Gefahr im Meer: Erste Hilfe bei Quallenstich

Quallen verursachen verbrennungsähnliche Verletzungen der Haut.


Die bis zu 20 Meter langen Nesselfäden oder auch Tentakeln einer Qualle sind im offenen Meer nahezu unsichtbar. Der Kontakt mit dem Gift von Quallen kann äusserst schmerzhaft sein. Im europäischen Raum sind am meisten die Leucht- und Feuerqualle anzutreffen. Diese kommen besonders im Mittelmeerraum in Küstennähe vermehrt vor.  

Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum (Inselspital Bern), zum Thema Quallenstich. 

Herr Exadaktylos, wie sollte man sich am besten verhalten, wenn man mit einer Qualle in Berührung kommt? 
Zuerst einmal Ruhe bewahren. Vor allem in tieferen Gewässern kann die Berührung mit einer teilweise grossen Qualle den Schwimmer derart erschrecken, dass er in Panik gerät. Kommt dazu ein Kontakt mit den Nesselfasern, was äusserst schmerzhaft sein kann, besteht durchaus eine Gefahr. Deshalb ist es sehr wichtig, sich vor allem in unbekannten Gewässern darüber zu informieren, welche Quallen vorkommen und ob gerade «Saison» ist. Die Ansässigen wissen in der Regel am besten Bescheid. Gibt es Warnungen, so sind diese absolut ernst zu nehmen, weil eine Qualle selten allein kommt.  

Welche Symptome verursachen einen Quallenstich?
Dies kommt auf die Qualle an. Das Nesselgift besteht aus verschiedenen Eiweissen, die zell- und nervenschädigend wirken. Es kommt nicht immer zu einer Reaktion, kann jedoch unter Umständen schwerste allergische Schockzustände hervorrufen. In der Regel sind es aber verbrennungsähnliche Verletzungen der Haut, welche durch die an den Nesselfasern vorhandenen Nesselkapseln ausgelöst werden. Gelangen grössere Giftmengen in den Körper, oder ist die Person schwerer Allergiker oder ein Kind, dann kann es zu Übelkeit, Erbrechen und schockähnlichen Symptomen kommen, aber auch zu Atem- und Herz-Kreislauf-Beschwerden – bis hin zum Herzversagen. Dies ist extrem selten. Bei schweren Quallenverletzungen können auch bleibende Hautschäden entstehen, die später wie Brandmarken aussehen.

Wie behandelt man einen Quallenstich?
In der Regel sind es viele Nesselkapseln, welche das Gift absondern. Zum Glück sind zu Beginn nur zirka 1/3 aller Kapseln entleert. Geht man die Sache falsch an, kann sich der Zustand verschlimmern. Deshalb:

  • Ruhe bewahren
  • Mit Meerwasser spülen (nie mit Süsswasser oder Alkohol)
  • Essig hilft auch (der freundliche Tavernen-Besitzer gibt sicher etwas her) und an australischen Ständen gibt es dies fast immer
  • Mit Sand bestreuen, und dann mit einer Kreditkarte oder dem Messer vorsichtig abschaben
  • Auf keinen Fall mit einem Handtuch «abrubbeln», das bringt die Kapseln nur zum Platzen

Oft hört man von dem schmerzlindernden Effekt von Urin auf der betroffenen Stelle. Wahrheit oder Mythos?
Mythos: Urin ähnelt in seiner gering konzentrierten Form der Zusammensetzung von Süsswasser. In diesem Fall würde Urin die Beschwerden nur noch verstärken und ist daher nicht empfehlenswert. 

Wann sollte man zum Arzt oder gar auf den Notfall?
Je nach Symptomen. Klingen die Hautreizungen nach einigen Stunden noch nicht ab, sollte man zum Arzt. Die lokalen Ärzte kennen sich in der Regel bestens aus. Treten aber Atemprobleme oder generelle Allergiesymptome auf, oder sind kleine Kinder und geschwächte Personen betroffen, sollte man unbedingt sofort zum Arzt.  

Kann der Kontakt mit einer Qualle auch tödlich enden?
Dies ist wirklich sehr, sehr selten der Fall. Es gibt aber ziemlich gefährliche Arten, wie die Portugiesische Galeere oder die Würfelqualle. Auch tote Quallen am Strand können noch mehrere Tage lang aktive Nesselkapseln haben. Deswegen sollte man diese auf keinen Fall berühren.


Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch

Inselspital

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor Universitäres Notfallzentrum Inselspital (Universitätsspital Bern), realisiert.

www.insel.ch

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