Barrierefreies Camping

Das Campingabenteuer ist auch möglich für Menschen mit Bewegungsbehinderung


Ferien auf dem Campingplatz sind etwas tolles, man ist draussen in der Natur, völlig frei von einem festgelegten Zeitplan, man ist unabhängig und die Atmosphäre ist sehr ungezwungen.

Auch für Menschen mit körperlicher Behinderung ist diese Art Ferien zu machen befreiend: man kann die Anreise selber organisieren und so mühelos anreisen. Der Tagesablauf kann individuell gestaltet und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden, da man an keine festen Zeitabläufe wie es in Hotels der Fall ist (wie das Servieren von Mahlzeiten, Zimmer reinigen, etc.) gebunden ist.

Viele Campingplätze haben diese Bedürfnisse entdeckt und bieten Menschen mit körperlicher Einschränkung barrierefreie Unterkünfte und achten vermehrt darauf, dass auch der Campingplatz und die Sanitärgebäude barrierefrei zugänglich sind.

Mittlerweile gibt es grosszügige barrierefreie Bungalows, die schöne und erholsame Ferien für die ganze Familie bieten. Die Zimmer sind mit Pflegebetten ausgestattet, Badezimmer mit barrierefreier Dusche und WC, die Küchenzeile ist unterfahrbar und man kommt überall bequem mit dem Rollstuhl durch die breiten Türen und kann sich im Bungalow frei bewegen.
 

Campingferien für Menschen mit Bewegungsbehinderung

Thomas Erne, Geschäftsleiter Stiftung Cerebral

Interview mit Thomas Erne, Geschäftsleiter der Stiftung Cerebral 
Interview von Dominic Graf, Redaktor Touring

Thomas Erne, Geschäftsführer der Stiftung für das cerebral gelähmte Kind, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben von Menschen mit einer Behinderung zu erleichtern. Wir stellen ihm ein paar Fragen zum Thema „Camping für Menschen mit Bewegungsbehinderung“. 


Herr Erne, was ist eine cerebrale Lähmung?
Eine cerebrale Bewegungsbehinderung ist die Folge einer Beeinträchtigung des Gehirns, entstanden vor, während oder kurz nach der Geburt. Je nach Schweregrad kann zudem das Spüren, Sehen, Hören oder Sprechen beeinträchtigt sein. In gewissen Fällen kann auch eine Epilepsie auftreten.


Warum engagieren Sie sich speziell für behindertengerechte Campingplätze?
Unser Ziel ist die gesellschaftliche Inklusion von behinderten Personen. Auf einem Campingplatz herrscht eine natürliche, unkomplizierte Atmosphäre. Viele unterschiedliche Menschen treffen sich dort und verbringen Zeit zusammen – gute Voraussetzungen also, um Berührungsängste abzulegen.

Wie soll man sich einer behinderten Person gegenüber verhalten?
Es ist wichtig, zu wissen, dass ein Mensch mit Behinderung gar nicht viel anders ist als «gesunde» Menschen. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben. Es ist auch absolut erlaubt, zu fragen, ob man ihnen richtig begegnet. Man sollte sich darüber nicht den Kopf zerbrechen, sondern einfach und natürlich auf sie zugehen.

Je nach Behinderungsgrad kann der Kontakt aber schon schwierig sein…
Klar, manchmal ist beispielsweise die Kommunikation nicht einfach. Aber auch da gibt es Möglichkeiten. Wie gesagt, am besten einfach auf behinderte Menschen zugehen. Oftmals helfen Eltern oder andere Betreuungspersonen auch bei der Verständigung. Sie werden staunen, welch spannende Erfahrungen und Einsichten sich daraus ergeben können.

Mittlerweile haben Sie bereits den dritten TCS-Campingplatz mit barrierefreien Bungalows ausgestattet. Sind noch weitere Massnahmen geplant?
Auf jeden Fall! Wir planen, jährlich mindestens einen Campingplatz mit solchen Bungalows auszurüsten. Die grosse Nachfrage bestätigt auch, dass wir damit ein grosses Bedürfnis befriedigen. Zudem engagieren wir uns auch in kleinen Projekten wie beispielsweise behindertengerechten See- und Poolzugängen oder schwellenlosen Eingängen für Camping-Shops.
 

Reise-Tipp

TCS Camping Buochs am Vierwaldstättersee

Thomas Erne, Geschäftsleiter von der Stiftung Cerebral empfiehlt Ferien auf dem TCS Camping Buochs am Vierwaldstättersee 

Gönnen Sie sich eine erholsame Zeit weg vom Alltag auf dem TCS Camping in Buochs am Vierwaldstättersee. Neue, fixfertig und bedürfnissgerecht eingerichtete Bungalows erwarten Sie dort. Die Bungalows sind so konzipiert, dass man sich auch mit einem Rollstuhl frei bewegen kann. Es gibt eine schöne, barrierefrei zugängliche Terrasse, spezielle Pflegebetten, ein behindertengerechtes Bad und eine unterfahrbare Küchenzeile.

