





E-Trottis sind aus dem Verkehr in Schweizer Städten fast nicht mehr wegzudenken. Die konstruktionsbedingt aufrechte Fahrposition von Trottis und die kleinen Rädern – manchmal sogar noch mit Hartgummi-Reifen – führt allerdings zu einer geringen Fahrstabilität, was sich auch in den Unfallstatistiken zeigt: Gemäss Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) sind rund drei Viertel aller Unfälle mit schwer verletzten oder getöteten E-Trotti-Fahrern Alleinunfälle ohne Fremdbeteiligung. Bei dem restlichen Viertel handelt es sich um Kollisionen, welche in fast zwei Dritteln der Fälle mit einem Personenwagen passieren. Gemäss einer Analyse der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU), tragen nur etwa 10% aller schwer Verletzten beim Unfall einen Helm, bei fast 40% der Unfälle ist zudem Alkohol im Spiel und bei weiteren 20% ist Unaufmerksamkeit und Ablenkung (z.B. Handy) die Hauptunfallursache.
Um festzustellen, welchen Schutz ein Velohelm bei einem Sturz auf den Kopf bieten kann, wurden Crash-Versuche mit E-Trottis mit und ohne Helm durchgeführt. Dabei wurden Helme mit MIPS-Technologie (Multi-directional Impact Protection System) verwendet. Mit Sensoren im Kopf- und Nackenbereich ausgestattete Dummies zeichneten die dabei wirkenden Kräfte auf. Die Messdaten wurden in Relation gesetzt zu den in der Automobil-Norm ECE-R 94 festgelegten Grenzwerten. Daraus wurde abgeleitet, wie gross die Wahrscheinlichkeit einer schweren Verletzung im Kopf- und Nackenbereich ist.
Bei den Resultaten wurde zwischen Nacken- und Kopfverletzungen unterschieden.
Die Kräfte, welche auf den Nacken wirken, sind zwar durch den Helm ebenfalls etwas reduziert, sind aber weder mit noch ohne Helm über dem Norm-Grenzwert. Bei den Messungen der Kräfte auf den Kopf wurden zwei unterschiedliche Geschwindigkeiten betrachtet.
Art der Unfälle
Gemäss der Analyse der BFU geschehen über 90% der Unfälle mit schwer Verletzten innerorts. Dabei handelt es sich bei 73% um Alleinunfälle, bei 26% um Kollisionen und bei einem weiteren Prozent um andere Unfälle, wie zum Beispiel Tier- oder Dooring-Unfälle. Nicht nur bei den Alleinunfällen, bei welchen die E-Trottinettlenkenden logischerweise der Hauptverursacher des Unfalls sind, sondern insgesamt bei 90% aller Unfälle mit Schwerverletzten ist der Trotti-Fahrer der Hauptverursacher des Unfalls. Allerdings zeigt die BFU-Analyse, dass die E-Trottinett-Fahrenden auch in rund zwei Dritteln der Fälle die schweren Verletzungen davontragen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass rund ein Drittel der Schwerverletzten Personen, bei denen die E-Trottinett-Fahrenden die Hauptverursacher des Unfalls sind, andere Verkehrsteilnehmer sind. Dies sind in den meisten Fällen Velos, Fussgänger oder E-Bikes.
Art der Verletzungen
Eine Studie des Inselspitals von 2023 untersuchte die Art der Verletzungen von 23 Unfällen mit E-Trottinett-Fahrenden, welche im Zeitraum von Mai 2019 und Oktober 2021 im Notfall des Spitals behandelt wurden. Eine Hauptaussage der Studie ist, dass bei den untersuchten Unfällen besonders häufig Kopf-, Gesichts- und Hautverletzungen vorkamen. Obwohl die Zahl der untersuchten Fälle relativ gering ist, bestätigen sich viele der Erkenntnisse aus der Untersuchung der BFU: die deutliche Mehrheit der Betroffenen war männlich, in über 40% der Fälle war Alkohol im Spiel und das Tragen eines Velohelms wurde nur in einem Fall (4% der Unfälle) erwähnt.
Der Schweregrad der Verletzungen war in 78% der Fälle gering genug, damit die Patienten nach der Diagnostik und Behandlung aus dem Spital entlassen werden konnten. 22% (5 Personen) mussten hospitalisiert werden.
Die Studie schlussfolgert, dass E-Trott-Unfälle zu vielen Kopf- und Halsverletzungen führen und somit das Tragen eines Helmes vorteilhaft ist.
Die Crashtests veranschaulichen, dass das untersuchte Sturzszenario hohe Kopfbelastungen verursachen kann. Dass ein Helm vor Kopfverletzungen bei einem Aufprall auf den Boden schützt, erstaunt dabei nur wenig. Allerdings kann bereits bei bloss 20 km/h die gemessene Kraft auf den Kopf selbst mit Velohelm temporär über 200 g betragen, womit je nach Dynamik des Unfallhergangs auch mit Helm schwere Verletzungen sehr wahrscheinlich sind. Da ein Unfall in den seltensten Fällen komplett ungebremst stattfindet, sind die Crashversuche bei 15 km/h sehr interessant. Bei diesen wäre ein menschlicher Fahrer mit Helm mit grosser Wahrscheinlichkeit ohne schwere Schädelverletzungen davon gekommen, während der Fahrer ohne Helm mit grosser Wahrscheinlichkeit solche erlitten hätte.
E-Trottis sind aus konstruktiven Gründen relativ instabil (kleine Räder, hoher Schwerpunkt). Deshalb gilt:
