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Velo-Routenplaner für Gelegenheitsfahrer

 
 

Immer mehr Menschen über 50 steigen aufs E-Bike um – für Freizeittouren ebenso wie zunehmend für Wege in der Stadt, die früher mit dem Auto zurückgelegt wurden. Viele dieser neuen E-Bike-Fahrenden sind aber ungeübt und fühlen sich im Verkehr unsicher. Für diese Zielgruppe kann eine Navigations-App den Unterschied machen zwischen einer sicheren Route und einer, die unnötige Risiken birgt – vorausgesetzt, die App wählt tatsächlich die sichere Strecke und macht das auch erkennbar. Der TCS hat deshalb sechs verbreitete Apps und Datenquellen auf zwei grundverschiedenen Teststrecken geprüft: einer alltäglichen Stadtstrecke mit freier Adresseingabe und einer bereits feststehenden Freizeit-Velotour.

Testergebnisse

Navigations-Apps im Test
  • Getestet wurden Google Maps, Apple Maps, Komoot, OsmAnd, Bikemap sowie SchweizMobil als Referenz.
  • Bikemap führt den Gesamtvergleich am konsequentesten an – Rang 1 im Stadttest, Rang 2 auf der Velotour, in der kombinierten Bewertung mit deutlichem Abstand vorne.
  • OsmAnd und Komoot liegen insgesamt nahe beieinander auf den Rängen 2 und 3, schöpfen ihre Stärken aber in unterschiedlichen Situationen aus – OsmAnd im spontanen Stadtverkehr, Komoot bei der fixfertigen Tour.
  • Google Maps fällt in beiden Tests zurück; auffällig ist insbesondere, dass die App wiederholt Streckenabschnitte ohne Veloinfrastruktur wählt, wo andere Apps sicherere Alternativen fanden.
  • SchweizMobil (nur als Referenz getestet) und Apple Maps (mit Testproblemen belastet) sind je nur in einer Disziplin vertreten.

Auf den untersuchten Strecken erzielten Bikemap, OsmAnd und Komoot insgesamt die besten Ergebnisse. Die Aussagekraft ist dabei bewusst einzuordnen: Getestet wurden nur zwei Strecken (eine Stadtroute, eine Freizeittour), beide in der Region Bern durch eine einzelne Testperson – die Rangfolge ist deshalb nicht ohne Weiteres auf andere Regionen, Routen oder Testbedingungen übertragbar.

Methode

Jede Route wurde in einzelne Strassenabschnitte zerlegt und nach Sicherheit klassiert (von A – dedizierter Veloweg – bis D – Hauptstrasse ohne Veloinfrastruktur). Aus Länge und Klasse jedes Abschnitts ergibt sich ein Sicherheits-Score pro Kilometer, der gewichtet mit Konfigurierbarkeit bzw. Bedienungskomfort und den Jahreskosten in eine Gesamtnote einfliesst. Diese wird in Prozent des Maximalwerts ausgedrückt und nach einer einheitlichen Skala in ein Prädikat übersetzt (von «nicht empfehlenswert» bis «hervorragend»). Weil Stadttest und Velotour unterschiedliche Anforderungen an eine App stellen, wurden sie mit eigens darauf abgestimmten Kriterien und Gewichtungen bewertet; für die App-übergreifende Gesamtbewertung wird zusätzlich der Rang aus beiden Testrunden gemittelt.

