Intimkrankheiten

Falscher Scham kann schwere Konsequenzen mit sich ziehen, sowohl für sich als auch für den Partner.


«In der Tat sehen wir auf der Notfallstation immer häufiger Patienten jeglichen Alters mit sogenannten sexuell übertragbaren Erkrankungen», sagt Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern).

Herr Exadaktylos, wir sind heute so gut aufgeklärt wie nie, warum sind Geschlechtskrankheiten dennoch weitverbreitet?
Sie verbreiten sich wieder. Ich selbst war ein Jugendlicher der 80iger – dies war das Jahrzehnt, in dem das HI-Virus jedem bekannt wurde. Alle kannten die Bilder von AIDS-Patienten im Endstadium. Sogar Modeketten «warben» damals mit solchen Schockbildern. AIDS ist eine Krankheit, die erst viele Jahre später behandelt werden konnte, wenn auch immer noch nicht geheilt werden kann. In dieser Zeit wurde sehr viel über Prävention gesprochen und die «Angst» erledigte den Rest. Aber die Angst hat sich in den letzten Jahren etwas verflüchtigt und die Menschen sind eventuell wieder etwas abenteuerlustiger geworden. Der Tod als möglicher ultimativer Preis für ein gewagtes erotisches Abenteuer ist weniger präsent als früher. Gleichzeitig ist heute Sexualität in Gesellschaft und Medien sehr verbreitet, aber die Aufklärung über Erkrankungen weniger. Das ist eher «igitt». 

Wie schützt man sich am sichersten?
Indem man nachdenkt und seinen gesunden Menschenverstand walten lässt. Schützen sie sich und «planen» Sie, wenn Sie zum Beispiel in den Ausgang oder Urlaub gehen. Aber auch mit den gängigen Methoden gibt es keinen 100-prozentigen Schutz, das weiss auch jeder, aber jede Art von Schutz ist besser als kein Schutz. Nicht zu vergessen: Auch in treuen Paarbeziehungen kann es zum Beispiel zu Übertragungen von Bakterien und Infektionen kommen, das hat nichts mit Untreue zu tun. Viele Partner schämen sich dann, zum Arzt zu gehen. Das ist falsch. 

Welches sind die häufigsten Geschlechtskrankheiten?
In der Tat sehen wir auf der Notfallstation immer häufiger Patienten jeglichen Alters mit sogenannten sexuell übertragbaren Erkrankungen (Sexual Transmitted Diseases). Zu unterscheiden sind die eher kurzfristigen, vor allem durch sonst nicht sehr gefährliche Bakterien hervorgerufene Erkrankungen, welche wie gesagt auch in stabilen Paarbeziehungen auftreten können. Meistens kommt es hier zu Entzündungen, welche mit Antibiotika gut behandelt werden können. Wichtig: Beide Partner müssen behandelt werden, um den sogenannten «Ping-Pong-Effekt» zu verhindern. Dann gibt es zum Beispiel virale Erkrankungen wie Hepatitis B oder warzenbildende Viren, welche initial keine oder wenige Probleme machen, aber langfristig die Grundlage für grössere Probleme oder sogar Krebs sein können. Dann haben wir noch die komplizierten Erkrankungen wie Gonorrhoe. Diese Erkrankungen müssen behandelt werden, um Schäden im Körper zu vermeiden. Ja, und dann natürlich das HI-Virus. Dies ist leider nur eine kleine Auswahl. Für alles gibt es eine Therapie, aber nicht alles ist heilbar. Im Ausland treten auch immer mehr Erkrankungen auf, welche durch die gängigen Antibiotika nur schwer oder gar nicht zu behandeln sind. Das ist ein grosses Problem.

Wann muss man zum Arzt?
Sobald man merkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Falscher Scham kann schwere Konsequenzen mit sich ziehen, sowohl für sich als auch für den Partner. Viele Spitäler, wie auch das Inselspital (Infektiologie), haben anonyme Anlaufstellen für Personen, die eine schnelle und unbürokratische Beratung und Behandlung wünschen. Mediziner und Pflegende zeigen nicht mit dem Finger, sondern reichen eine helfende Hand – auch bei sexuell übertragbaren Erkrankungen.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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