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Quallen: Was man vor dem Baden wissen sollte

Immer häufiger in Mittelmeer anzutreffen, bereiten Quallen den Badenden Sorgen. Warum vermehren sie sich so stark – und wie kann man sich schützen?

Ferien am Meer können durch die Anwesenheit von Quallen schnell getrübt werden. Besonders in Regionen wie dem Mittelmeer treten sie häufig auf und können das Badevergnügen beeinträchtigen. Warum vermehren sie sich, wo kommen sie vor und wie lassen sich Quallenstiche vermeiden? Dr. Danielle Doris Gyurech und PD Dr. med. Julian Schilling, Fachärzte für Reise- und Tropenmedizin an der Travel Clinic Zürich, beantworten die wichtigsten Fragen, die man sich vor dem Sprung ins Wasser stellen sollte.

Warum werden Quallen immer zahlreicher?

Die Vermehrung von Quallen ist ein immer häufiger auftretendes Phänomen, insbesondere im Mittelmeer. Sie lässt sich durch mehrere Faktoren erklären: Die Erwärmung des Wassers begünstigt ihre Fortpflanzung, die Überfischung verringert ihre natürlichen Feinde wie bestimmte Fischarten oder Meeresschildkröten, und auch die Verschmutzung kommt ihnen oft zugute.

Auch Meeresströmungen spielen eine wichtige Rolle, indem sie Quallen zusammenführen und in Richtung Küste treiben. Dadurch kann es zu bestimmten Zeiten zu hohen Konzentrationen kommen.

Welche Arten trifft man in Europa und anderswo an?

Weltweit gibt es mehrere Tausend Quallenarten, deren Gefährlichkeit stark variiert. In Europa sind die meisten harmlos oder verursachen nur leichte bis mässige Stiche. Im Mittelmeer kommen häufig Arten wie « Aurelia aurita », nahezu transparent und kaum brennend, oder « Rhizostoma pulmo » vor, die grösser ist, aber in der Regel ungefährlich bleibt.

Die violett gefärbte «Pelagia noctiluca» ist hingegen für ihre schmerzhaften Stiche bekannt. An den Atlantikküsten, insbesondere in Portugal, kann man zudem auf «Physalia physalis», die Portugiesische Galeere, treffen. Obwohl sie einer Qualle ähnelt, handelt es sich in Wirklichkeit um eine Kolonie mehrerer zusammenlebender Organismen. Ihre Tentakel können mehrere Dutzend Meter lang werden, sind äusserst giftig und bleiben selbst dann gefährlich, wenn sie an den Strand gespült werden.

Weltweit gibt es zudem einige tropische Arten, wie die Würfelquallen, die deutlich gefährlicher sind und in bestimmten Regionen besondere Vorsicht erfordern.

Wie leben Quallen?

Quallen gehören zur Gruppe der Nesseltiere (Cnidaria), ebenso wie Korallen und Seeanemonen. Ihre Tentakel sind mit Tausenden von Nesselzellen bedeckt, die bei Kontakt mit der Haut oder einer Beute Gift injizieren können. Sie jagen nicht aktiv, sondern treiben mit den Strömungen und fangen, was in ihre Reichweite gelangt – hauptsächlich Plankton.

Ihr Lebenszyklus ist besonders: Er wechselt zwischen einer frei im Meer lebenden Phase und einer festsitzenden Phase, dem sogenannten Polypen, der sich auf untergetauchten Oberflächen entwickelt. Wenn die Bedingungen günstig sind, insbesondere bei steigenden Temperaturen, können diese Polypen zahlreiche Quallen hervorbringen, was manche plötzlichen Massenvermehrungen erklärt.

Menschliche Strukturen im Meer, wie Häfen, Stege oder Unterwasseranlagen, bieten ideale Lebensräume für diese Polypen. Auch Verschmutzung kann ihre Entwicklung fördern: Quallen vertragen belastetes Wasser besser als viele andere Arten, und gewisse Abfälle, wie Plastik, können ihnen sogar als Unterlage dienen.

Wann und wo sind sie anzutreffen?

