Was tun bei Sonnenbrand oder Verbrennungen?

Welche Soforthilfe-Massnahmen es gibt und wann Sie besser zum Arzt oder zur Nothilfe gehen.


Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern), zum Thema Hautverbrennungen. 

Herr Exadaktylos, wie unterscheidet man Verbrennungen und welche erste Schritte unternimmt man?
Ein Sonnenbrand wird beispielsweise als Verbrennung ersten Grades bezeichnet. Verbrennungen mit Blasenbildung gehören den Verbrennungen zweiten Grades an. Und Verbrennungen, die das Gewebe glasig weiss oder schwarz färben, sind Verbrennungen dritten Grades. Alle haben gemeinsam, dass man die betroffene Körperstelle vorsichtig kühlen sollte, da es einen so genannten «Afterburn-Effekt» gibt.

Was bedeutet das?
Die Verbrennung geht in tiefere Hautschichten weiter, auch wenn es keine direkte Hitzeeinwirkung mehr gibt. Sauberes kühlendes Wasser oder saubere, feuchte Tücher eignen sich am besten, um die Stelle abzudecken, zu kühlen und den ersten Schmerz zu lindern. Das Wasser sollte vor allem bei grösseren Verbrennungen nicht allzu kalt sein, da es durchaus zu Unterkühlungen kommen kann. Bei Verbrennungen ersten Grades helfen Cremes und Salben aus der Apotheke. Bei «offenen» Verbrennungen bitte keine Salben und Cremes verwenden, da diese die Beurteilung erschweren.

Sollte man Brandblasen belassen oder entfernen?
Ich empfehle, die Blasen zu belassen. Da die Blasenhaut (oberste Hautschicht einer verbrannten Stelle) einen Schutz für das freigelegte Gewebe darunter darstellt, ausser diese ist zu stark verschmutz. Enthält eine Blase viel Flüssigkeit und stört dies den Betroffenen, so kann man die Blase mit einer sterilen Nadel punktieren und die Flüssigkeit ablassen. Danach sollte die Wunde schützend und sauber abgedeckt werden.

Wann muss man zum Arzt oder auf den Notfall?
Zuerst sollte man sich ein allgemeines «Bild» machen: Wo ist was, wie tief und wie stark verbrannt. Die Handfläche entspricht ca. einem Prozent der Körperoberfläche. Bei grossflächigen Verbrennungen sollte sofort der Rettungsdienst kontaktiert und über Ausdehnung, Lokalisation und Tiefe informiert werden. Alle Verbrennungen jenseits des Sonnenbrandes, alle Verbrennungen bei Kindern sowie Verbrennungen im Bereich des Gesichtes, der Hände, Gelenke sowie der Intimzonen sollten unbedingt von einem Arzt gesichtet werden.

Warum ist das so wichtig?
Aufgrund des «Afterburn-Effekts» kann eine definitive Diagnose bezüglich der Tiefe und Ausdehnung der Verbrennung erst nach 24 Stunden gestellt werden. Das kennen wir vom Sonnenbrand, welcher auch erst am Folgetag so richtig «aufblüht». Verbrennungen mit Blasenbildung sind offene Wunden, deshalb sollte ein Tetanus-Impfschutz bestehen.

Welche Verbrennungen sind die schlimmsten?
Das kann man nicht pauschal sagen, denn es kommt nicht nur auf die Ausdehnung, sondern auch auf die Tiefe und den Ort der Verbrennung an.

Können Verbrennungen lebensbedrohlich werden?
Ja, natürlich. Auch hier sind Ort und Ausdehnung massgebend. Verbrennungen des Nasen- Mundbereiches können zu akuten Atemproblemen führen, obwohl nicht viel Haut verbrannt ist. Unsere Haut ist eines der wichtigsten und grössten Organe des Menschen, über welches wir nicht nur «atmen», sondern auch unsere Temperatur regulieren und vieles mehr. Verbrennt es grossflächig, so kann man dadurch sterben.

In Filmen sieht man häufig, wie sich Brennende am Boden wälzen, um Flammen zu löschen.
Das ist Unfug aus Hollywood. Durch das Umherwälzen pressen sich nur noch mehr verbrannte Textilien und möglicherweise auch anderer Schmutz in die Wunde. Brennt ein Textil, so sollte man sofort versuchen, es abzuziehen oder mit einer Wolldecke und/oder Wasser zu löschen. Es klingt etwas spiessig, aber wer mit Kohle und Feuer hantiert, sollte unbedingt auch dafür sorgen, dass man für den «Ernstfall» gerüstet ist.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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