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15.10.2020

Auf einmal im Flow

Downhillbiken auf den extra dafür gebauten Trails oder Parks liegt im Trend. Viele Bergbahnen in der Schweiz setzen darauf und bauen Bikeparks.
15. Oktober 2020

Das Runterfahren über die vielen Hindernisse hat aber seine Tücken.

Einmal einen Trail mit einem vollgefederten Downhillbike runterzufahren, muss ein einmaliges Erlebnis sein. Da so ein Trail trickreich sein kann, wandte ich mich an den erfahrenen Downhiller Fabio Jungen aus Amsoldingen. Beim ersten Treffen fielen mir seine Narben und Schürfungen auf. «Das gehört beim Downhillen dazu, damit muss man leben.» «Und was hast du dir alles gebrochen?» «Den Ellenbogen, das Schlüsselbein und auch ein paar Rippen.» Auf die Frage, ob er einen Anfänger in sein Metier einführen würde, war er sofort dazu bereit.

Sinnvolle Brems- und Fahrübungen

Downhill
Bremsübungen sind wichtig, um sicher den Trail runterzufahren.

So fahren wir ein paar Wochen später zur Talstation der Luftseilbahn Kandersteg-Sunnbüel. Der Trail dort soll auch für Anfänger machbar sein, meinte der Experte, der die Strecke mitgebaut hatte. Während ich mich in die Schutzausrüstung mit Helm, Protektoren und Handschuhen zwängte, kontrollierte Fabio die Bikes. Dann ging es mit der Luftseilbahn hinauf auf 1932 Meter über Meer. Doch, bevor wir die 720 Höhenmeter hinunter nach Kandersteg fahren, gibt es Fahrtraining. Fabio erklärt die korrekte Fahrposition, zeigt, wie man vor allem mit dem Vorderrad bremst und mit dem Körperschwerpunkt arbeitet. Die Übungen sind gar nicht so einfach. Immerhin, mit der Zeit stellt sich ein Gefühl fürs Bike ein.

105 Steilwandkurven bezwingen

Downhill
Die ersten Steilwand kurven zum Angewöhnen

Nun ist Fabio überzeugt, dass ich den Trail schaffen kann, und wir schieben unsere Bikes an den Start. Vor uns
liegen auf der knapp fünf Kilometer langen Strecke 105 Steilwandkurven, 25 Sprünge (Jumps) und viele weitere Hindernisse. Die Herausforderung ist, ohne Bodenkontakt die mit Hindernissen bespickten Strecken hinunterzufahren. Einfache Strecken sind Flow-, schwierigere Downhilltrails, wobei es wie bei den Skipisten blaue, rote und schwarze gibt. Zum Glück habe ich am Vorabend keine Videos mit dem Titel «Die zehn krassesten Stürze oder so» angekuckt. Die Strecke beginnt gleich mit einer Abfolge an Steilwandkurven, und Fabio erklärt, wie die richtigen
Linien zu fahren sind. «Am Bremspunkt bleiben, hoch anfahren und den Blick in Fahrtrichtung richten, dann kann nichts schiefgehen», erklärt er mit beruhigender Stimme. Er hat wohl bemerkt, dass ich ein bisschen nervös bin. Fabio macht es vor und ich folge ihm nach. Erst bremse ich zu stark, die Räder verlieren den Halt, doch irgendwie bleibe ich oben. Downhillen sei Kopf sache, und man müsse in den Flow kommen, erinnere ich mich an Fabios Worte. Nach ein paar Kurven und weiteren Korrekturen seitens des Könners kommt das Vertrauen, und ich lasse das Bike laufen. Die Anspannung löst sich, und es beginnt, Spass zu machen. Natürlich lasse ich die Jumps und Tables vorerst aus.

Zeit für einen Sprung

Downhill
Fabio Jungen springt über den Gap, was für den Anfänger zu riskant wäre

Auf halber Strecke meinte Fabio, es sei nun an der Zeit, einen kleinen Sprung zu wagen. Er bestimmt die Anlaufstrecke und das Tempo für mich, sagt noch einmal, das Ganze sei nur Kopfsache und ich solle einfach in der Grundposition bleiben und es fliegen lassen. Und tatsächlich, die ersten kleinen Hüpfer gelingen, und ich kann erahnen, wie es für ihn sein muss, der über zehn Meter weit springt und dann noch einen Backflip einbaut. Weiter geht es hinunter über den «Chicken-Run» mit einer Abfolge von kleinen Hügel, die Wall aus Holz bis zu einem kleinen Table. Das ist ein Sprung von einer Holzrampe hinunter. Der Crack zeigt, wie man das Hindernis korrekt fährt. Wichtig sei, kurz nach dem Absprung den Lenker hochzuziehen. Konzentriert fahre ich an, reisse hoch und fliege Richtung Landungszone. Dort staucht es mich ein bisschen zusammen, sonst läuft alles gut.
Nach ein paar Kurven ist der Trail zu Ende, und es geht über eine geteerte Alpstrasse zurück zur Talstation. Bei der Waschstation entledigen wir die Bikes vom gröbsten Dreck und haben Zeit, die Fahrt Revue passieren zu lassen. Ich kann die Faszination fürs Downhillbiken nachvollziehen. Dank der Betreuung von Fabio Jungen ging alles reibungslos und ohne Sturz. Anfänger sind gut beraten, sich bei einem erfahrenen Downhiller Tipps zu holen. Ein paar Rückenmuskeln werden sich wohl am nächsten Tag bei mir mit einem Muskelkater bemerkbar machen, doch die Erinnerung ans Erlebnis bleibt positiv

Ausrüstung

Downhillbike: Santa Cruz V10 CC (6800 Fr.) santacruzbikes.ch
Helm: Alpinestars Missile Tech-Airlift Face (450 Fr.)
Brille: Smith Squad MTB Gravy (120 Fr.)
Protektoren: Paragon Lite Knee (80 Fr.), Paragon Lite Elbow (70 Fr.), Paragon Plus Protection Vest (150 Fr.)
Bekleidung: Drop Pro Shorts (200 Fr.), Drop Pro Long Sleeve Jersey (120 Fr.), Drop 6.0 Glove (60 Fr.) Alle alpinestars.com
Schuhe: Scott MTB AR (120 Fr.) scott-sports.com 

Auswahl schweizer Bikeparks mit Trails für Anfänger

Lenzerheide: bikekingdom.ch
Verbier: verbierbikepark.ch
Flumserberg: flumserberg.ch/bikerberg
St. Moritz-Bernina: engadin.ch/de/bike
Kandersteg-Sunnbüel: sunnbuel.ch 

Text: Felix Maurhofer
Fotos: Emanuel Freudiger

Downhill

Zur Person
Der 26-jährige Downhillbiker Fabio Jungen wuchs im Saanenland auf und wohnt heute in Amsoldingen, wo er das Bikegeschäft Mountain Roots aufgebaut hat. Bereits mit 13 Jahren fuhr er sein erstes Rennen. Als Semiprofi absolvierte er Europacuprennen. Der gelernte Zimmermann ist teilzeit bei Flying Metal angestellt und baut dort Trails oder Pumptracks. In der Freizeit fährt er gerne Endurorennen mit bis zu vier Stages. Dabei müssen die Fahrer zu einer bestimmten Zeit auf einem Berg sein, dann folgt die Abfahrtsetappe (Stage), wobei nur die Abfahrtszeit gewertet wird.

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