An den Mittelmeerküsten folgt ihr Auftreten einem recht gut vorhersehbaren saisonalen Zyklus. Sie erscheinen im Fruehling, zwischen April und Juni, und werden im Sommer sehr zahlreich, mit einem Höhepunkt im Juli und August, wenn das Wasser wärmer und planktonreicher ist. Im Herbst können sie weiterhin in Küstennähe vorkommen, bevor ihre Zahl allmählich abnimmt. Sinkt die Temperatur, verlangsamt sich ihre Aktivität und sie ziehen sich in tiefere, stabilere Gewässer zurück.

Quallen schwimmen kaum aktiv, sondern treiben mit den Strömungen und dem Wind. Deshalb sammeln sie sich häufig in ruhigen Zonen wie Buchten, kleinen Buchten oder in der Nähe von Häfen – besonders dann, wenn der Wind sie zur Küste drückt. Ihre Anwesenheit kann daher von einem Tag auf den anderen stark schwanken.

Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, Echtzeit-Informationsdienste zu nutzen, wie Meduseo oder MedusApp. Diese ermöglichen es, sich vor dem Baden über die aktuelle Quallenlage an Stränden zu informieren.

Wie kann man Stiche vermeiden? Schützt ein T-Shirt?

Einige einfache Verhaltensweisen helfen, das Risiko zu verringern: Beobachten Sie vor dem Baden das Wasser und den Strand, seien Sie besonders vorsichtig nach windigem Wetter oder unruhiger See und achten Sie auf die Signalisation, insbesondere auf die violette Flagge, die auf das Vorhandensein gefährlicher Meerestiere hinweist. Es ist ausserdem wichtig, angespülte Quallen nicht zu berühren – auch nicht, wenn sie tot oder in Stücke zerfallen sind –, da sie weiterhin stechen können.

Ein T-Shirt kann einen gewissen Schutz vor Quallen bieten, doch seine Wirksamkeit hängt vom Material ab. Ein herkömmliches Baumwoll-T-Shirt schützt nur wenig, da es sich mit Wasser vollsaugt und die Nesselzellen leicht durchlässt. Ein Bade-Shirt aus synthetischem Material, wie ein Rashguard, stellt hingegen eine deutlich bessere Barriere dar, da es eng am Körper anliegt und den Kontakt mit den Tentakeln reduziert.

Ein Ganzkörper-Badeanzug ist noch effektiver, da er einen grossen Teil des Körpers bedeckt und die exponierten Stellen stark reduziert. Dennoch bietet keine Lösung einen vollständigen Schutz: Unbedeckte Körperstellen wie Hände, Füsse oder Gesicht bleiben anfällig, und sehr feine Nesselfäden können mitunter durch den Stoff gelangen oder sich darunter verfangen.

Quallenstich: Die richtigen Massnahmen, die man kennen sollte

Ein Quallenstich verursacht oft einen starken, sofort einsetzenden Schmerz, begleitet von Rötungen oder Brennen auf der Haut. Auch wenn die meisten Stiche harmlos sind, können gewisse Massnahmen die Situation verschlimmern – etwa das Abspülen mit Süsswasser oder das Reiben der betroffenen Stelle. Hier erfahren Sie, wie man einen Quallenstich erkennt, die Schmerzen lindert und die häufigsten Fehler vermeidet.

Was passiert bei einem Quallenstich?

Quallen besitzen Nesselzellen, sogenannte Cnidozyten. Beim Kontakt mit der Haut:

  • setzen sie ein mikroskopisches Gift frei
  • entsteht sofort ein brennendes Gefühl
  • erscheinen rote oder streifenförmige Spuren auf der Haut

Quallen stechen nicht absichtlich, sondern geben ihr Gift ab, sobald sie organisches Material wie die Haut berühren.

Was sind die häufigsten Symptome?

  • Starke Schmerzen (wie ein Stromschlag oder eine Verbrennung)
  • Rötung, Juckreiz
  • Manchmal Blasenbildung

Was ist unmittelbar nach einem Quallenstich zu tun?

