





Die Anzahl von Elektroautos auf den Strassen nimmt seit 2020 in der Schweiz jährlich um rund 50'000 Exemplare zu und wird um die Jahreswende 26/27 die 10% Schwelle im Bestand überschreiten. Elektroautos gelten als komfortabel, leistungsstark, sicher und umweltfreundlich. Doch wie sieht es aus, wenn sie in Brand geraten? In welchen Situationen geraten Elektroautos in Brand? Wie breitet sich der Brand im Fahrzeug aus? Lässt sich das Feuer kontrollieren oder löschen, braucht die Feuerwehr zusätzliche Ausrüstung und Ausbil-dung? Was passiert mit den Autos, nach dem Löscheinsatz? Wie sieht es aus mit der Häufigkeit von Brandereignissen von Elektroautos? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat TCS Test & Technik die verfügbare Literatur studiert und mit drei Einsatzleitern von städtischen Berufsfeuerwehren Interviews geführt.
Elektroautos brennen seltener als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Internationale Studien und Schweizer Praxiserfahrungen zeigen klar: Die Brandhäufigkeit pro zugelassenes Fahrzeug liegt deutlich unter jener von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. In Norwegen, einem Land, welche die Fahrzeugbrände gut statistisch dokumentiert, liegt der Anteil der Elektroautos bei 37%, während ihr Anteil an den Fahrzeugbränden unter 10% ausmacht.
Bei einem Elektroauto-Brand liegt es nicht immer an der Batterie. Als Ursachen werden in Berichten und Studien externe Faktoren, wie Übergriff des Feuers von Steckdosen, Gebäuden oder anderen Fahrzeugen auf das Elektroauto, Brandstiftung, technische Ursache ausserhalb des Batteriesystems (Steuergeräte, Relais, Leistungselektronik) oder Bedienungsfehler als wichtiger eingestuft als Ursachen innerhalb der Batterie.
In der Schweiz liegen keine belastbaren Daten für den Vergleich von Brandfällen bei Elektrofahrzeugen und Verbrennern relativ zum Fahrzeugbestand vor. Die beste Datenlage ist in Norwegen zu finden. Norwegen hat einen Bestand von über einer Million Elektroautos, zudem werden die Fahrzeugbrände statistisch ausgewertet und online publiziert. Die verfügbaren Zeitreihen umfassen die Periode 2016 bis Juni 2026. In den 10 ½ Jahren wurden fast 13’000 Fahrzeugbrände registriert, davon 519 mit Elektroautos. Aus der öffentlich zugänglichen Brandstatistik und der Fahrzeugstatistik lässt sich der Zusammenhang zwischen dem Anteil von Elektroautos am Fahrzeugbestand und dem Anteil an den Fahrzeugbränden berechnen.
Gemeinsam ist allen Gesprächen mit der Berufsfeuerwehr die Einschätzung, dass Elektroautobrände nicht grundsätzlich dramatischer, aber häufig aufwendiger und organisatorisch anspruchsvoller sind als viele konventionelle Fahrzeugbrände. Es zeigt sich auch, dass Lithium Ionen Akkus im allgemeinen als Brandursache an Bedeutung gewinnen, in allen Bereichen des Lebens bzw. der Löscheinsätze.
Häufigkeit
In den Gesprächen wird wiederholt darauf hingewiesen, dass die Zunahme entsprechender Einsätze eher mit dem wachsenden Bestand an Elektrofahrzeugen als mit einem grundsätzlich höheren Brandrisiko in Verbindung steht. Die allgemeine Häufung von Batteriebränden abgesehen von Autobatterien bezeichnet die Berufsfeuerwehr als Herausforderung. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass Akkus häufig Brände auf den Entsorgungswegen verursachen, wenn sie mit dem Haushaltmüll vermischt werden und nicht korrekt ins Recycling gebracht werden.
Herausforderungen für die Feuerwehr
Mehrere einsatznahe Beispiele von brennenden Elektroautos in den Interviews zeigen, dass sich die taktische Herausforderung vor allem dann verschärft, wenn die Hochvoltbatterie tatsächlich betroffen ist. Geschildert werden unter anderem Ereignisse in Parkhäusern, Werkstätten und Quarantänesituationen, bei denen nicht nur die Brandbekämpfung selbst, sondern vor allem die lange Nachkontrolle, die mögliche Wiederentzündung und die Logistik nach dem Löschen ins Gewicht fallen.
Löschmittel
Als Löschmittel wird in allen Fachgesprächen Wasser als Standard genannt. Damit wird die brennende Batterie gekühlt, nicht gelöscht. Mit dem Wasser wird verhindert, dass sich der Brand auf die Reifen, Radkästen, Motor- und Passagierraum des Fahrzeugs ausbreitet. Ergänzend werden Wärmebildkamera, in einzelnen Fällen spezielle Lanzen-Löschsysteme sowie Spezialbehälter oder Container für die spätere Verwahrung erwähnt; gleichzeitig wird betont, dass technische Hilfsmittel nicht schematisch, sondern lageabhängig eingesetzt werden müssen. Auch Löschdecken werden bei Fahrzeugbränden eingesetzt; nicht zur Löschung der Batterie, sondern zur Verhinderung der Brandausbreitung, ähnlich wie dies beim Löschwasser der Fall ist.
Zusätzliche Gefahren
Besonders gefährlich sind toxische Rauchgase, welche unter anderem Flusssäure enthalten können. Die Zusammensetzung der Rauchgase hängt stark von Batterietyp, Brandverlauf und Umgebungsbedingungen ab. Die Schwierigkeit der Batteriekühlung und das Risiko einer Neuzündung nach dem eigentlichen Löscherfolg werden ebenfalls hervorgehoben. Diese Aussagen stützen die Forderung nach konsequenter Schutzstufenwahl, Messgeräteeinsatz, ABC-Grundsätzen und vorsichtiger Nachsorge.
Die TCS-Empfehlungen zum Verhalten bei einem Fahrzeugbrand bleiben auch für Elektroautofahrerinnen und Elektroautofahrer zentral. Im Vordergrund stehen Eigenschutz, Alarmierung und rasche Distanz zum Fahrzeug. Versuchen Sie nicht, einen fortgeschrittenen Brand selbst unter Kontrolle zu bringen!
Konkrete Verhaltenstipps:
Für Elektroautos ist zusätzlich relevant, dass insbesondere weisser Rauch und ein möglicher Wiederbrand ernst zu nehmen sind. Gerade deshalb sprechen die Feuerwehren in den Interviews eine klare Empfehlung aus, solche Ereignisse nicht zu unterschätzen und keine improvisierten Eigenlöschversuche zu unternehmen.
