Sommernotfälle

Warum wir im Sommer den «kühlen Kopf» verlieren.


Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern), zum Thema Sommernotfälle.

Herr Exadaktylos, im Sommer herrscht auf den Schweizer Notfallstationen Hochbetrieb. Mit welchen Unfällen oder Krankheiten sind Sie auf Ihrer Notfallstation in dieser Zeit besonders konfrontiert?
Jede Jahreszeit hat ihre Besonderheiten. Der Sommer bringt neben allen anderen leider nicht vermeidbaren Krankheiten und Unfällen Jung und Alt in besonderem Ausmass auf die Notfallstationen. Das reicht von Unfällen an Open-Air-Konzerten bis zu Problemen aufgrund von Hitze bei Seniorinnen und Senioren. Da im Sommer auch viele Hausärzte in den Ferien sind, werden wir besonders gefordert, aber das machen wir gerne, damit sich unsere Kolleginnen und Kollegen auch einmal erholen können.

Es gibt ja bekanntlich keine «schlauen Unfälle», aber wie können Ihrer Ansicht nach Unfälle im Allgemeinen verhindert werden?
Der Sommer bringt seine Strahlen auf unsere Haut, lässt unsere Hormone ausschlagen, leider lassen uns diese manchmal auch etwas übermütig werden. Das trifft auf alle Altersklassen zu. Die Sonne und die Wärme lassen uns ab und zu leichtsinniger werden und unseren normalerweise «kühlen Kopf» verlieren, im wahrsten Sinne des Wortes. «Schlaue Unfälle» gibt es keine, manchmal heisst es einfach: «dumm gelaufen».

Oft rückt die Ambulanz aus und erkennt vor Ort lediglich einen Bagatellfall – z.B. eine Prellung oder eine Migräne. Wann soll man die Ambulanz rufen und wann nicht?
Die Ambulanz wird immer über die Notrufnummer 144 nach Prüfung des Notfalls an den Unfallort geschickt. Die Dispatcher in den Zentralen sind sehr erfahren und es wird nur dann ein Rettungswagen geschickt, wenn der Bedarf dafür vorhanden ist. Stellt sich später im Spital heraus, dass alles nur halb so schlimm war, dann sind wir alle sehr froh. Das sind eigentlich gute Nachrichten. Bestellt jedoch jemand eine Ambulanz unter Angabe falscher Fakten, weil man eventuell zu viel getrunken hat und ein billiges Taxi sucht, dann macht man sich strafbar. Da versteht das Gesetz keinen Spass, weil genau diese Ambulanz dann unter Umständen bei einem lebenswichtigen Einsatz fehlt.

Welche Impfungen sollte man im Sommer unbedingt prüfen und allenfalls machen oder auffrischen?
Das kommt darauf an, wohin man reist. Am besten lässt man sich bei seinem Hausarzt beraten. Ein absolutes Muss ist jedoch der Wundstarrkrampf.

Auf den Notfallstationen stehen überall Desinfektionsspender – warum sind die so wichtig?
Um sich selber vor Keimen zu schützen, welche auf Notfallstationen vorhanden sind, aber auch um Patienten vor Erregern zu schützen, welche an unseren Händen kleben. Deshalb muss man immer vor Betreten und bei Verlassen der Notfallstationen die Hände gut desinfizieren. Vor allem, wenn man sich im Ausland behandeln lassen muss. Desinfektionsgels oder -sprays gibt es günstig in jeder Apotheke.

Ist die Sommergrippe genau so gefährlich wie die Grippe im Winter?
Es ist eine ernstzunehmende Grippe, verläuft in der Regel jedoch milder.

Lesen Sie hierzu das Interview zum Thema Sommergrippe:
Warum die Sommergrippe kein Sommermärchen ist.

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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