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Quallen: Was man vor dem Baden wissen sollte

Immer häufiger in Mittelmeer anzutreffen, bereiten Quallen den Badenden Sorgen. Warum vermehren sie sich so stark – und wie kann man sich schützen?

Im Urlaub am Meer kann die Anwesenheit von Quallen Badegäste schnell beunruhigen. In bestimmten Regionen wie dem Mittelmeer treten sie häufiger auf und können das Baden beeinträchtigen. Warum vermehren sie sich, wo trifft man sie an und wie lassen sich Stiche vermeiden? Hier das Wichtigste, das man wissen sollte, bevor man ins Wasser geht.

Warum werden Quallen immer zahlreicher?

Die Vermehrung von Quallen ist ein immer häufiger auftretendes Phänomen, insbesondere im Mittelmeer. Sie lässt sich durch mehrere Faktoren erklären: Die Erwärmung des Wassers begünstigt ihre Fortpflanzung, die Überfischung verringert ihre natürlichen Feinde wie bestimmte Fischarten oder Meeresschildkröten, und auch die Verschmutzung kommt ihnen oft zugute.

Auch Meeresströmungen spielen eine wichtige Rolle, indem sie Quallen zusammenführen und in Richtung Küste treiben. Dadurch kann es zu bestimmten Zeiten zu hohen Konzentrationen kommen.

Welche Arten trifft man in Europa und anderswo an?

Weltweit gibt es mehrere Tausend Quallenarten, deren Gefaehrlichkeit stark variiert. In Europa sind die meisten harmlos oder verursachen nur leichte bis maessige Stiche. Im Mittelmeer kommen haeufig Arten wie « Aurelia aurita », nahezu transparent und kaum nesseld, oder « Rhizostoma pulmo » vor, die groesser ist, aber in der Regel ungefaehrlich bleibt.

Dagegen ist « Pelagia noctiluca », violett gefaerbt, fuer ihre schmerzhaften Stiche bekannt. An den Atlantikkuesten, insbesondere in Portugal, kann man auch auf « Physalia physalis » treffen, die Portugiesische Galeere, deren Tentakel stark nesseln.

Weltweit gibt es zudem einige tropische Arten, wie die Wuerfelquallen, die deutlich gefaehrlicher sind und in bestimmten Regionen besondere Vorsicht erfordern.

Wie leben Quallen?

Quallen gehören zur Gruppe der Nesseltiere (Cnidaria), ebenso wie Korallen und Seeanemonen. Ihre Tentakel sind mit Tausenden von Nesselzellen bedeckt, die bei Kontakt mit der Haut oder einer Beute Gift injizieren können. Sie jagen nicht aktiv, sondern treiben mit den Strömungen und fangen, was in ihre Reichweite gelangt – hauptsächlich Plankton.

Ihr Lebenszyklus ist besonders: Er wechselt zwischen einer frei im Meer lebenden Phase und einer festsitzenden Phase, dem sogenannten Polypen, der sich auf untergetauchten Oberflächen entwickelt. Wenn die Bedingungen günstig sind, insbesondere bei steigenden Temperaturen, können diese Polypen zahlreiche Quallen hervorbringen, was manche plötzlichen Massenvermehrungen erklärt.

Menschliche Strukturen im Meer, wie Häfen, Stege oder Unterwasseranlagen, bieten ideale Lebensräume für diese Polypen. Auch Verschmutzung kann ihre Entwicklung fördern: Quallen vertragen belastetes Wasser besser als viele andere Arten, und gewisse Abfälle, wie Plastik, können ihnen sogar als Unterlage dienen.

Wann und wo sind sie anzutreffen?

An den Mittelmeerkuesten folgt ihr Auftreten einem recht gut vorhersehbaren saisonalen Zyklus. Sie erscheinen im Fruehling, zwischen April und Juni, und werden im Sommer sehr zahlreich, mit einem Hoehepunkt im Juli und August, wenn das Wasser waermer und planktonreicher ist. Im Herbst koennen sie weiterhin in Kuestennaehe vorkommen, bevor ihre Zahl allmaehlich abnimmt. Sinkt die Temperatur, verlangsamt sich ihre Aktivitaet, und sie ziehen sich in tiefere, stabilere Gewaesser zurueck.

Quallen schwimmen kaum aktiv, sondern treiben mit den Stroemungen und dem Wind. Deshalb sammeln sie sich haeufig in ruhigen Zonen wie Buchten, kleinen Buchten oder in der Naehe von Haefen – besonders dann, wenn der Wind sie zur Kueste drueckt. Ihre Anwesenheit kann daher von einem Tag auf den anderen stark schwanken.

Um unangenehme Ueberraschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, Echtzeit-Informationsdienste zu nutzen, wie Meduseo oder MedusApp. Diese ermoeglichen es, sich vor dem Baden ueber die aktuelle Quallenlage an Straenden zu informieren.

Wie kann man Stiche vermeiden? Schützt ein T-Shirt?

Einige einfache Verhaltensweisen helfen, das Risiko zu verringern: Beobachten Sie vor dem Baden das Wasser und den Strand, seien Sie besonders vorsichtig nach windigem Wetter oder unruhiger See und achten Sie auf die Signalisation, insbesondere auf die violette Flagge, die auf das Vorhandensein gefährlicher Meerestiere hinweist. Es ist ausserdem wichtig, angespülte Quallen nicht zu berühren – auch nicht, wenn sie tot oder in Stücke zerfallen sind –, da sie weiterhin stechen können.