Test in der Stadt

  • Bikemap
    Bikemap wählt auf der gesamten Teststrecke fast durchgehend Quartierstrassen und Tempo-30-Zonen (Klasse B) und meidet Hauptverkehrsachsen praktisch vollständig – einzige Ausnahme ist ein kurzes Stück Morillonstrasse (Klasse D, 300 m) gleich zu Beginn der Route. Auffällig ist zudem, dass die App in der Altstadt bewusst über schmalere, ruhigere Gassen (u. a. Nägeligasse, Kornhausbrücke) statt über die naheliegende Hauptstrasse führt – ein Muster, das sich mit dem hohen Sicherheitswert (2.23 Punkte/km) deckt.
  • SchweizMobil
    Hinweis: SchweizMobil liess sich auf der Stadtstrecke nicht sinnvoll testen (keine freie Adresseingabe) – deshalb kein Gerüst-Testresultat für den Stadttest. Der Test der Velotouren erfolgt separat.
  • Google Maps
    Google Maps wählt mit 6.35 km die direkteste aller getesteten Routen und bewegt sich fast durchgehend auf einem Mix aus Quartier- (Klasse B) und Sammelstrassen (Klasse C) – nimmt dafür aber ein kurzes Stück Morillonstrasse (Klasse D) direkt zu Beginn in Kauf und bevorzugt an mehreren Stellen befahrenere Sammelstrassen, wo ruhigere Alternativen bestanden hätten.
  • Apple Maps
    Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Apples eigener "Fahrradroute"-Kennzeichnung und der tatsächlichen Streckenqualität: Mehrere so getaggte Abschnitte (u. a. Thunstrasse, Ostring, Bernstrasse) liegen faktisch auf Hauptstrassen, teilweise ohne Veloinfrastruktur (Klasse D). Zum Schluss zwingt die App bei der Bernstrasse sogar kurz zum Absteigen, da der Abschnitt nur für Fussgänger freigegeben ist. Mit 1.035 Punkten/km liegt Apple Maps hinter Google (1.72 Punkte/km).
  • Komoot
    Komoot passiert zu Beginn dieselbe kurze, stark befahrene Morillonstrasse (Klasse D) wie mehrere andere Apps, wählt danach aber durchgehend ruhigere Gassen im Stadtzentrum (u. a. Aarbergergasse, Speichergasse, Nägeligasse) – fällt gegen Ende der Strecke bei der Einfahrt Richtung Bernstrasse jedoch nochmals auf zwei kurze Hauptstrassenabschnitte zurück.
  • OsmAnd
    OsmAnd erzielt mit 1.93 Punkten/km den zweithöchsten Sicherheitswert aller getesteten Apps – nur Bikemap schneidet besser ab. Auffällig ist ein kurzer Schiebeabschnitt über den grösstenteils autofreien Bundesplatz (Klasse S, 41 m) sowie ein spürbarer Umweg über den längeren Nordbogen der Strecke (8.48 km Gesamtlänge – die längste aller getesteten Routen).

Velotour-Test

  • SchweizMobil
    SchweizMobil führt über weite Strecken auf dem offiziell signalisierten Radweg Gürbe-Sense (Klasse A) und erreicht damit hohe 3.47 Punkte/km. Auffällig ist ein kurzer, für den öffentlichen Durchgang gesperrter Abschnitt bei Neuenegg (2×, total 73 m, Klasse S) – derselbe Ort, der auch bei OsmAnd und Bikemap unabhängig identifiziert wurde.
  • Google Maps
    Nach vollständiger Feldverifikation (Street View, Stand 03.08.2026) bleibt Google mit 2.44 Punkten/km das Schlusslicht unter den Velotour-Apps: Der offizielle Radweg Gürbe-Sense wird nur auf 2150 m bzw. 6.9 % der Strecke getroffen – deutlich weniger als bei den übrigen Apps. Dem stehen 3825 m bzw. 12.3 % Klasse D gegenüber: die bereits bekannte Tempo-80-Nebenstrasse (1100 m), die Sensemattstrasse (1025 m) sowie die Strecke Richtung Oberbottigenweg (1700 m), die sich ebenfalls als Hauptstrasse ohne Veloinfrastruktur herausstellte. Zwei Fussgängerunterführungen erfordern zudem Schieben. Ein einzelnes Segment (2700 m, «Chäppeli Bramberg», 9.7 % der Strecke) bleibt trotz wiederholter Prüfung unklar klassifiziert und ist als offene Verifikation ausgewiesen.
  • Bikemap
    Bikemap erzielt mit 3.51 Punkten/km den besten Wert aller Velotour-Apps: Rund ein Drittel der Strecke (knapp 9.7 km) verläuft auf dem offiziellen Radweg Gürbe-Sense (Klasse A). Auffällig ist der wiederkehrende, bereits von SchweizMobil und OsmAnd unabhängig identifizierte gesperrte Kurzabschnitt bei Neuenegg (72 m, Klasse S).
  • OsmAnd
    OsmAnd erreicht 3.38 Punkte/km bei der längsten aller Velotour-Routen (33.0 km) – ein Teil davon entfällt auf einen erkannten Hin-/Rückweg (U-Turn) bei der Wegpunkt-Anfahrt Laupen, was kein Routingfehler ist, sondern eine Folge der gesetzten Zwischenstation. Zwei Hauptstrassenabschnitte (Däntsch, Sensemattstrasse, je Klasse D) schmälern den Score gegenüber Bikemap.
  • Komoot
    Da die Strecke identisch mit der SchweizMobil-Referenz ist (3.47 Punkte/km), unterscheidet sich Komoot von SchweizMobil ausschliesslich in der App-Bedienung, nicht in der Streckensicherheit – dies wird in der Gesamtauswertung separat über die Bedienungs-Bewertung abgebildet, nicht über eine unterschiedliche Streckenklasse.

