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Luzerner Verkehrspolitik auf Abwegen

Ab Frühling 2014 ist die rechte Fahrspur auf der Pilatusstrasse für Busse reserviert. Wer mit dem Auto zum Bahnhof oder KKL will, muss über den Bundesplatz und die Zentralstrasse fahren. Der TCS kritisiert diese Massnahme und vermisst eine koordinierte städtische Verkehrspolitik.

In der Stadt Luzern soll die Busspur in der Pilatusstrasse verlängert werden. Gleichzeitig wird das Abbiegen für den motorisierten Individualverkehr (MIV) von der Pilatusstrasse Richtung Bahnhof und KKL aufgehoben. Autofahrer sollen neu via Obergrundstrasse, Moosstrasse, Bundesplatz und Zentralstrasse zum Bahnhof gelangen. Das neue Verkehrsregime wird im Frühling 2014 umgesetzt. 

Probleme verlagern, aber nicht lösen

Die TCS Sektion Waldstätte hat grösste Vorbehalte gegenüber diesen Plänen. Zwar wird die Ver-längerung der Busspur in der Pilatusstrasse im Grundsatz befürwortet, da eine konsequente Ent-flechtung von ÖV und MIV erstrebenswert und diese Massnahme Teil des Agglomerationsprogramms ist, an dem der TCS aktiv mitgewirkt hat. «Wir stören uns aber an der damit verbundenen Absicht, dass Autofahrer nicht mehr via Pilatusstrasse zum Bahnhof und KKL gelangen sollen, sondern via Bundesplatz», sagt Alex Mathis. Der Geschäftsführer der TCS Sektion Waldstätte befürchtet, dass durch die Verlagerung des Verkehrs insbesondere die Moosstrasse, der Bundesplatz und das Tribschenquartier künftig übermässig belastet und zentrale Brennpunkte nicht entschärft werden.

Neue heikle Knoten

Im Zusammenhang mit dem neuen Verkehrsregime bestehen für den TCS zahlreiche Kritikpunkte. «Die Moosstrasse als Teil eines Wohnquartiers würde zu einer neuen Transitachse werden. Die Bewohnerschaft wäre massiv mehr Verkehr, Lärm und Abgasen ausgesetzt», befürchtet Mathis und liegt damit auf einer Linie mit dem Quartierverein Hirschmatt-Neustadt. Weiter verleitet die Einfahrt von der Moosstrasse in die Bundesstrasse Richtung Bundesplatz bereits heute zu gefährlichen Ma-növern. «Mit Mehrverkehr würde sich die Situation zusätzlich verschärfen und nicht gelöst», ist Alex Mathis überzeugt. Eine weitere Befürchtung betrifft den Mehrverkehr auf der Zentralstrasse. Ein Rückstau würde den Verkehr in alle Richtungen rund um den Bundesplatz blockieren. Gleichzeitig ist mit einer Zunahme des Schleichverkehrs im Gebiet Langensand und Tribschenstadt zu rechnen. 

Problemzone Fussgängerstreifen

Aus Sicht des TCS ist mitunter der Fussgängerstreifen vor dem Bahnhofhaupteingang eine ernstzu-nehmende Problemquelle und mitverantwortlich für den fehlenden Verkehrsfluss im Gebiet Bahnhof. Die Ampel am Fussgängerstreifen führt zu Rückstau, der sich rasch auf die Pilatusstrasse, die Zent-ralstrasse und den Bahnhofplatz auswirkt. Die Stadt ist sich der Problematik bewusst und verspricht sich durch das neue Verkehrsregime eine Verbesserung, da der Verkehr an diesem Knoten besser koordiniert wird. Dies soll auch im Bereich Bundesplatz geschehen, der ab Dezember 2013 umge-staltet wird, also bevor die Busspur an der Pilatusstrasse verlängert wird. Ziel ist es, dass der Bun-desplatz mit verschiedenen Massnahmen für Fussgänger, Velofahrer und Automobilisten sicherer wird. Insbesondere für Autofahrer soll der Bundesplatz einfacher und übersichtlicher werden. Die Stadt will die Verkehrssituation vor, zwischen und nach den beiden Massnahmen mittels Monitoring beobachten und wo nötig nachbessern. 

