Schnittwunde

Kleine Ursache mit grosser Wirkung.


Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern), zum Thema Schnittwunden.

Herr Exadaktylos, kann man sich durch eine kleine Wunde eine Blutvergiftung einfangen?

Leider ja, kleine Ursache mit grosser Wirkung. Auch kleine Wunden können Eintrittspforten für aggressive Erreger sein und ausgedehnte Infektionen verursachen. Ein gutes Beispiel sind Handverletzungen: Ein kleiner «schmutziger Splitter» kann zu einer komplexen Infektion von Finger, Hand und Arm führen.

Hilft es, auf den Finger zu drücken, damit mehr Blut herauskommt und die Wunde so besser gespült werden kann?

Drücken, Saugen, Ausglühen oder andere Anregungen aus diversen «Abenteuerfilmen» sind nicht wirklich hilfreich. Spülen mit sauberem Leitungswasser hilft am besten.

Wenn man sich zum Beispiel beim Schwimmen eine blutende Wunde zuzieht, sollte man dann nicht mehr ins Wasser gehen, auch wenn die Blutung gestoppt ist?

Es kommt immer auf die Grösse, Tiefe und Lokalisation an. Mit einer tiefen Fleischwunde am Fuss würde ich nicht wieder ins Wasser gehen, da diese noch weiter verschmutzt und aufgeweicht werden könnte. Ausserdem fängt es dann gleich wieder an zu bluten, da sich die Schicht geronnenen Blutes auflöst.

Kann man im Gegensatz zum See gefahrlos mit einem kleinen Schnitt im Finger ins Meer gehen? Man sagt ja, dass Salzwasser desinfiziert?

Ja das kann man, aber Vorsicht Haie. Spass beiseite, auf die richtige Konzentration des Salzes kommt es bei der Desinfektion an. Diese sollte bei 0,9 Prozent liegen. Meerwasser ist für die Wundbehandlung zu hochkonzentriert.

Geht auch Speichel?

Speichel ist tatsächlich eine Wunderflüssigkeit mit verschiedenen heilenden Effekten. Allerdings denke ich, dass es bei grösseren Wunden wohl zu viel Speichel bräuchte, um die Heilung zu unterstützten. Und ja, es sollte der eigene Speichel sein.

Was, wenn man kein Pflaster hat?

Wenn die Wunde stärker blutet, kann man ein sauberes Stück Baumwollstoff etc. nehmen. Keine Cremes oder Salben verwenden, das erschwert die Beurteilung der Wunde.

Wann sollte man wegen einer Schnittwunde auf den Notfall oder zum Arzt?

Dies kann man nicht so einfach beantworten. Jeder von uns hat sich schon einmal geschnitten und kann beurteilen, ob es «schlimmer als normal» ist oder nicht. Stark blutende oder klaffende Wunden, Wunden im Gesicht oder an anderen heiklen Stellen des Körpers, Verletzungen an Händen und Füssen mit einem Verlust von Gefühl oder Kraft, oder bei Verdacht, dass sich ein Fremdkörper in der Wunde befindet, sollten auf jeden Fall einem Arzt gezeigt werden. Auch ältere Schnittwunden, welche nicht gut heilen oder entzündet sind, sollten unbedingt untersucht werden.  

Braucht jeder Mensch eine Tetanusimpfung?

Ja, diese schützt uns vor dem potentiell tödlichen Wundstarrkrampf. Die Auffrischimpfungen empfehle ich alle 10 Jahre. Bei Kindern berät gerne der Haus- oder Kinderarzt.  


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital Bern

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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