Höhenkrankheit

Wer hoch hinaus will, begibt sich oft auch in Gefahr.


Dr. med. Monika Brodmann Mäder, Leitende Ärztin Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern), mahnt zur Vorsicht.

Frau Brodmann Mäder, wie ereignen sich Personenunfälle in den Bergen?
Stürze und Abstürze sind seit vielen Jahren die häufigsten Ursachen für einen Unfall in den Bergen. Dies zeigt die Bergnotfallstatistik des Schweizer Alpen Clubs eindrücklich auf. Gründe für solche Stürze gibt es viele: Gerade die Wanderunfälle, die mit jährlich über 1000 Notfällen in dieser Statistik den grössten Teil der Bergnotfälle ausmachen, sind häufig durch Stolpern oder Ausrutschen bedingt. Schuld daran ist leider oft eine nicht angepasste Ausrüstung. Ich habe gerade letzthin im Berner Oberland eine Frau mit Stöckelschuhen auf einem Bergweg angetroffen. Es sind also – zumindest in der Schweiz – weder die Bergsteiger noch die Kletterer, die den grössten Teil der Verunfallten ausmachen.

Spielt die Höhenkrankheit dabei eine Rolle?
Die höhenbedingten Erkrankungen spielen bei uns eine kleine Rolle beim Auslösen eines Sturzes. Dies ist in grosser Höhe anders – und damit meine ich Höhenlagen über 4000 oder 5000 Metern: Bei den Höhenbergsteigern kommt es immer wieder zu Abstürzen, weil sie wegen einer schweren Höhenkrankheit nicht mehr sicher gehen, die Sehschärfe eingeschränkt ist oder sie sogar Halluzinationen haben und von einer Stimme aufgefordert werden, in den Abgrund zu springen.

Mit welchen Symptomen macht sich die Höhenkrankheit bemerkbar?
Bei den höhenbedingten Gesundheitsstörungen, wie der offizielle Ausdruck ist, muss man drei Erkrankungen auseinanderhalten. Die leichte Form ist die akute Bergkrankheit. Sie äussert sich mit Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit und Abgeschlagenheit oder Schwäche. Sie kann schon in der ersten Nacht in einer hochgelegenen Hütte auftreten. Berüchtigt für dieses Problem ist beispielsweise die Mönchsjochhütte auf 3657 Metern Höhe in der Jungfrau-Region, wo die Bergsteiger dank der Bahn zu schnell zu hoch steigen. Die Bergkrankheit an sich ist unangenehm, aber noch nicht gefährlich. Sie kann aber in eine lebensgefährliche Krankheit übergehen, welche wir in der Schweiz glücklicherweise selten sehen. Diese sind das Höhen-Hirnödem und das Höhen-Lungenödem. Beide Krankheiten entwickeln sich über wenige Tage, sind akut lebensbedrohlich und müssen sofort behandelt werden. Und die wichtigste Behandlung heisst absteigen!

Muss man die Wanderung bei Höhenkrankheit sofort abbrechen?
Die akute Bergkrankheit ist unangenehm aber per se nicht gefährlich. Die Kopfschmerzen können mit einem leichten Schmerzmittel angegangen werden. Ein sofortiger Abstieg ist nicht nötig, aber jemand mit einer Bergkrankheit sollte nicht weiter aufsteigen. Wenn die Symptome nach einem Tag Ruhe auf der gleichen Höhe nicht weg sind oder die Symptome sich verschlimmern, muss die Tour abgebrochen werden. Stellen sich Symptome einer schweren Erkrankung ein wie Gleichgewichtsstörungen, Gangunsicherheit, eine Störung des Bewusstseins oder massives Erbrechen sowie schwere Atemnot, darf keine Zeit mehr verloren werden: Der Abstieg muss sofort und möglichst rasch erfolgen, und gleichzeitig sollte der Patient Sauerstoff und spezifische Medikamente erhalten.

Wie behandelt man eine Höhenkrankheit?
Die einzige kausale Behandlung ist der Abstieg! Da alle höhenbedingten Erkrankungen durch das reduzierte Sauerstoffangebot in der «dünnen» Luft verursacht werden, kann Sauerstoff gegeben werden oder ein Abstieg mithilfe eines Überdrucksacks simuliert werden. Nebst der symptomatischen Behandlung des Kopfwehs bei der Bergkrankheit gibt es mehrere Medikamente, die vor allem die schweren Erkrankungen behandeln.

Wie kann man die Höhenkrankheit verhindern?
Das Zauberwort heisst Akklimatisation. Eigentlich wird jede Person krank, wenn sie zu schnell zu hoch geht. Vor allem die Übernachtungshöhe ist von Bedeutung: Für längere Touren in grosser Höhe gilt: Die Schlafhöhe sollte pro Nacht nicht mehr als dreihundert Meter grösser sein als die Nacht zuvor. Tagsüber kann man gut über einen hohen Pass gehen oder auch einen Gipfel besteigen, aber nachts muss man aufpassen, dass man nicht zu hoch schläft. Und wenn wir mehrere Tage unterwegs sind und immer höher gehen, sollten wir immer wieder einen Ruhetag einlegen, bei dem wir zweimal auf der gleichen Höhe schlafen. Die Akklimatisation fängt generell ab einer Schlafhöhe über 1800 Metern an. Mehrere Nächte in Saas Fee, Pontresina oder am Steingletscher stellen zum Beispiel bereits einen solchen Stimulus dar.

Gibt es gar eine medikamentöse Prophylaxe?
Es gibt mehrere Medikamente, die prophylaktisch gegeben werden können. Das bekannteste ist das Diamox (Acetazolamid). Es stimuliert die Atmung, hat aber die Nebenwirkung, dass es wassertreibend ist. Wird nicht genügend Flüssigkeit getrunken, besteht das Risiko einer Dehydrierung. Das Blut, das durch die Höhe bereits dicker als normal ist, wird nochmals eingedickt, womit die Gefahr von Thrombosen steigt. Eine medikamentöse Prophylaxe sollte nur speziell anfälligen Personen, die regelmässig und schon ab 2500 Metern höhenkrank werden, vorbehalten sein oder in Situationen, wo eine vernünftige Vorbereitung mit korrekter Akklimatisierung nicht möglich ist – beispielsweise bei einem Flug direkt in grosse Höhe (La Paz, Lhasa usw.).

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit den Experten vom Inselspital (Universitätsspital Bern) realisiert.

www.insel.ch

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