Fehlen einer Gesamtvision

Die Kritik des TCS richtet sich nicht nur gegen das geplante neue Verkehrsregime, sondern gegen die aktuelle städtische Verkehrspolitik insgesamt. In der Wahrnehmung des TCS fehlen eine gesamtheitliche Strategie und die Koordination von Massnahmen. Ein Gesamtkonzept ist nicht spürbar, das auch dringende Fragen etwa zur Car-Problematik am Schwanenplatz oder die Auswirkungen einer verkehrsarmen Bahnhofstrasse einbindet. In Frage gestellt wird die städtische Verkehrspolitik auch von André Bachmann, der bei der City-Vereinigung für das Ressort Rahmenbedingungen und Politik zuständig ist: «Der Stadtrat beruft sich unter anderem auf die Mobilitätsstrategie und das Gesamtverkehrskonzept. Beides ist aber noch nicht beschlossen, ja noch gar nicht im Grossen Stadtrat diskutiert. Hier werden Fakten geschaffen, bevor die Gesamtstrategie beschlossen ist.» Damit die Cityvereinigung eine Strategie mittragen könnte, «müssten wir am Prozess beteiligt wer-den», sagt Bachmann. Die Cityvereinigung anerkennt die Notwendigkeit, den ÖV zu stärken, steht Busspuren aber kritisch gegenüber, «weil sie Strassenzüge und teils ganze Stadtteile zu sehr zer-schneiden». In Bezug auf die durchgehende Busspur an der Pilatusstrasse hat die Cityvereinigung vor allem grösste Bedenken, «dass die Knotenpunkte Moosegg und Bundesplatz diese Verkehrs-verlagerungen bewältigen können.»

Ernüchterung macht sich breit

Im Gespräch mit Stadtingenieur Martin Bürgi (Seite 6) zeigt sich, dass die Stadt sehr wohl über ent-sprechende Strategiepapiere verfügt. Im Sommer hat der Stadtrat eine Mobilitätsstrategie verab-schiedet. Diese ist auf die Gesamtplanung 2014-2018 abgestimmt und basiert auf dem Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität, das die Stimmbevölkerung 2010 gutgeheissen hat. Dieses Reglement will den Langsamverkehr und den öffentlichen Verkehr fördern und den motorisierten Individualverkehr plafonieren. Zudem gibt es ein Gesamtverkehrskonzept Agglomerationszentrum Luzern, das in der Mobilitätsstrategie als eine Massnahme in der Teilstrategie MIV/Gesamtverkehr aufgeführt ist. Die verlängerte Busspur in der Pilatusstrasse wiederum ist eine erste Massnahme dieses Gesamtverkehrskonzepts. «Seit zwei Jahren wurde von diesem Gesamtverkehrskonzept gesprochen. Entsprechend hoch waren und sind unsere Erwartungen», sagt Alex Mathis. «Es ist klar, dass nicht alle Massnahmen gleichzeitig umgesetzt werden können. Aber wir hätten uns vor der Realisierung der ersten Massnahme gewünscht, dass das Gesamtverkehrskonzept mit allen angedachten Massnahmen öffentlich wird und wir, eben weiteren Anspruchsgruppen, unsere Erfah-rung als Mobilitätspartner einbringen können.» 

Forderung nach Bypass und Spangen

Die Mobilitätsstrategie definiert kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen. Das übergeordnete Projekt Bypass und die Spangen Nord und Süd sollen gemäss dem Papier als langfristige Massnahme bis 2035 realisiert sein, sofern sie den MIV, bezogen auf das Stadtgebiet, absolut und relativ nicht erhöhen. «Der TCS würde sich diesbezüglich wünschen, dass die Stadt Luzern die übergeordneten Projekte mit derselben Vehemenz vertritt wie einzelne kurzfristige Massnahmen.» Bis die Grosspro-jekte Bypass und Tiefbahnhof realisiert werden, braucht es andere Massnahmen, um den öffentlichen Raum aufzuwerten und die steigende Nachfrage im Bereich Mobilität zu bewältigen, ohne dass sich die Verkehrsflächen im Stadtraum vergrössern. Alex Mathis will die Entwicklung weiterhin genau beobachten und sich für alle Mobilitätsformen stark machen. «Dazu gehört insbesondere auch der MIV. Auch er soll in der Stadt Luzern funktionieren können. Zu einseitige Massnahmen bringen nicht den gewünschten Erfolg», ist der Geschäftsführer der Sektion Waldstätte überzeugt.

TCS-Sektion Waldstätte & Kontaktstelle Luzern
Burgerstrasse 22, Postfach 7991
6000 Luzern 7
Telefon +41 41 228 94 94
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