Ein T-Shirt kann einen gewissen Schutz vor Quallen bieten, doch seine Wirksamkeit hängt vom Material ab. Ein herkömmliches Baumwoll-T-Shirt schützt nur wenig, da es sich mit Wasser vollsaugt und die Nesselzellen leicht durchlässt. Ein Bade-Shirt aus synthetischem Material, wie ein Rashguard, stellt hingegen eine deutlich bessere Barriere dar, da es eng am Körper anliegt und den Kontakt mit den Tentakeln reduziert.

Ein Ganzkörper-Badeanzug ist noch effektiver, da er einen grossen Teil des Körpers bedeckt und die exponierten Stellen stark reduziert. Dennoch bietet keine Lösung einen vollständigen Schutz: Unbedeckte Körperstellen wie Hände, Füsse oder Gesicht bleiben anfällig, und sehr feine Nesselfäden können mitunter durch den Stoff gelangen oder sich darunter verfangen.

Quallenstich: Die richtigen Massnahmen, die man kennen sollte

Ein Quallenstich verursacht oft einen starken, sofort einsetzenden Schmerz, begleitet von Rötungen oder Brennen auf der Haut. Auch wenn die meisten Stiche harmlos sind, können gewisse Massnahmen die Situation verschlimmern – etwa das Abspülen mit Süsswasser oder das Reiben der betroffenen Stelle. Hier erfahren Sie, wie man einen Quallenstich erkennt, die Schmerzen lindert und die häufigsten Fehler vermeidet.

Was passiert bei einem Quallenstich?

Quallen besitzen Nesselzellen, sogenannte Cnidozyten. Beim Kontakt mit der Haut:

  • setzen sie ein mikroskopisches Gift frei
  • entsteht sofort ein brennendes Gefühl
  • erscheinen rote oder streifenförmige Spuren auf der Haut

Quallen stechen nicht absichtlich, sondern geben ihr Gift ab, sobald sie organisches Material wie die Haut berühren.

Was sind die häufigsten Symptome?

  • Starke Schmerzen (wie ein Stromschlag oder eine Verbrennung)
  • Rötung, Juckreiz
  • Manchmal Blasenbildung

Was ist unmittelbar nach einem Quallenstich zu tun?

  • Das Wasser verlassen
  • Mit Meerwasser spülen 
  • Fäden mit einer Pinzette oder einem festen Gegenstand entfernen
  • Gegebenenfalls Wärme (40–45 °C) anwenden, um die Schmerzen zu lindern
  • Anschliessend desinfizieren
  • Wenn die Stelle anschwillt oder Sie Atembeschwerden haben, den Notruf verständigen

Achtung: Essig hilft bei Quallenstichen nur, wenn die stechende Quallenart auf Säure reagiert. 

Welche Fehler sollte man vermeiden?

  • Reiben
  • Sofort Süsswasser verwenden
  • Das bekannte «Hausmittel» Urin (ineffektiv)

Warum verschlimmert Süsswasser den Stich?

Das Problem liegt an den bekannten Nesselzellen der Quallen (Cnidozyten). Nach einem Stich verbleiben oft Tausende noch aktiver Zellen auf der Haut.

Süsswasser verschlimmert die Situation

  • Süsswasser verursacht einen osmotischen Schock (Unterschied im Salzgehalt)
  • Dieser Schock aktiviert die verbleibenden Nesselzellen
  • Ergebnis: Sie setzen noch mehr Gift frei

Warum ist Meerwasser vorzuziehen?

  • Es hat denselben Salzgehalt wie die Umgebung der Qualle
  • Es aktiviert die verbleibenden Nesselzellen nicht

Wie lange dauert der Schmerz?

Die Schmerzen nach einem Quallenstich treten sofort auf und sind anfangs oft stark, mit einem brennenden oder stromschlagartigen Gefühl. In den meisten Fällen hält dieser intensive Schmerz einige Minuten bis etwa eine Stunde an und lässt dann allmählich nach. Rötungen, Juckreiz oder Reizungen können anschliessend mehrere Stunden bis einige Tage bestehen bleiben.

Bei stärker nessenden Arten können die Schmerzen länger andauern und ausgeprägter sein, manchmal begleitet von Blasenbildung oder einer anhaltenden Hautreaktion. In seltenen Fällen können gewisse Symptome mehrere Tage anhalten.

Porträt von Dr. Danielle Doris Gyurech

Porträt von Dr. Danielle Doris Gyurech
Dr. Danielle Doris Gyurech, Fachärztin für Reisemedizin

Dr. Danielle Doris Gyurech ist Fachärztin für Reisemedizin und Tropenmedizin und verfügt über umfassende Fachkenntnisse in den Bereichen Infektiologie, Epidemiologie, Parasitologie, Allergologie sowie Allgemein- und Familienmedizin. Sie studierte an der Universität Zürich und hat einen Abschluss in Gesundheitsmanagement in tropischen Ländern. Sie verfügt über umfangreiche klinische Erfahrung in der Schweiz und im Ausland.

Seit 1995 leitet sie gemeinsam mit Dr. Julian Schilling die Travel Clinic Zürich. Sie engagiert sich seit langem für humanitäre Zwecke, ist Mitglied des Verwaltungsrats von Kids of Africa und überwacht die medizinische Versorgung eines Kinderdorfes in Uganda. Als Polyglottin und Vielreisende – sie hat fast 100 Länder besucht – teilt sie ihre Leidenschaft für Entdeckungen und medizinische Prävention in regelmässigen Publikationen, Kursen und Vorträgen.

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