Als besonderes Highlight bietet die Kanuwelt Buochs, gleich neben dem Campingplatz, in Zusammenarbeit mit Cerebral für Menschen mit Behinderung speziell ausgestattete Spezial-Kajaks. Eine professionelle Instruktion erhalten Sie gleich vor Ort. 


TCS Camping Buochs am Vierwaldstättersee

Kanufahren barrierefrei
 

Ein Erlebnisbericht - fast normale Campingferien

Barrierefreie Campingferien

Camping mit einem schwerbehinderten Menschen – geht das? Und ob! Dank barrierefreier Bungalows können auch diese Personen naturnahe Ferien erleben. So wie die Familie Alpiger auf dem TCS-Camping Sempach. 

Eine Reportage von Dominic Graf, Redaktor Touring

Susanne und Titus Alpiger sind ein eingespieltes Team. Routiniert und doch liebevoll heben sie ihre Tochter Melanie aus dem Pflegebett in den Rollstuhl. Melanie ist cerebral gelähmt, kann weder sprechen noch gehen oder feste Nahrung aufnehmen. Täglich wenden die Eltern morgens bis zu zwei Stunden auf, um die 19-Jährige für den Tag fertig zu machen, sprich, füttern, duschen, anziehen. Kommuniziert wird über Ja-und-Nein-Fragen: ein A-Mund bedeutet ja, ein Ö-Mund nein. Trotz oder vielleicht gerade wegen Melanies schwerer Behinderung strahlen sie einen starken Zusammenhalt aus; sie wirken glücklich und zufrieden. Und doch unterscheiden sie sich sehr von «gewöhnlichen» Familien. Das zeigt sich spätestens, wenn die Alpigers in die Ferien gehen.

Hotel? Sehr mühsam!

«Ein Aufenthalt in einem normalen Hotel ist für uns kaum möglich», sagt Titus Alpiger. «Wir sind auf eine spezielle Infrastruktur angewiesen: Pflegebett, behindertengerechte Dusche, rollstuhlgängige Türen und so weiter», ergänzt ihn seine Frau. Deshalb hätten sie sich für den Aufenthalt auf dem TCS-Campingplatz in Sempach (LU) entschieden. Im barrierefreien Bungalow findet die Familie genau die Einrichtung, die sie braucht. Zudem bieten die schöne Lage am Sempachersee, die zahlreichen Freizeitmöglichkeiten sowie die Nähe zu ihrer Heimatstadt Luzern ideale Voraussetzungen für einen angenehmen Aufenthalt. Melanie macht sehr gerne Ausflüge, vor allem am Zugfahren hat sie ihre helle Freude. Sogar eine Pedalo-Fahrt auf dem See oder eine Rutschpartie mit einem Sommerrodel gehören zum Ferienprogramm. Mit den richtigen Massnahmen und Hilfsmitteln ist doch einiges möglich. Ein weiterer Grund, weshalb sich die Alpigers auf diesem Campingplatz wohlfühlen, sind die freundlichen, zuvorkommenden Mitarbeitenden. 

«Wenn wir etwas brauchen, geben sich die Leute hier wirklich Mühe, unseren Bedürfnissen gerecht zu werden. Auf unseren Wunsch wurde sogar ein Seitengitter am Pflegebett installiert », schwärmt Susanne Alpiger. Auch deshalb kommen sie immer wieder gerne nach Sempach. Bereits zum dritten Mal verbringen sie ihre Ferien hier.

Behindertengerechte Camping- Romantik

Auf dem Campingplatz Sempach stehen zwei barrierefreie Bungalows zur Verfügung. Weiter gibt es einen auf dem TCS-Camping Bern-Eymatt, zwei in Flaach am Rhein und weitere sind geplant. Die von der Stiftung Cerebral gespendeten Mietunterkünfte verbinden das Flair von Camping-Romantik mit der Alltagstauglichkeit für beeinträchtigte Menschen.
Von aussen lässt nur die Rollstuhlrampe erahnen, dass es sich um behindertengerechte Bungalows handelt. Erst der Blick ins Innere zeigt, dass es spezielle Behausungen sind: Extrabreite Türen, gut eingeteilte Räumlichkeiten, Pflegebetten sowie rollstuhlgängige Dusche, Toilette und unterfahrbare Küche. Insgesamt bieten die Bungalows Platz für bis zu fünf Personen. Optimale Bedingungen, sich frei und praktisch zu bewegen. Die Errichtung der Bungalows ist Teil des Projekts «Camping Schweiz». Damit reagiert die Stiftung Cerebral auf den Wunsch von behinderten Menschen und ihren Angehörigen nach Ferien in der Natur, den sie aber aufgrund der Beeinträchtigung kaum realisieren können. Künftig sollen schweizweit weitere TCS-Campings mit barrierefreien Unterkünften ausgestattet werden. Die Stiftung Cerebral beteiligt sich dabei massgeblich an der Finanzierung.

 

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