Testergebnisse

Auf beiden Teststrecken zusammengenommen zeigt sich ein klares Bild:

  • Bikemap liegt am konsequentesten vorne – Rang 1 im Stadttest, Rang 2 auf der Velotour (unter den vier vollwertigen Kandidaten; SchweizMobil dient als Referenz), im kombinierten Vergleich mit deutlichem Abstand an der Spitze.
  • OsmAnd und Komoot liegen insgesamt nahe beieinander, schöpfen ihre Stärken aber in unterschiedlichen Situationen aus – OsmAnd im spontanen Stadtverkehr, Komoot bei der fixfertigen Tour. Ohne den Kostenfaktor würde sich diese Reihenfolge sogar umkehren (siehe Kosten-Nutzen-Überlegung unten), da Komoot deutlich teurer ist als das kostenlose OsmAnd.
  • Google Maps fällt in beiden Tests konsistent zurück, weil es keine für den Veloverkehr spezialisierten Kriterien kennt und wiederholt den sichereren Weg verpasst.
  • SchweizMobil (nur als Referenz für die Velotour getestet) und Apple Maps (nur im Stadttest, dort mit Testproblemen belastet) sind je nur in einer Disziplin vertreten.

Kosten-Nutzen-Überlegung

  • Wer eine fixfertige, gut dokumentierte Tour will und sich nicht um Adresseingabe kümmern muss, kommt mit SchweizMobil (CHF 35.–/Jahr) am günstigsten zum Ziel.
  • Wer zusätzlich einen adressbasierten Routenplaner für den Alltag braucht, müsste eigentlich zwei Apps parallel führen – SchweizMobil für die Tour, Bikemap (CHF 39.–/Jahr) für die Stadt – und würde damit CHF 74.– pro Jahr bezahlen.
  • Komoot bietet beides in einer einzigen App für CHF 60.–/Jahr – also günstiger als die Kombination der beiden Spezialisten, wenn auch mit spürbaren Abstrichen bei der reinen Streckensicherheit in der Stadt gegenüber Bikemap.
  • Für alle, die auf eine App-Lizenzgebühr ganz verzichten möchten, bleibt OsmAnd die einzige kostenlose Option mit überzeugender Sicherheitsbilanz. Die Einschränkung: Die vollständig kostenlose Version läuft nur auf Android (über den alternativen Store F-Droid); auf iOS ist der Funktionsumfang eingeschränkt bzw. kostenpflichtig. Bei einem iOS-Marktanteil von rund 49 Prozent in der Schweiz (Comparis-Studie 2025/26) betrifft das potenziell die Hälfte der Nutzer.

Empfehlungen der TCS-Experten

Für unsere Zielgruppe – ü50, wenig geübt, im Zweifel auf die App-Empfehlung angewiesen – lässt sich das Testergebnis so zusammenfassen:

  • Wer es einfach und günstig mag und primär Freizeittouren fährt, ist mit SchweizMobil gut bedient.
  • Wer zusätzlich einen Alltagsplaner mit Adresseingabe braucht und bereit ist, dafür etwas zu bezahlen, findet in Komoot die praktischste Kombination.
  • Wem Datenschutz und Open Source wichtig sind (allgemeine Merkmale, die nicht Teil der geprüften Testkriterien waren) und wer sich mit der etwas technischeren Bedienung anfreunden kann, dem empfehlen wir OsmAnd – am besten auf einem Android-Gerät.
  • Bikemap schneidet in beiden Testrunden am konstantesten gut ab und ist unsere Empfehlung für alle, denen die reine Streckensicherheit am wichtigsten ist, unabhängig davon ob in der Stadt oder auf Tour.
  • Von Google Maps raten wir für diese Zielgruppe ab: Die App kennt keine velospezifische Streckenlogik und wählt wiederholt weniger sichere Routen, ohne dies kenntlich zu machen.
  • Apple Maps ist im Stadttest durchaus empfehlenswert (53.8%) – die Velotour konnte die App jedoch technisch nicht absolvieren (keine Zwischenstopps im Velo-Modus, App-Absturz), weshalb wir sie für Freizeittouren aktuell nicht empfehlen können.
 
 
 
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