergleich zu den Mitbewerbern transferiert Volvo Hightech zurückhaltender ins Aussendesign und in den Innenraum. Aussen dominieren Grossflächigkeit und klare Linien. Das Interieur atmet skandinavische Schnörkellosigkeit und verzichtet auf horizontumspannende Bildschirmlandschaften. Der Minimalismus wird unter anderem erkauft durch den Verzicht auf haptische Elemente. Wer Knöpfe, Schalter und Walzen liebt, ist im EX60 falsch. Typische Beispiele sind die Einstellung von Seitenspiegel- und Lenkradposition über Bildschirm und Knöpfe (hier dann doch) am Lenkrad. Allerdings: Hat man’s einmal verstanden, ist das nicht umständlicher als mit konventionellen Lösungen.
Leben mit dem EX60 bedeutet, in einer Oase der Ruhe zu fahren. Kaum ein aktuelles Auto gleitet dermassen geräuschlos daher. Die Bedienung ist wohl digital, doch die Sprachbedienung über den KI-Assistenten Gemini hat viel Potenzial. Die Raumverhältnisse für Fondpassagiere sind feudal. Die Motorisierung der Variante P10 bietet hohe Leistungsreserven, die Wartezeiten an der Ladesäule sind dank 800-Volt-Plattform erfreulich kurz.
Text: Daniel Riesen