Dabei ist der zurückhaltende Look nicht nur Tarnung: Der C10 fährt sich im Alltag komplett unspektakulär. Weil es die Verhältnisse und Gesetze auf unseren Verkehrswegen nicht anders erlauben, sind die Momente, in denen dreistellige Kilowattwerte im Bildschirm erscheinen, selten und kurz. Gerade im Ecomodus, der jeweils nach Neustart eingestellt wird (wir hätten die Bevormundung nicht nötig, aber so ist das heute halt), geht die Beschleunigung höchst manierlich vonstatten. Und selbst im Sportmodus stellt sich der erwartete Nackenschlag nicht ein.
Dabei ist es nicht so, dass einem ein unbrauchbares Fahrwerk die Freude am geschwinden Vortrieb nähme. Der C10 4×4 federt und dämpft kompetent, wenngleich zielgruppengerecht auf der komfortablen Seite. Bei schwungvoll überfahrenen Querfugen glaubt man ein Quäntchen Verwindung der Karosserie zu spüren; nichts aber, das beunruhigen müsste. Beruhigend auf potenzielle Kundschaft wirkt die Organisation der jungen chinesischen Marke: In Europa ist sie in die Verteilstruktur des StellantisKonzerns eingebunden, der Schweizer Import läuft innerhalb der Emil-Frey-Gruppe. Mit der Folge, dass die im Februar hierzulande gestartete Marke im 2025 schon beinahe eintausend Fahrzeuge abgesetzt hat.
Die Bedienung erfolgt in weiten Teilen über den mittigen 14,6-Zoll-Bildschirm. Das ist auch hier teils stark ablenkend und wird durch die wenig verständige Spracherkennung nur ungenügend unterstützt.
Wer sich nun fragt, wie viel das Vergnügen kostet, dürfte erstaunt sein. Der C10 4×4 kostet, voll ausgestattet, 39 900 Franken. Wer auf Allrad und hohe Leistung verzichtet, erhält ab 35 900 Franken den Hecktriebler. Der ist allerdings nicht mal halb so stark, lädt langsamer und spart (nach WLTP) doch nur 0,6 Kilowattstunden auf hundert Kilometer.
Text: Daniel Riesen