  • Das Wasser verlassen
  • Mit Meerwasser spülen 
  • Fäden mit einer Pinzette oder einem festen Gegenstand entfernen
  • Gegebenenfalls Wärme (40–45 °C) anwenden, um die Schmerzen zu lindern
  • Anschliessend desinfizieren
  • Wenn die Stelle anschwillt oder Sie Atembeschwerden haben, den Notruf verständigen

Achtung: Essig hilft bei Quallenstichen nur, wenn die stechende Quallenart auf Säure reagiert. 

Welche Fehler sollte man vermeiden?

  • Reiben
  • Sofort Süsswasser verwenden
  • Das bekannte «Hausmittel» Urin (ineffektiv)

Warum verschlimmert Süsswasser den Stich?

Das Problem liegt an den bekannten Nesselzellen der Quallen (Cnidozyten). Nach einem Stich verbleiben oft Tausende noch aktiver Zellen auf der Haut.

Süsswasser verschlimmert die Situation

  • Süsswasser verursacht einen osmotischen Schock (Unterschied im Salzgehalt)
  • Dieser Schock aktiviert die verbleibenden Nesselzellen
  • Ergebnis: Sie setzen noch mehr Gift frei

Warum ist Meerwasser vorzuziehen?

  • Es hat denselben Salzgehalt wie die Umgebung der Qualle
  • Es aktiviert die verbleibenden Nesselzellen nicht

Wie lange dauert der Schmerz?

Die Schmerzen nach einem Quallenstich treten sofort auf und sind anfangs oft stark, mit einem brennenden oder stromschlagartigen Gefühl. In den meisten Fällen hält dieser intensive Schmerz einige Minuten bis etwa eine Stunde an und lässt dann allmählich nach. Rötungen, Juckreiz oder Reizungen können anschliessend mehrere Stunden bis einige Tage bestehen bleiben.

Bei stärker stechenden Arten können die Schmerzen länger andauern und ausgeprägter sein, manchmal begleitet von Blasenbildung oder einer anhaltenden Hautreaktion. In seltenen Fällen können gewisse Symptome mehrere Tage anhalten.

Porträt von Dr. Danielle Doris Gyurech und Dr. Julian Schilling

Porträt von Dr. Danielle Doris Gyurech und Dr. Julian Schilling
Dr. Danielle Doris Gyurech und Dr. Julian Schilling, Fachärzte für Reisemedizin.

Dr. Danielle Doris Gyurech und PD Dr. med. Julian Schilling leiten seit 1995 gemeinsam die Travel Clinic Zürich und zählen zu den führenden Expertinnen und Experten für Reise- und Tropenmedizin in der Schweiz.

Dr. Danielle Doris Gyurech ist Fachärztin für Reise- und Tropenmedizin mit fundierten Kenntnissen in den Bereichen Infektiologie, Epidemiologie, Parasitologie, Allergologie sowie Allgemein- und Familienmedizin. Sie studierte an der Universität Zürich und absolvierte zudem eine Weiterbildung in Gesundheitsmanagement für tropische Länder. Dank ihrer langjährigen Tätigkeit in der Schweiz und im Ausland verfügt sie über umfassende klinische Erfahrung. Darüber hinaus engagiert sie sich seit vielen Jahren für humanitäre Projekte, ist Mitglied des Verwaltungsrats von Kids of Africa und begleitet die medizinische Versorgung eines Kinderdorfes in Uganda. Als mehrsprachige Vielreisende – sie hat nahezu 100 Länder bereist – teilt sie ihre Leidenschaft für das Reisen und die medizinische Prävention in Publikationen, Kursen und Vorträgen.

PD Dr. med. Julian Schilling ist Facharzt für Reise- und Tropenmedizin sowie für Allgemeine Innere Medizin. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Infektiologie, Präventivmedizin und Qualitätssicherung im Gesundheitswesen. Er studierte Medizin an der Universität Zürich, legte 1989 das Staatsexamen ab und promovierte 1991. Neben seiner Praxistätigkeit engagiert er sich in Forschung und Lehre und veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Fachbeiträge.

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